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Mit dir, Maria, singen wir

Nr. 94 • freiTöne
Nr. 49 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • Durch Hohes und Tiefes /
  • Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder /
  • EG.E Evangelisches Gesangbuch - Ergänzungsheft

Der französische „Troubadour des Glaubens“, Jean-Claude Gianadda hat sich diese berührendes Lied ausgedacht, Eugen Eckert hat es eingehend bearbeitet: Herausgekommen ist ein wunderbares evangelischen Marienlied.

Text:

Eugen Eckert (*1954), 1992

nach dem französischen Original „Chercher avec toi, Marie“ 
 

Melodie:

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Wissenswertes zu "Mit dir, Maria, singen wir"

Eugen Eckert adaptierte die Melodie 1992 und veröffentlichte das Lied in der Sammlung „Vom Leben singen“, herausgegeben vom Arbeitskreis „Kirchenmusik und Jugendseelsorge“. Vorlage ist das aus der Tradition der Kathedrale von Chartres stammende französische Marienlied „Chercher avec toi, Marie“, das in der deutschsprachigen Fassung jedoch deutlich andere inhaltliche Akzente setzt. Das Lied wird bei Kirchen- und Katholikentagen gesungen, ebenso in (vornehmlich katholischen) Gemeinde-Gottesdiensten. Rezeption findet es auch in katholischen Reforminitiativen, unter anderem in der Bewegung „Maria 2.0“. Mit der Aufnahme als neues Wochenlied bei der Perikopenrevision der Evangelischen Kirche in Deutschland wurde es 2018 in das Ergänzungsheft des Evangelischen Gesangbuchs aufgenommen und dadurch auch evangelischen Gemeinden bekannt.

Der Refrain stellt die Gemeinde an die Seite der singenden Maria. Dabei werden mit der Hoffnung auf das Hereinbrechen des göttlichen Heils und den Tag der Befreiung wesentliche Aspekte des Magnificats (Lk 1,46–55) aufgegriffen. Diese verbinden sich aus gegenwärtiger Perspektive mit der Hoffnung auf Gerechtigkeit.

Die vier Strophen verknüpfen adventliche Motive (Strophen 1 und 4) mit Gedanken zu Passion (Strophe 2) und Ostern (Strophe 3). Obwohl Motive der Marienverehrung bzw. Mariendogmen anklingen (Erwählung, Gottesmutter), ist „Mit dir, Maria, singen wir“ kein klassisches Marienlied – schon allein durch die Sprechperspektive, die die Singenden an die Seite Marias stellt und nicht (anbetend) ihr gegenüber.

In den Strophen, in denen das göttliche Handeln und Wirken direkt besungen wird, treten auch parallele Dur-Tonarten auf. Der Refrain endet über eine Quintfallsequenz – eine Abfolge von Akkorden, bei der jeweils der nächste Akkord eine Quinte tiefer (oder eine Quarte höher) liegt – ausgehend von A-Moll wieder in der Ausgangstonart. Rhythmisch wiederholen sowohl Refrain als auch Strophen nahezu jeweils eine viertaktige Sequenz. Auffällig und ungewöhnlich ist der Sprung zwischen Refrain und Strophe im Umfang einer Dezime (Intervall über zehn Tonstufen). In diesem Sprung wird das „Erheben“ im Singen gleichsam bildlich ausgedrückt. Die Strophen erklingen dadurch insgesamt in einer gegenüber dem Refrain deutlich höheren Lage.

Die Melodie besitzt einen berührenden, zugleich fröhlichen und frischen Pathos, der die Singenden besonders im Aufbruch in die höhere Lage der Strophen mitreißt

Das Lied ist als Tageslied zum Gedenktag der Ankündigung der Geburt des Herrn (25. März) vorgesehen und wurde neben verschiedenen landeskirchlichen Beiheften auch in das Ergänzungsheft zum Evangelischen Gesangbuch aufgenommen. Da dieser Tag im evangelischen Kirchenjahr wenig Beachtung findet, eignet sich das Lied thematisch besonders für ökumenische Kontexte und für Gottesdienste, in denen das Magnificat eine Rolle spielt – zum Beispiel am 4. Advent. Auch zu den Themen Hoffnung, Kreuz und Leid bietet es inhaltliche Anknüpfungspunkte. Nicht zuletzt wegen des großen Sprungs zwischen Refrain und Strophen sowie der deutlich unterschiedlichen Tonhöhen bietet sich auch eine solistische Ausführung der Strophen an.

Aufnahmen von "Mit dir, Maria, singen wir"

Mit dir, Maria, singen wir
mit Gesang und Orgelbegleitung

Alina Sauter (Gesang), Bruno Hamm (Orgel)

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Geistlicher Impuls

Wenn Menschen gemeinsam singen, passiert ganz Wunderbares

Wenn Menschen gemeinsam singen, passiert ganz Wunderbares.
Menschen, die lange geschwiegen haben, finden zurück zu einer Stimme.
Auf die Einsamkeit von Menschen fällt der Schein der Gemeinschaft.
In der Verwobenheit von Tönen klingt ganz vorsichtig die Hoffnung auf etwas Neues auf.

 

 

Dass Singen immer wieder Ausdruck einer tiefen Hoffnung auf etwas Kommendes sein kann, hat Maria gespürt. In ihrer Angst vor der Zukunft hat sie gesungen. Berührt durch Gottes Gnade hat sie ein Lied angestimmt. In ihrem Lied, in ihrem singenden Sich-hinwenden zu Gott, hat sie Zuflucht gesucht und Zuversicht gefunden. 

Wie unendlich tröstlich, dass wir eingeladen sind, mit Maria zu singen. Mit ihr einzustimmen in das Lied, das von der Angst spricht und von den Tränen dieser Welt, und das einen Schein fallen lässt auf die Hoffnung und Zuversicht, der wir im Advent entgegengehen: 

 

 

Mit dir, Maria, singen wir 
von Gottes Heil in unsrer Zeit.
Uns trägt die Hoffnung, die du trugst –
es kommt der Tag, der uns befreit!