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Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Fraun

Nr. 48 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 74 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • Kinderkirchenlieder "Immer und überall" (ELKB)

Das aus einem tschechischen Weihnachtslied stammende Lied darf in der Regel bei keinem Krippenspiel fehlen. Es setzt die Hirtenanbetung aus der Weihnachtsgeschichte wirkungsvoll und fröhlich in Szene. Seine eingängige Melodie und der lebendige Dialog zwischen Engeln und Hirten machen es besonders anschaulich und begeistern große wie kleine Singende.

Text:

Carl Riedel (*1827–†1888), 1870

nach einem tschechischen Weihnachtslied „Nesem vám noviny, poslouchejte“

Melodie:

Olmütz 1847

Satz:

Carl Riedel (*1827–†1888)

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Wissenswertes zu "Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Fraun"

Carl Riedel übertrug spätestens 1868 für seinen Chor, den Riedel-Verein in Leipzig, das tschechische Weihnachtslied „Nesem vám noviny“ („Wir bringen euch eine Nachricht“). Das Lied ist handschriftlich mit fünf Strophen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überliefert; sein erster Druck findet sich im „Katolický kancionál“, Olmütz 1847. Die erste Veröffentlichung der deutschen Fassung „Kommet, ihr Hirten“ erfolgte im zweiten Heft der von Riedel herausgegebenen Sammlung „Altböhmische Gesänge für gemischten Chor“, Leipzig (um 1870).

Das Lied gehört zur Tradition der weihnachtlichen Hirtenlieder – im Unterschied zu Marien-, Krippen- oder Engelliedern. Der Weihnachtsgeschichte nach Lukas 2,8–20 folgend, erzählt die erste Strophe von der Verkündigung der Geburt Jesu an die Hirten durch die Engel. Die zweite Strophe greift die Antwort der Hirten auf die Botschaft auf, verbunden mit dem Aufruf, nach Bethlehem zu gehen und den Stall aufzusuchen. Die dritte Strophe mündet schließlich in die Verheißung des Friedens auf Erden für alle Menschen.

 

In der Darstellung der biblischen Erzählung werden in den Strophen 2 und 3 jedoch die entsprechenden Verse des Lukasevangeliums in ihrer Reihenfolge vertauscht.

Die sehr lebendige und hüpfende Melodie stammt vermutlich aus Tschechien (früher Böhmen). Die vom Hymnologen Konrad Ameln beschriebene melodische Abhängigkeit vom deutschen Volkslied „Lieber Nachbar, ach borgt mir doch eure Laterne“ aus dem 17. Jahrhundert lässt sich wissenschaftlich jedoch nicht weiter erhärten. Der Stil der Melodie beruht auf einem Menuett-Typus (tänzerischer Dreiertakt) mit Bordun-Technik (begleitende Quinten in den Haupttonarten) und wiederkehrenden Formteilen (Zeile 1 und 2 sowie Zeile 3 und 4), wie sie für die Volksmusik charakteristisch sind. Die Melodiefolge mit ihrer Terzenseligkeit und den den Quintton umspielenden Tönen erinnert an Kinderlieder (vgl. „Backe, backe, Kuchen“) und findet sich in ähnlicher Weise auch bei zahlreichen anderen Weihnachtsliedern.

Das Lied steht im Kontext der Gesänge von Krippenspielen und kann dort besonders gut verwendet werden. Es eignet sich sowohl für Kinder- und Familiengottesdienste am Heiligen Abend als auch für andere Formen der Christvesper und Weihnachtsgottesdienste. 

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Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Fraun | Evangelisches Gesangbuch Nr. 48, Strophe 1
 

 

Hintergrundwissen

Radioserie und Podcast zum Lied

Das böhmische Weihnachtslied von 1605 erzählt von den Hirten, die von der Geburt des Heiland erfahren. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts bekam es einen deutschsprachigen Text.

 

In der Radioserie und im Podcast von SWR Kultur geben die Autorinnen und Autoren spannende Einblicke in die Entstehungsgeschichte bekannter Weihnachtslieder. Sie beleuchten, wie die Lieder entstanden sind, welche historischen und kulturellen Hintergründe sich mit ihnen verbinden und weshalb sie bis heute eine besondere Bedeutung im Weihnachtsbrauchtum haben.

 

Ein Beitrag aus der Reihe "SWR2-Weihnachtslieder"