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Stille Nacht

Nr. 46 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 61 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

„Stille Nacht“ gehört zu den weltweit bekanntesten Weihnachtsliedern und wird seit seiner Uraufführung 1818 in Oberndorf bei Salzburg in unzähligen Sprachen gesungen. Sein ruhiger Charakter und die schlichte Melodie berühren Menschen über kulturelle und konfessionelle Grenzen hinweg bis heute.

Text:

Joseph Mohr (*1792–†1848), 1816

Melodie:

Franz Xaver Gruber (*1787–†1863), (1818) 1838

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Wissenswertes zu "Stille Nacht"

Das bereits 1816 entstandene Gedicht in sechs Strophen legte Mohr 1818 seinem Oberndorfer Organisten zur Vertonung für den Heiligen Abend vor. Das Lied war als „Zwiegesang“ – zwei Männerstimmen mit Gitarrenbegleitung – für beide konzipiert. Über einen Orgelbauer gelangte es von Oberndorf ins Zillertal, wo eine Sängerfamilie es im Dezember 1831 und 1832 am Rande der Leipziger Messe bei Hotelaufführungen mit abgewandelter Melodie und auf drei Strophen reduziert präsentierte. Ein Mitschrieb davon wurde 1833 in der Sammlung Vier ächte Tyroler-Lieder veröffentlicht. 1836 nahm Friedrich Eickhoff das Lied in seine Gütersloher Edition geistlicher Gesänge Theomele auf und ersetzte dabei „Jesus“ durch „Christ“. Von hier übernahm es Johann Hinrich Wichern 1844 in das Liederbuch des Rauhen Hauses Unsere Lieder. Obwohl Eickhoff in der zweiten Auflage der Theomele sowie in der Missionsharfe wieder zur Formulierung „Jesus“ zurückkehrte, setzte sich im Protestantismus aufgrund der Wichern-Edition die Variante mit „Christ, der Retter ist da“ durch. Im katholischen Bereich markieren ein Leipziger Gesangbuch von 1838 und ein Salzburger von 1866 die ersten Publikationen. In rund 300 Sprachen übersetzt, verbreitete sich das Lied weltweit. Seit 2011 gehört es zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Im Anschluss an Weisheit 18,14f. erscheint die Stille der (Mitter-)Nacht als die „rettende Stund“ (Strophe 2) des göttlichen Eingreifens, als „heil’ge Nacht“. Aus dieser „stillen Nacht“ wird eine „laute“ Nacht im weithin hörbaren Ruf der Engel: „Jesus, der Retter ist da“ (Strophe 6). Diese Pointe, die in der bislang verbreiteten Fassung durch die verkehrte Reihenfolge der Strophen verdeckt war, ist mit dem originalen Liedschluss nun wiederhergestellt. Das Lied greift bekannte Topoi der Weihnachtsdarstellungen (Josef und Maria, das Jesuskind mit Lockenkopf) sowie der Weihnachtsmusik auf (Schlaflied für das Jesuskind). Es führt den Jesus-Namen ausdrücklich als Inbegriff des „Retters“ ein (vgl. Mt 1,21) – auch dies ist nun wieder restituiert. Von den drei bisher unbekannten Strophen ist Strophe 3 mit der Anspielung auf Joh 1,14 („Gnadenfülle“) hinzugekommen.

Im 6/8-Takt mit Siciliano-Punktierungen – im Original noch zahlreicher – wird der weihnachtliche Musiktopos der Pastorale aufgegriffen (vgl. Bach, Weihnachtsoratorium, Sinfonia zur zweiten Kantate). Die Gattung des „Zwiegesangs“ impliziert eine durchgängige Alternierung der Stimmen und erzeugt in ihrer elementaren Harmonisierung eine ausgeprägte „Wohlfühl“-Atmosphäre. Die Zillertaler Sänger vertauschten in der vorletzten Zeile die Stimmen, um bei „himm-lischer“ eine stärkere Emphase zu erzielen. Diese Gestaltung wurde als charakteristisches Merkmal der weltweit verbreiteten Melodiefassung beibehalten. Die Wiederholung der Schlusszeile – typisch für Volkslieder – rechnet ursprünglich vermutlich mit einem „Chorus“-Schluss, also einer Akklamation der Gemeinde auf den Sologesang.

Das ritualisierte Singen des Liedes am Heiligen Abend – nur im Licht der Weihnachtsbaumkerzen – kann in der ursprünglichen Zwiegesang-Praxis neues Profil gewinnen: Zwei Solostimmen (oder Chormitglieder) singen in Terzen, in der vorletzten Zeile in Sexten, und erst in der Schlusszeile setzt die Gemeinde als „Chorus“ ein. Wichtig ist dabei die Pointe des bewusst „lauten“ Singens am Ende, das idealerweise in volltönendes Glockengeläut übergeht. „Jesus, der Retter ist da“ erklingt so als weihnachtlicher Ruf, der dem Osterruf „Der Herr ist auferstanden“ entspricht.

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Rund um's Lied

Singidee mit Gebärden

Stille Nacht, das Weihnachtslied das auf der ganzen Welt beliebt ist und rund um den Heiligen Abend die Botschaft von Frieden und der Geburt Jesu verkündet, mit österreichischen Gebärden. Die Einspielung wurde im Salzburger Dom aufgenommen.