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Maria durch ein Dornwald ging

Nr. 2 • EGplus
Nr. 48 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • Durch Hohes und Tiefes /
  • Gotteslob /
  • Singt Jubilate

Die Bildwelt des dunklen Dornwaldes und der erblühenden Rosen weckt Gefühle: Sie spricht von Liebe und Leidenschaft, Vergänglichkeit und Schmerz, Schönheit und Reinheit, Trauer und Verlust. Die archaisch anmutende Melodie rahmt diese Stimmung stimmig ein. Gerade im Advent lassen sich viele Menschen sehnsuchtsvoll von diesen romantischen Bildern und den dunkel-tröstlichen Klängen ansprechen.

Text:

von August Haxthausen (*1792–†1866), 1850

Herausgeber; Textverfasser unbekannt

Melodie:

von August Haxthausen (*1792–†1866), 1850

Herausgeber; Melodieverfasser unbekannt

Satz:

Wolfram Zöllner (*1931–†1988)

Landkarte der Liedschöpfer:innen

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Wissenswertes zu "Maria durch ein Dornwald ging"

Es ist fraglich, ob das gesamte Lied tatsächlich aus dem 16. Jahrhundert stammt. Neuere Forschungen deuten vielmehr – wie bei vielen ähnlichen sogenannten „Volksliedern“ – auf eine Entstehung im Umfeld literarischer Zirkel der Romantik hin. Erstmalig erschien das Lied mit sieben Strophen 1850 in der Sammlung Geistliche Volkslieder mit ihren ursprünglichen Weisen, gesammelt aus mündlicher Tradition und seltenen alten Gesangbüchern. Herausgeber August von Haxthausen verwies auf einen Ursprung im katholischen Eichsfeld (Thüringen), der sich jedoch nicht belegen lässt. Möglicherweise wurde die Melodie auch erst um 1850 neu zum Text komponiert. Sicher ist, dass sich das Lied bis Ende des 19. Jahrhunderts als mündlich tradiertes Wallfahrtslied vom Eichsfeld aus vor allem im Bistum Paderborn verbreitete. Die erstmals 1910 nachweisbare dreistrophige Fassung des volkstümlichen Marienliedes wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch Liedsammlungen der Wandervogel-, Jugend- und Singbewegung populär. Dadurch fand es schließlich als eines der beliebtesten Advents- und Weihnachtslieder Eingang in katholische wie evangelische Gesangbücher.

Die drei Strophen beschreiben in konzentrierter Sprache den Weg der schwangeren Maria zu ihrer Verwandten Elisabeth (Lk 1,39–56) als Gang durch einen Dornwald, dessen Dornen plötzlich erblühen und so das heilvolle Geheimnis des Kindes künden, das in Maria heranwächst. Das nach der jeweils ersten Textzeile eingeschobene „Kyrie eleison“ (Herr, erbarme dich) erinnert an die sogenannten Leisen, eine mittelalterliche Liedform. Am Ende der Strophen steht jedoch nicht der übliche Erbarmungsruf, sondern die Anrufung „Jesus und Maria“. Die weiteren vier Strophen greifen in für Wallfahrts- und Ansingelieder typischen Frage- und Antwortzeilen die Themen der Namensgebung Jesu, der Taufe und der Erlösung durch das Christkind auf. Als Lied der katholischen Marienfrömmigkeit steht es dem Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“ inhaltlich wie bildhaft nahe. Mit Wendungen wie „ohne Schmerzen“ und „sieben Jahren“ lässt es zudem Assoziationen zum Fest der „Sieben Schmerzen Mariens“ zu. Das Motiv des Rosenwunders ist in der Bibel nicht belegt; es findet sich in mittelalterlichen Heiligenlegenden, allerdings nicht im Zusammenhang mit der schwangeren Maria. Auffällig ist dabei die schnörkellose, ja schlichte Sprache des Textes. Der Dichter scheint wenig Wert auf kunstvolle Reimformen oder metrische Regelmäßigkeit gelegt zu haben. In seiner Reimlosigkeit und den unregelmäßigen Verslängen wirkt der Text beinahe holprig – und zugleich sehr alt.

Die Moll-Melodie ist im Geist der volksliedhaften Weisen des 19. Jahrhunderts gestaltet. Durch ihre schlichte Form ist sie leicht erfassbar, und mit einem Tonumfang von nur einer None auch gut mitzusingen. Die unterschiedliche Länge der Textzeilen macht die Silbenverteilung auf die Melodie jedoch bisweilen etwas kompliziert und holprig – was den Eindruck einer sehr alten Melodie sogar noch verstärken kann. Ihre ernste, dunkle, zugleich aber tröstliche Klangfärbung wird von vielen Menschen als überaus stimmig zu den starken und plastischen Textbildern empfunden.

Das Lied spricht alle Generationen an. Es hat seinen natürlichen Platz in Gottesdiensten und Feiern der Advents- und Weihnachtszeit, besonders auch bei Krippenspielen. Es eignet sich zudem hervorragend für einen dialogischen Vortrag zwischen Vorsänger und Gemeinde. Neben seinem engen Bezug zur Verkündigungsgeschichte kann es in der Adventszeit auch in Gottesdiensten zum Fest Mariä Heimsuchung (2. Juli) erklingen.

Aufnahmen von "Maria durch ein Dornwald ging"

Maria durch ein Dornwald ging
mit Vokalensemble

Vokalkapelle der Theatinerkirche München, Leitung: Robert Mehlhart

aus: CD "Advent und Weihnachten" ℗ Resonando

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Bilderbuch zum Lied

Eine Einladung zum Mitsingen

Wie in einem Bilderbuch führen die Bildkarten Schritt für Schritt durch das Lied. Beim gemeinsamen Singen können Eltern und Kinder so Strophe für Strophe entdecken und das Lied gleichsam „singend durchblättern“. Die Zeichnung ist bewusst schlicht und kindgerecht gehalten. Ihre offene Gestaltung lädt dazu ein, eigene Assoziationen einzubringen, die Motive weiterzudenken und die Bilder vielleicht sogar selbst kreativ zu ergänzen oder eigene Bilder zu gestalten.

Die Vorlagen lassen sich ausdrucken und bunt gestalten: So entstehen kleine Leporellos oder sogar Lied-Memorys. Wer mit den Bildern und den entsprechenden Liedstrophen spielen möchte, kann auf mitsingen.de Lieder erraten oder seine Textsicherheit bei einem Bildermemory testen.

 

Viel Spaß beim Blättern!

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State: read, orientation: landscape

Quelle: Ein Projekt der Arbeitsstelle Kirchenmusik in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens (EVLKS), Fachbeauftragte für Chor- und Singarbeit Martina Hergt www.kirchenmusik-sachsen.de

Choralandacht

Impulse aus der Reihe KIRCHE IM SWR

„Wie aus weiter Ferne kommt unser heutiges Lied zum Sonntag. Immer näher kommt es, Schritt für Schritt und Ton für Ton. Bald versteht man den Refrain. Es ist ein uralter Ruf, um jemanden zu begrüßen: „Kyrie eleison“ – Herr, erbarme dich. Man könnte auch übersetzen: Wende dich mir zu, gib dich zu erkennen!” Der Beitrag von Meinrad Walter schlägt Brücken in die Gegenwart und nimmt sich Zeit für dieses beliebte Lied. Mehr erfahren? Lesen oder Reinhören?

 

 

Zum Beitrag

 

Quelle: www.kirche-im-swr.de

Hintergrundwissen

Radioserie und Podcast zum Lied

In der Radioserie und im Podcast von SWR Kultur geben die Autorinnen und Autoren spannende Einblicke in die Entstehungsgeschichte bekannter Weihnachtslieder. Sie beleuchten, wie die Lieder entstanden sind, welche historischen und kulturellen Hintergründe sich mit ihnen verbinden und weshalb sie bis heute eine besondere Bedeutung im Weihnachtsbrauchtum haben.

 

Ein Beitrag aus der Reihe "SWR2-Weihnachtslieder"

Quelle: www.swr.de