Mein Schöpfer, steh mir bei
Nr. 121 •
Kommt atmet auf
Nr. 167 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)
- EG-Regionalteil Rheinland-Westfalen-Lippe /
- EG-Regionalteil Niedersachsen-Bremen
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Die moderne Nachdichtung des barocken Liedes durch Detlev Block spricht eine eigenständige, poetische und zeitgemäße Sprache und bleibt zugleich dem persönlichen Tonfall des Originals verpflichtet. Sie eignet sich nicht nur für Tauf- und Konfirmationshandlungen, sondern kann darüber hinaus als Bittlied um Gottes Beistand auf dem eigenen Lebensweg gesungen werden.
Text:
Melodie:
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Wissenswertes zu "Mein Schöpfer, steh mir bei"
Der ursprüngliche Liedtext stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde von Johann Jakob Rambach verfasst. Das bekannteste seiner zahlreichen Lieder ist „Ich bin getauft auf deinen Namen“. Doch auch das kleinere Pendant „Mein Schöpfer, steh mir bei“ fand in Kirche und Schule breite Rezeption.
Rambach veröffentlichte es 1729 in seinen Poetischen Fest-Gedanken mit dem Hinweis auf eine bereits bestehende Melodie aus dem Gesangbuch von Glaucha, dem Ort der Franckeschen Stiftungen. In den drei von ihm selbst herausgegebenen Gesangbüchern wurde das Lied jedoch nicht aufgenommen.
Erst mit der Schaffung und Zuordnung einer eigenen Melodie – komponiert von Franz Heinrich Meyer für das Melodienbüchlein zum Hannoverschen Gesangbuch (1741) – fand das Lied Eingang in zahlreiche Gesangbücher der Folgezeit. Dort wurde es Rubriken wie „Vom christlichen Lebenswandel“, „Lob- und Dankgebete“ oder „Der dreieinige Gott“ zugeordnet. Liturgische Ordnungen zeigen zugleich, dass es sich im 19. Jahrhundert zu einem klassischen Konfirmationslied entwickelte.
Als Lied zu Taufe und Konfirmation blieb es auch im 20. Jahrhundert in Gebrauch. Detlev Block veröffentlichte 1990 eine freie Nachdichtung des Liedes in einem Sammelband mit 40 Kirchenliedern. Diese Fassung ist in einigen neueren Gesangbüchern abgedruckt (u. a. im Regionalteil Rheinland/Westfalen/Lippe zum bisherigen EG sowie im bayerischen Kommt, atmet auf von 2011). Das Gesangbuch der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (2021) bietet sowohl die ursprüngliche wie auch die moderne Textvariante an.
Die moderne Nachdichtung des barocken Liedes durch Detlev Block spricht eine eigenständige poetische und zeitgemäße Sprache und bleibt zugleich nah am persönlichen Tonfall sowie am gedanklichen Weg der vier originalen Strophen mit ihrer trinitarischen Struktur. Das Lied ist ein Gebet: Das singende „Ich“ wendet sich vertrauensvoll an Gott – „mein Schöpfer“ (Strophe 1), „mein Heiland“ (Strophe 2), „mein Tröster“ (Strophe 3) – und mündet schließlich in die Anrufung des dreieinigen Gottes (Strophe 4).
Jede Strophe erbittet auf ihre Weise Gottes Beistand für die Aufgabe, das eigene Leben in der Beziehung zu ihm zu gestalten: Ich erbitte die Freiheit, mit Gott zu leben (Strophe 1); den Segen, im Glauben zu wachsen (Strophe 2); die Kraft, im Heute zu bestehen (Strophe 3); und die Zuversicht, in der Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott zu bleiben (Strophe 4).
Die Melodie von Franz Heinrich Meyer entstand 1741 eigens zu diesem Lied; seither bilden Text und Melodie eine Einheit. Das hängt sicherlich auch mit der spezifischen, relativ umfangreichen Strophenform zusammen, die eine entsprechende musikalische Gestaltung verlangt: Zehn Verszeilen mit einem wechselnden Silbenmaß (6.6. 6.6. 7.7. 7.7. 8.6). Die Melodie nimmt diese Form strukturell auf, indem sie zwei zweizeilige Abschnitte jeweils wiederholt und erst danach in den (ebenfalls zweizeiligen) Abgesang übergeht. Ihre Harmonik ist schlicht gehalten. Auch rhythmisch hat sich die Melodie – ursprünglich durch Punktierungen und Achtelbewegungen belebt – in einer Fassung gleichmäßig fortschreitender Viertel durchgesetzt.
Schlicht in Tonalität und Rhythmus, im Ausdruck jedoch nicht ohne Emphase, eignet sich die Melodie hervorragend, in einer großen Gemeinschaft sehr persönlich vom Glauben an Gott zu singen. Auch dies dürfte ein Grund dafür sein, dass das Lied zu einem beliebten Konfirmationslied werden konnte.
Der gedankliche Weg und die trinitarische Struktur der Strophen rücken das Lied wie selbstverständlich in den Kontext von Taufe und Konfirmation, auch wenn im Text selbst davon gar nicht die Rede ist. Gerade wo ich die Taufe als gegenseitigen Bund zwischen Gott und Mensch verstehe, ist das Lied eine gute Sprachhilfe zur Tauferinnerung, betont es doch die Gegenseitigkeit, auf der die Beziehung zwischen mir und Gott beruht. In seiner sprachlichen Allgemeinheit ist das Lied zugleich offen und geeignet für viele andere Situationen, in denen es darum geht, das Geheimnis der Dreieinigkeit Gottes zu besingen, Gottes Beistand zu erbitten, das eigene Leben als Weg in der Nachfolge Jesu zu verstehen und sich in diesem Glauben zu stärken.
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