Tochter Zion
Nr. 13 •
Evangelisches Gesangbuch
Nr. 39 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)
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Was als herrschaftlicher Jubelgesang in Händels Oper Joshua begann, wurde dank Rankes Textdichtung zu einem kirchlichen Adventslied, das in kürzester Zeit Einzug in Schulen, Gemeinden und Gesangbücher fand. Als festlicher Auftakt der Adventszeit ist es für viele kaum noch wegzudenken.
Text:
Melodie:
Satz:
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Wissenswertes zu "Tochter Zion"
Ranke dichtete das Lied, das in der Erstveröffentlichung die Überschrift „Am Palmsonntage“ trägt, nach dem traditionellen Evangelium sowohl des Palmsonntags als auch des 1. Adventssonntags (Mt 21,1–9 mit dem Zitat aus Sach 9,9). Ergänzend nahm er Motive aus Jes 9,5f. auf, die das Lied eindeutig adventlich prägen. Ranke schrieb den Text auf den triumphalen Chorsatz „See the conquering hero comes / Seht, er kommt mit Preis gekrönt“, den Händel aus seiner Oper Joshua (1747) in die 1751 erweiterte Fassung von Judas Maccabäus übernahm – ein Werk, das Ranke vermutlich im musizierfreudigen Hause Karl von Raumers in Nürnberg kennengelernt hat. Seinem pädagogischen Entstehungszusammenhang in einer Nürnberger Schule entsprechend verbreitete sich das Lied zunächst in schulischen Liedsammlungen und fand später über die Rubrik „Geistliche Volkslieder“ Eingang in offizielle kirchliche Gesangbücher.
Die in der Überlieferung weggefallene ursprüngliche dritte Strophe sollte wiederhergestellt werden, um die innere Statik des Liedes erneut sichtbar zu machen: Die „Tochter Zion“ (= Jerusalem) beantwortet den Aufruf zur Freude und zum Jubel über den als Friedefürst zu ihr kommenden König (Strophe 1) mit einer Huldigung: „Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk! Gründe nun dein ewig Reich …“ (Strophe 2). In gleicher Weise reagiert sie auch in der vierten Strophe: „Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild! Ewig steht dein Friedensthron …“ Diese Antwort steht zum Aufruf der (ursprünglichen) dritten Strophe in direkter Beziehung: „Tochter Zion, freue dich, / hol ihn jubelnd zu dir ein! / Sieh, er kommt demütiglich, / reitet auf dem Eselein. / Tochter Zion …“ So ergeben sich zwei korrespondierende Strophenpaare, deren erstes im Hoheits- und deren zweites im Niedrigkeitsparadigma gestaltet ist.
In den beiden Händel-Opern hat der (dort dreiteilige und sich in der musikalischen Intensität steigernde) Chor nach Joachim Stalmann „die Funktion eines Triumphgesanges für einen siegreich aus der Schlacht heimkehrenden Feldherrn“. Entsprechend schlicht sind die formale Struktur (A–B–A) sowie der harmonische Verlauf (Tonika–Dominante–Tonika; Dur–Moll–Dur) und die rhythmische Gestaltung der Melodie: punktierte Viertel und Achtelgruppen führen jeweils in zwei Halbe in der Zeilenmitte und in eine Ganze am Zeilenende. Während die appellativen Rahmenteile vor allem auf gravitätische Wirkung angelegt sind, entfaltet der stärker prädikative Mittelteil eine innigere Art.
Wie „Macht hoch die Tür“, das ebenfalls das Evangelium des 1. Adventssonntags entfaltet, ist „Tochter Zion“ kein Wochenlied. Es ist jedoch so beliebt geworden, dass es ohnehin gesungen wird – vorzugsweise am 1. Advent, aber faktisch während der gesamten Adventszeit bis zum 4. Advent Gaudete, dessen Proprium „Tochter Zion, freue dich“ inhaltlich wunderbar anklingt. Am Palmsonntag gesungen, kann das Lied zudem eine fruchtbare Irritation auslösen.
Der aufgezeigte Aufbau des Liedes kann hörbar werden, wenn die erste und die dritte Strophe von einem kleinen Chor vorgetragen werden, worauf die ganze Gemeinde bei vollem Orgelklang mit der zweiten und vierten Strophe antwortet. Alternativ kann der ruhigere Mittelteil jeder Strophe (B) von einem Solistenquartett übernommen und so wirkungsvoll gegen den festlichen Rahmen (A–A) kontrastiert werden.
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Notenansicht
Tochter Zion, freue dich | Evangelisches Gesangbuch Nr. 13, Strophe 1
Radioserie und Podcast zum Lied
Dieses Lied wird in England als patriotischer Marsch beim Abschlusskonzert der Londoner "Proms" im September mitgepfiffen. Wie konnte aus diesem patriotischen Marsch aus England ein deutsches Weihnachtslied werden?
In der Radioserie und im Podcast von SWR Kultur geben die Autorinnen und Autoren spannende Einblicke in die Entstehungsgeschichte bekannter Weihnachtslieder. Sie beleuchten, wie die Lieder entstanden sind, welche historischen und kulturellen Hintergründe sich mit ihnen verbinden und weshalb sie bis heute eine besondere Bedeutung im Weihnachtsbrauchtum haben.
Ein Beitrag aus der Reihe "SWR2-Weihnachtslieder"
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