Es ist das evangelische – und zugleich ökumenisch weit verbreitete – Adventslied schlechthin. Mit seinem festlichen Klang eröffnet es den adventlichen Liederreigen und wird, nicht zuletzt wegen seines engen Bezugs zu Psalm 24, besonders gern am ersten Advent in vielen Kirchen gesungen.
Halle, 1704
Spannende Hintergründe zu den beteiligten Personen und ihren Lebenswegen entdecken.
Georg Weissel schrieb das Lied „Macht hoch die Tür“ zum 2. Adventssonntag 1623 anlässlich der Einweihung der Altrossgärter Kirche in Königsberg, in der er eine Woche später als erster Pfarrer eingeführt wurde. Für diesen Anlass schuf er auch das Lied „Such, wer da will, ein ander Ziel“. Erstmals gedruckt wurde „Macht hoch die Tür“ 1642 in Elbing, verbunden mit einer Melodie von Johann Stobaeus. In Johann Crügers „Praxis Pietatis Melica“ (1661) erhielt das Lied eine neue musikalische Fassung, die jedoch durch eine Melodie eines unbekannten Autors im Freylinghausenschen Gesangbuch von 1704 verdrängt wurde. Diese Melodie hat sich unlösbar mit dem Text verbunden und international wie ökumenisch durchgesetzt.
Der fünfstrophige Text entfaltet – der Überschrift „Am Ersten Sontag deß Advendts“ (1642) entsprechend – die traditionellen und im Kern bis heute maßgeblichen biblischen Texte dieses ersten Sonntags im Kirchenjahr: den Introitus-Psalm 24,7–10 („Machet die Tore weit …“), das Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem (Matthäus 21,1–9) und das darin enthaltene Zitat aus Sacharja 9,9.
Die Ankunft des „Königs aller Königreich“ und „Heilands aller Welt zugleich“ wird proklamiert (Strophe 1), eines Königs jedoch, der nicht in weltlicher Macht erscheint, sondern als Helfer, der „all unsre Not zum Ende bringt“ (Strophe 2). Seine Gegenwart ruft universale Freude hervor: „Land“, „Stadt“ und „alle Herzen insgemein“ dürfen sich seiner Ankunft rühmen. Das Lob der Menschen erklingt in der wiederkehrenden Formel „Gelobet sei mein Gott“, die die in Strophe 1–3 dreifach entfalteten Prädikationen bündelt: „mein Schöpfer, reich von Rat“, „mein Heiland, groß von Tat“ und „mein Tröster früh und spat“. In Strophe 4 werden sie verdichtet zu der trinitarischen Formel: „Gelobet sei mein Gott, voll Rat, voll Tat, voll Gnad.“ Wie in den Strophen 1–4 die öffentliche Proklamation der Ankunft des Königs das persönliche Lob hervorruft (immer wieder: „Gelobet sei mein Gott“), so führt Strophe 5 zu einer innigen persönlichen Wendung: Zum ersten Mal wird der König beim Namen genannt – „Komm, o mein Heiland Jesu Christ“ – und das Bild des geöffneten Herzens aufgenommen: „meins Herzens Tür dir offen ist“. Das persönliche Gebet der Einzelnen bezieht die Gemeinschaft mit ein: „dein Freundlichkeit auch uns erschein“, und mündet in eine Bitte um göttliche Führung: „Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit.“
Die großräumige, gleichmäßig schwingende Melodie im 6/4-Takt ist dem Lied gleichsam „auf den Leib geschrieben“. Nicht nur der suggestive Text, sondern ebenso die Melodie selbst – deren Doppelzeilen sich aufgrund ihrer teilweise identischen (Zeile 5–6) und teilweise ähnlichen (Zeile 3–4, ebenso Zeile 1–2) Gestalt leicht einprägen – haben wesentlich dazu beigetragen, dass „Macht hoch die Tür“ zum populärsten Adventslied wurde und mit gutem Grund das Tor zum Evangelischen Gesangbuch wie zum Kirchenjahr bildet.
Besonders bemerkenswert ist die aparte metrische „Störung“: Die vorletzte Melodiezeile endet im Original nicht in einem vollen 6/4-Takt, sondern in einem verkürzten 3/4-Takt. Ob dieses charakteristische Detail im neuen Evangelischen Gesangbuch wieder zu seiner ursprünglichen Geltung finden kann, bleibt eine spannende Frage.
„Macht hoch die Tür“ ist als das evangelische – und zudem ökumenisch weit verbreitete – Adventslied schlechthin nicht in die Reihe der „Lieder der Woche“ aufgenommen worden, weil es ohnehin überall gesungen wird. Zu Recht vor allem am 1. Sonntag im Advent, dessen biblische Texte es – wie gezeigt – unmittelbar aufnimmt; daher eignet es sich in besonderer Weise als Eröffnungslied des neuen Kirchenjahres.
Doch ebenso begründet ist sein Einsatz während der gesamten Adventszeit. Einzelne Strophen lassen sich in Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen gut thematisch vertiefen und entfalten. Besonders am 4. Adventssonntag empfiehlt sich der Gesang dieses Liedes erneut, weil es dessen Leitmotiv „Freuet euch!“ aufnimmt und variierend weiterspinnt: „Mit Freuden singt!“
Kinderchor und Ensemble des Projektes "Kinder singen GottesLieder" der EKHN-Stiftung
Mit seiner behutsamen Annäherung an das Lied lädt uns der Autor dieser Choralandacht ein, innezuhalten und Text, Melodie sowie die Entstehungsgeschichte dieses besonderen Werkes nachzuspüren.
Quelle: www.kirche-im-wdr.de
Macht hoch die Tür | Evangelisches Gesangbuch Nr. 1, Strophe 1
Teste dein Wissen zu den Liedern des Evangelischen Gesangbuchs im Emoji-Quiz.