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In einer fernen Zeit

Nr. 10 • EGplus

  • Kommt atmet auf /
  • Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder /
  • Singt Jubilate /
  • EG.E Evangelisches Gesangbuch - Ergänzungsheft

Mit klaren, bewegenden Bildern und einer eingängigen, berührenden Melodie spricht dieses moderne Passionslied Menschen auf besondere Weise an. Es gewann beim Passionsliederwettbewerb 2010 den ersten Preis. 

Text:

Otmar Schulz (*1938–†2023), 2010

Melodie:

Andreas Brunion (*1961), 2010

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Wissenswertes zu "In einer fernen Zeit"

Mit dem Passionsliederwettbewerb 2010 suchte die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck gemeinsam mit der Stiftung zur Förderung des Gottesdienstes nach neuen geistlichen Liedern, die theologisch fundiert, sprachlich zeitgemäß und musikalisch gut singbar sind, den biblischen Passionstexten Raum geben und zugleich heutigen Menschen einen emotionalen und spirituellen Zugang zu diesem Thema ermöglichen. Das Lied „In einer fernen Zeit gehst du nach Golgatha“ gewann 2010 den 1. Preis dieses Wettbewerbs. Das Lied wurde mit anderen prämierten Werken online veröffentlicht, in eine Arbeitshilfe mit Liedern für die Passionszeit aufgenommen und später ins EGplus (Beiheft zum Evangelischen Gesangbuch) integriert. Damit hat es Eingang ins gottesdienstliche Leben vieler Gemeinden gefunden.

Das Lied beginnt wie ein Märchen „in einer fernen Zeit“, holt das Geschehen aber durch die Verwendung des Präsens in die Gegenwart, so dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wie im Nebel verschwommen erscheinen. Ohne dass Jesus mit Namen genannt wird, weiß man durch „Golgatha“ sofort, um wen es geht. „Einsamkeit“, „Schmerzen“, „Verlassensein“ und „Leiden“ führen als Leitworte der Leidensgeschichte in fünf Strophen durch das Lied. Die SängerInnen sprechen das „Du“ singend an und werden damit aktiv dazu gebracht, sich innerlich zu identifizieren: Du sagst zum Sterben Ja; Du weißt, was Leiden ist; Du weißt, was Schmerzen sind. Am Ende ist es Jesus, der durch sein Vorbild das eigene Leiden tragen hilft: „Im Leiden lebst du vor, was wirklich trägt und hält“. Der Text strebt auf das Ende zu und steigert sich zur Bitte um Auferstehung: „Erstehe neu in mir. Erstehe jeden Tag!“ Die letzte Strophe führt die verschwimmenden Zeiten zusammen: „Erhalte mich bei dir, was immer kommen mag!“ Das abschließende, klagende „Amen“ hält die Mühsamkeit des Leidens wach.

Die Melodie nimmt die textliche Ordnung (Kreuzreimschema, Silbenanzahl, Wortbetonungen) auf und lehnt sich dem inhaltlichen Spannungsbogen musikalisch sehr eng an. Die in D-Moll komponierte Melodie hat einen weiten Tonumfang von zehn Tönen (Dezime) und steigt vom Grundton über einen Quintsprung tastend auf und wieder zum Grundton ab. In der Mitte bedient sie sich der Stilform des Melisma und betont die Wörter „duldend“, „du“, „Leiden“, „erhalte“. Das abschließende „Amen“ fällt seufzend in die Tiefe und bringt eine neue musikalische Idee. Dieses Seufzen (vgl. Musik der Barockzeit) wird durch die harmonischen Auflösungen der unterlegten Akkordklänge verstärkt. Besonders wirkungsvoll sind die Tonreibungen, die auf den betonten Taktzeiten entstehen. Insgesamt bleibt der Grundtenor der Melodie melancholisch und hoffnungsvoll.

Das Lied ist für die ganze Passionszeit geschrieben, aber aufgrund des ausdrücklichen Kreuzesbezugs sehr gut für den Karfreitag geeignet und als Wochenlied vorgeschlagen. 

Aufnahmen von "In einer fernen Zeit"

In einer fernen Zeit
mit Frauenchor und Klavierbegleitung

Vocalensemble Cantica an St. Johannis Würzburg, Musikalische Leitung und Klavier: Hae-Kyung Jung

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Hintergrundwissen

Die Liedautorinnen erzählen vom Entstehungsprozess des Liedes

Wie schaffen wir den Sprung von vor Jahrhunderten liegenden Ereignissen in unsere heutige Lebenswirklichkeit – ohne leere Floskeln, sondern mit echter innerer Beteiligung? Dieser Frage geht Otmar Schulz nach. Andreas Brunion schildert seinen kreativen Prozess: Nach anfänglichen Zweifeln meldete er sich trotz Hemmungen für den Liederwettbewerb der EKKW an.

 

 

Zur Liedeinführung

 

Quelle: Evangelische Kirche in Hessen und Nassau www.zentrum-verkündigung.de

Rund um's Lied

Der Wochenliederpodcast aus Sachsen

Lieder anhören – kennenlernen – verstehen
Eine Theologin und Kirchenmusikerin im Gespräch

Stunde der Stille

Jesus Christus,
so fern und so nah wirkt diese Zeit heute.
Fern, die Worte Deiner Kreuzigung. 
Sie sprechen von einer vergangenen Zeit 
die ich kaum begreifen kann. 
Nah, wenn ich spüre, dass diese Worte und Dein Ja zum Kreuz mein Leben heute berühren. 

 

 

In Deinem Kreuz mein eigenes Kreuz. 
Was mir auflastet, 
was ich nicht 
loswerden kann, 
was mich zum Boden beugt.
Ich spüre, weil Du gelitten und durchlitten 
hast, mein Bruder, wie nah Du mir bist, 
mich trägst und hältst. 
Die Ferne von Golgatha wird zur Nähe. 
Zur Nähe in Deinem Kreuz. 

 

 

Meine Augen sehen Dein Kreuz.
In meiner Dunkelheit, aus meiner Dunkelheit,
blicke ich auf Dein Kreuz
schaue in die Dunkelheit Deiner Stunde hinein. 
Stunde der Stille.