Wie soll ich dich empfangen
Nr. 11 •
Evangelisches Gesangbuch
Nr. 37 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)
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Für viele Menschen ist dieses Lied ein echtes Herzenslied – sei es in der einfühlsamen Melodie von Johann Crüger oder in der ergreifenden Melodiefassung von Hans Leo Hassler (heute bekannt als die Melodie zu „O Haupt voll Blut und Wunden“), wie sie im Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach anklingt. Beide musikalischen Fassungen berühren auf unterschiedliche Weise und öffnen den inneren Raum in der Vorbereitung auf das Geburtsfest Christi.
Text:
Melodie:
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Wissenswertes zu "Wie soll ich dich empfangen"
Der Liedtext und seine Vertonung entstanden möglicherweise bereits früher, wurden jedoch erstmals 1653 in Berlin veröffentlicht: in der fünften Auflage des von Johann Crüger herausgegebenen Gesangbuchs „Praxis Pietatis Melica“ sowie in dessen Sammlung „D. M. Luthers und anderer […] Geistliche Lieder“. Gerhardts theologisches Denken, das sich in künstlerisch und poetisch höchst ansprechender Weise ausdrückt, sowie Crügers einfühlsame Melodie machten das Lied rasch zu einem beliebten und vielfach vertonten Kirchenlied. Weltweite Bekanntheit erlangte die erste Strophe in der Verbindung mit einer Melodie von Hans Leo Hassler aus dem Jahr 1601 (heute bekannt als Melodie zu „O Haupt voll Blut und Wunden“), die Johann Sebastian Bach aus dem Leipziger Gesangbuch kannte und die er in der ersten Kantate seines Weihnachtsoratoriums verwendete. In der reformierten deutschsprachigen Schweiz wird Gerhardts Text auf die „Valet“-Melodie von Melchior Teschner aus dem Jahr 1613 gesungen. Johann Georg Ebelings Melodie zu „Wie soll ich dich empfangen“ von 1667 wurde später mit Rudolf Alexander Schröders Text „Wer kann der Treu vergessen“ verbunden.
Der zehnstrophige Liedtext ist klar gegliedert. Die beiden Teile unterscheiden sich durch ihre jeweilige Sprachrichtung: Die Strophen 1–5 wenden sich im persönlichen Gebet an Jesus und bilden ein Zwiegespräch mit dem Heiland. In den Strophen 6–10 hingegen wird der bedrängten Gemeinde Trost und Zuspruch zugesprochen – ja zugesungen. In Gerhardts Strophen entfaltet sich ein dreifacher Blick auf den Advent: Christi Ankunft als Heilsgeschehen einer individuellen Beziehung, ihre Auswirkung über das Individuum hinaus auf die Gemeinschaft im Hier und Heute sowie das bevorstehende Gericht. Karl Barth bezeichnete das Lied als „einen einzigen Hymnus auf die Rechtfertigung allein durch den Glauben“. Biblisch begründeter Rechtfertigungsglaube und lutherische Mystik werden hier miteinander verbunden: Das lyrische Ich besingt, was Gott an ihm getan hat. Gott kommt, wendet die Verhältnisse (vgl. das Magnificat) und befreit – immer wieder. Dies gilt jetzt und künftig. Gerhardts Sprachkunst erweist sich als mustergültig und meisterhaft: der Strophenbau im „Hildebrandston“, die bewusste Konsonanten- und Vokalführung (etwa das „a–o“ in der ersten und das „e–i–o“ in der vierten Strophe), der Einsatz von Alliterationen („Fried und Freude“, „hebst mich hoch“, „großes Gut“) sowie von Zwillingsformeln („kann und weiß“, „Trost und Freud“, „Spott und Schanden“).
Crüger komponierte die Melodie äußerst textnah und wirkungsvoll. Sie ist durch ihre zahlreichen Sekundgänge ausgesprochen sanglich gestaltet. Im Mittelteil bilden der Quartsprung in die obere Oktave („o Jesu“) sowie die anschließende Modulation in die Dominanttonart („setze“) den musikalischen Höhepunkt, der auch in den übrigen Strophen an dieser Stelle jeweils inhaltlich sinnvoll wirksam wird. Crügers Melodieverständnis ist wesentlich vom Zusammenklang, von der Harmonik und vom Generalbass geprägt. Entsprechend finden sich in seinen Gesangbüchern neben der im Sopran notierten Melodie stets auch die Bassstimme mit Akkordbezifferung – zu Beginn des 17. Jahrhunderts eine neue und einzigartige Erscheinung. Die für seine Zeit noch ungewöhnliche, eindeutig ausgeprägte Dur-Tonalität ist auch in dieser Melodie deutlich erkennbar.
Neben dem dogmatisch geprägten „Nun komm, der Heiden Heiland“ wird „Wie soll ich dich empfangen“ als zweites, stärker persönlich und emotional ausgerichtetes Wochenlied zum 1. Advent gesungen. Eine Vielzahl von Gestaltungsideen – etwa Liedpredigten, seelsorgliche Verwendungsweisen, Inszenierungshinweise und Melodiespiele – findet sich in der einschlägigen Literatur zu diesem Lied.
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Wie soll ich dich empfangen | Evangelisches Gesangbuch Nr. 11, Strophe 1
Radioserie und Podcast zum Lied
Kantor Johann Krüger und Pfarrer Paul Gerhardt, Komponist und Textdichter dieses Liedes, sind im 17. Jahrhundert ein produktives Gespann: Paul Gerhardt's Sprache fließt natürlich und lebt von kraftvollen Bildern. Und Johann Krüger macht es der Gemeinde leicht, mitzusingen.
In der Radioserie und im Podcast von SWR Kultur geben die Autorinnen und Autoren spannende Einblicke in die Entstehungsgeschichte bekannter Weihnachtslieder. Sie beleuchten, wie die Lieder entstanden sind, welche historischen und kulturellen Hintergründe sich mit ihnen verbinden und weshalb sie bis heute eine besondere Bedeutung im Weihnachtsbrauchtum haben.
Ein Beitrag aus der Reihe "SWR2-Weihnachtslieder"
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