O du fröhliche, o du selige
Nr. 44 •
Evangelisches Gesangbuch
Nr. 66 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)
- Gotteslob /
- Kinderkirchenlieder "Immer und überall" (ELKB)
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„O du fröhliche“ ist eines der bekanntesten Weihnachtslieder – doch ursprünglich war es gar kein reines Weihnachtslied. Johannes Falk schrieb es als „Allerdreifeiertagslied“ für Weihnachten, Ostern und Pfingsten, und die Melodie stammt aus einem alten sizilianischen Marienhymnus. Hinter der schlichten volkstümlichen Form verbirgt sich eine erstaunlich vielschichtige Geschichte.
Text:
Melodie:
nach einem lateinischen Marienlied aus Sizilien (Italien) vor 1788 bei Johann Gottfried Herder 1807
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Wissenswertes zu "O du fröhliche, o du selige"
Johannes Falk verfasste für die „Gesellschaft der Freunde in Not“ in Weimar wahrscheinlich 1816 ein „Allerdreifeiertagslied“. Jede der drei Strophen bezog sich dabei auf eines der drei christlichen Hauptfeste: Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Die Anfangsworte („O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende …“) sowie die Schlusszeile („Freue, freue dich, o Christenheit!“) blieben dabei als rahmende, refrainartige Elemente unverändert.
Als Melodie verwendete Falk ein Lied, das Johann Gottfried Herder (1744–1803) überliefert hatte und das posthum 1807 in der zweiten Ausgabe seiner Sammlung Stimmen der Völker in Liedern (dort mit Noten) veröffentlicht wurde. Falks Liedtext erschien erstmals in seinem Jahresbericht an die Gesellschaft für 1816/1817.
Das zugrunde liegende Lied „O sanctissima, o piissima“ war bereits 1792 mit Melodie und dreistimmigem Satz als „The Sicilian Mariner’s Hymn to the Virgin“ im European Magazine and London Review abgedruckt worden.
Heinrich Holzschuher griff später die erste Strophe auf und fügte vermutlich 1826 zwei weihnachtliche Strophen hinzu, sodass aus dem ursprünglichen „Allerdreifeiertagslied“ das heute unsterbliche Weihnachtslied wurde. Der erste Abdruck dieser Fassung (noch ohne Noten) erschien 1826 im Bayer’schen Landboten.
Die Kernaussagen der Strophen fußen auf der Bibel: Christus „ist geboren“ (Lk 2,11); Christus ist „erschienen“ (Tit 2,11–14); er kam, um uns zu „versühnen“ (2 Kor 5,19); die „himmlischen Heere“ jauchzen ihm „Ehre“ (Lk 2,14). Besungen wird das Heilswirken Christi. Die knappe Form steht dabei in engem Zusammenhang mit dem sozialen Hintergrund der Entstehung. „Seine unverwüstliche Kraft stammt aus der Einfalt und Kürze seiner Aussagen. Die Mittelstücke ‚Welt ging verloren – Christ ist erschienen – Himmlische Heere‘, die jedes Mal mit dem Ruf der Freude beantwortet werden, bieten eine Christuslehre in Taschenausgabe. Wer ‚O du fröhliche‘ gesungen hat, der hat nüchterne biblische Wahrheit gesungen. Es ist musikalisch und theologisch so gesund und dabei so volksmäßig, dass kein Missbrauch es umbringen kann.“ (Theophil Bruppacher: „Gelobet sei der Herr“, Basel 1953, S. 145)
Die fröhlich und festlich klingende Melodie, die wohl aus dem 16. Jahrhundert stammt, bewegt sich in mehreren Viertonräumen (Tetrachorden), etwa zwischen fis′ und h′, zwischen a′ und d″ oder zwischen e′ und a′. Der Gesamtumfang umfasst eine Oktave. Sowohl durch die Wiederholungen von Tonleitersegmenten mit nur geringen Verschiebungen als auch durch das Wechselspiel zwischen dem fünften und sechsten Ton der Tonleiter (vgl. die Rufmotive aus Kinderliedern, wie sie auch andere Weihnachtslieder verwenden) erhält die Melodie eine Volkstümlichkeit, die entscheidend zu ihrer Eingängigkeit und Beliebtheit beigetragen haben dürfte. Die zur Melodie gehörende Harmoniefolge weist eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit derjenigen von „We shall overcome“ auf – ebenfalls ein Lied, das stark mit Bewegung verbunden ist: hier die Schiffer bei oder nach der Arbeit, dort die Protestierenden im Marsch. Weitere Texte, die auf diese Melodie gesungen wurden, finden sich bei Herder („O du Heilige, Hochbenedeiete, Süße Mutter der Liebe“), bei Theodor Körner („Hör’ uns, Allmächtiger! Hör’ uns, Allgütiger“) sowie in zahlreichen Parodien.
Die Überschrift „Die Kinder an der Krippe“, die Heinrich Holzschuher 1826 verwendete, weist auf den Zusammenhang mit Krippenspielen hin, in die das Lied problemlos eingefügt werden kann. In seinem Spiel werden die Strophen im Wechsel mit Gedanken und Gesprächen unter Kindern gesungen. Überraschend und reizvoll könnte es sein, wenn Falks ursprüngliche Strophen zu Ostern und Pfingsten (vgl. entsprechende Hinweise auf der Webseite zum Lied) an den jeweiligen Feiertagen einmal erklingen würden.
Das Weihnachtslied „O du fröhliche“ gehört zu den von der Liturgischen Konferenz der EKD empfohlenen 33 Kernliedern und außerdem zu den Kernliedern der Evangelisch-reformierten Kirche der deutschsprachigen Schweiz (dort unter die vier „Selbstverständlichen“ eingeordnet). Dies bedeutet, dass es wünschenswert ist, diese Lieder in allen Bereichen christlichen Lebens verstärkt zu verwenden: in Kindergärten, im Religions- und Konfirmandenunterricht, in der Jugendarbeit, in Gottesdiensten und in Chören aller Art. Auf diese Weise kann ein Liedrepertoire wachsen, das evangelische Christinnen und Christen miteinander verbindet.
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Notenansicht
O du fröhliche, o du selige | Evangelisches Gesangbuch Nr. 44, Strophe 1
Radioserie und Podcast zum Lied
Ein Fest für jede Orgel: "O du fröhliche". Bei diesem Lied kommt das spezielle Weihnachtsregister zum Einsatz: der Zimbelstern.
In der Radioserie und im Podcast von SWR Kultur geben die Autorinnen und Autoren spannende Einblicke in die Entstehungsgeschichte bekannter Weihnachtslieder. Sie beleuchten, wie die Lieder entstanden sind, welche historischen und kulturellen Hintergründe sich mit ihnen verbinden und weshalb sie bis heute eine besondere Bedeutung im Weihnachtsbrauchtum haben.
Ein Beitrag aus der Reihe "SWR2-Weihnachtslieder"
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