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Nun ruhen alle Wälder

Nr. 477 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 29 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • Gotteslob

Mit diesem Abendlied schuf Paul Gerhardt eine der innigsten geistlichen Dichtungen des 17. Jahrhunderts. In Verbindung mit einer volksliedhaften Melodie entfaltet es eine eindrückliche Einheit von Naturbeobachtung, Gebet und Vertrauen auf Gottes Schutz in der Nacht – ein geistliches Kleinod, das bis heute in Kirche und Gemeindeleben seinen festen Platz hat.

Text:

Paul Gerhardt (*1607–†1676), 1647

Melodie:

Heinrich Isaac (*1450 (um)–†1517), 15. Jh

“Innsbruck ich muss dich lassen” (um 1495) 1539; geistlich 1505, Nürnberg 1581 bei Bartholomäus Gesius 1605

Satz:

Bartholomäus Gesius (*1562 (um)–†1613)

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Wissenswertes zu "Nun ruhen alle Wälder"

Mitte des 16. Jahrhunderts erschienen in Nürnberg Einzeldrucke des Liedes „O Welt, ich muss dich lassen“ als geistliche Kontrafaktur des weltlichen „Innsbruck, ich muss dich lassen“. Dessen Melodie wurde als Diskantstimme eines Tonsatzes von Heinrich Isaac populär – was jedoch nicht beweist, dass sie von Isaac selbst stammt. Das Abendlied „Nun ruhen alle Wälder“ von Paul Gerhardt, das zu seinen frühen Dichtungen zählt, erschien erstmals 1647 in der zweiten Auflage von Johann Crügers Gesangbuch „Praxis Pietatis Melica“ mit der Melodieangabe „O Welt, ich muss dich lassen“. Auf diese Weise verband sich auch der Kantionalsatz von Bartholomäus Gesius (1605) zu „O Welt, ich muss dich lassen“ mit Gerhardts Abendlied.

Die Strophen 1–6 beschreiben jeweils ein natürliches Abendphänomen und eine geistliche Entsprechung. In den Strophen 1, 2 und 4 wird der Ruhe, zu der sich alles begeben hat, die Erhebung zu Gott im Gebet, dem Schwinden der Sonne Jesus als die „andre Sonne“ und dem Entkleiden die eschatologische Einkleidung antithetisch gegenübergestellt. In den Strophen 3 sowie 5–6 werden den funkelnden Sternen die himmlische Existenz des Frommen, der Arbeitsruhe die ewige Ruhe und dem Zubettgehen die Bestattung synthetisch zur Seite gestellt. Die Strophen 7–9 blicken schließlich auf die bevorstehende Nacht, für die sich der Beter – mit Psalm 121 – dem „Wächter Israels“ anvertraut und sich in der berühmten Strophe „Breit aus die Flügel beide“ der Obhut Jesu empfiehlt, bevor er abschließend auch seine „Lieben“ in die Bitte um nächtlichen Schutz einbezieht.

Die schlichte, in kleinen Tonschritten voranschreitende Dur-Melodie gliedert sich – entsprechend der Strophenform (Reimschema AAB CCB) – in zwei nahezu identische Hälften zu je drei Zeilen. In den jeweils ersten Zeilen wechseln sich Viertel- und Halbe-Notenwerte ab. Auffällig ist, dass die Schlusszeile der ersten Hälfte in der zweiten Hälfte wieder aufgenommen wird – jedoch in verlängerten Notenwerten (Halben statt Vierteln). Dies verleiht der Melodie eine beruhigende Wirkung und klangliche Weite und macht sie zugleich durch den überschaubaren Tonumfang leicht singbar. Verbreitet ist auch eine isorhythmische Variante, in der der Wechsel von Vierteln und Halben rhythmisch geglättet erscheint.

Abendlieder eignen sich kaum für Sonntagsgottesdienste – es sei denn, diese finden am Samstag- oder Sonntagabend statt. Für solche Anlässe empfiehlt sich besonders das Lied „Nun ruhen alle Wälder“, das sowohl im Text als auch in der Melodie es verdient, im kulturellen Gedächtnis der evangelischen Kirche lebendig zu bleiben. Auch für Abendveranstaltungen im Gemeindeleben ist es ein passender geistlicher Abschluss; in Chorproben kann es zudem in mehrstimmiger Ausführung gepflegt werden.

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