O komm, o komm, du Morgenstern
Nr. 19 •
Evangelisches Gesangbuch
Nr. 50 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)
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Nur wenige Adventslieder bringen Sehnsucht und Hoffnung so eindrucksvoll zum Ausdruck wie dieses. Die lateinischen O-Antiphonen, in eine englische Liedvorlage aufgenommen und ins Deutsche übertragen, haben ihren eindringlichen und archaischen Klang bewahrt. Und so betet auch heute der Singende: Komm zu uns, Christus – und erhelle unsere Dunkelheit.
Text:
nach dem englischen “O come, o come Emmanuel” von John Mason Neale 1851/1861 (Strophe 1-2) und Henry Sioane Coffin (Strophe 3)
Melodie:
Frankreich 15. Jh. bei Thomas Helmore 1856
Satz:
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Wissenswertes zu "O komm, o komm, du Morgenstern"
Der Urheber der Melodie aus dem 15. Jahrhundert ist nicht bekannt. Nachweislich veröffentlicht wurde sie zum englischen Text O Come, O Come, Emmanuel in der 1851 von Thomas Helmore und John Mason Neale herausgegebenen Sammlung The Hymnal Noted. Otmar Schulz verfasste 1975 die deutsche dreistrophige Fassung O komm, o komm, du Morgenstern. Diese ist in mehreren Liederbüchern vertreten und wurde 1993 in das Evangelische Gesangbuch aufgenommen. Zur gleichen Melodie und mit verwandtem Inhalt findet sich im Gotteslob das Lied Herr, send herab uns deinen Sohn; im neuen Evangelischen Gesangbuch steht die Variante Gott, send herab uns deinen Sohn.
Der lateinische Ursprungstext des Liedes Veni, veni Emmanuel ist eine mittelalterliche Dichtung, die mehrere O-Antiphonen textlich verarbeitet und in Liedform bringt. Die O-Antiphonen sind sieben kurze, feierliche Anrufungen Christi, die in der letzten Adventswoche (17.–23. Dezember) in der Vesper vor dem Magnificat gesungen werden. Jede beginnt mit „O …“ und ruft Christus unter einem alttestamentlich-messianischen Titel an: O Sapientia – O Weisheit; O Adonai – O Herr; O Radix Jesse – O Wurzel Jesse; O Clavis David – O Schlüssel Davids; O Oriens – O Morgenstern; O Rex Gentium – O König der Völker; O Emmanuel – O Gott mit uns. Der Text von O come, O come, Emmanuel steht in so unmittelbarer Nähe zu diesen Anrufungen, dass man das Lied als poetische Verdichtung dieser alten Adventsgebete verstehen kann.
Auch weitere Textgrundlagen sind biblischen Ursprungs. So heißt es in Offenbarung 22,16–17: „Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der helle Morgenstern. Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm!“ In Jesaja 9,5 wird der „Friedefürst“ verheißen. Die Bezeichnung Christi als „Lamm“ findet sich in Johannes 1,29 („Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt“) sowie in Offenbarung 19,9. Die dritte Strophe erinnert an Matthäus 28,20b: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Der Refrain greift Philipper 4,4–5 auf: „Freuet euch, der Herr ist nahe.“
Im Moll-Dreiklang steigt die Melodie zum Morgenstern auf. Das bildgebende Wort wird dabei mit drei Tönen ausgesungen. Die zweite Zeile führt den Moll-Dreiklang wieder abwärts, und das variierte Melisma betont „unsern“ Herrn – in den Noten zeigt sich gleichsam eine Verneigung vor Christus. Sinnfällig zu den Worten „Dunkel“ und „Nacht“ verbleibt die Melodie im unteren Bereich und endet auf dem tiefsten Ton der ganzen Melodie.
Die vierte Zeile bringt – abgesehen von den ersten beiden Tönen – die Melodie der ersten Zeile wieder. Der Refrain setzt mit dem höchsten Ton der Melodie ein und verweilt im froh gestimmten Dur-Bereich. Die letzte Zeile wiederholt die zweite Zeile der Strophe und führt schlüssig zum Grundton zurück. So verbinden sich Nachdenklichkeit und frohe Erwartung im Advent in der Melodie auf eindrucksvolle Weise.
Die Ausgabe sieht vor, dass die Strophen von einer Vorsängerin oder einem Vorsänger ausgeführt und der Refrain – wo möglich – im vierstimmigen Satz von allen gesungen wird. Mittlerweile ist die Melodie jedoch so bekannt, dass diese Aufteilung nicht mehr zwingend notwendig erscheint. Dennoch kann ein Wechselgesang ein belebendes Moment darstellen.
Ebenso ist denkbar, dass die Gemeinde die Strophen singt und ein Chor anschließend den vierstimmigen Satz des Refrains der Gemeinde vorsingt: „Freut euch.“ Auf diese Weise könnte der vierstimmige Satz der Gemeinde im Vollzug vertraut gemacht werden. Vielleicht sind bei der dritten Strophe bereits viele Sängerinnen und Sänger in der Lage, in die Mehrstimmigkeit des Refrains einzustimmen.
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