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Ihr Kinderlein kommet

Nr. 43 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 75 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • Gotteslob /
  • Kinderkirchenlieder "Immer und überall" (ELKB)

Wer das Lied „Ihr Kinderlein, kommet“ singt, ahnt kaum, dass dahinter ein früher Bestseller der Kinderliteratur und eine Melodie aus einem Frühlingsgedicht stecken. Kaum ein anderes Weihnachtslied führt so selbstverständlich an die Krippe – und verbindet dabei Musik, Poesie und Glauben.

Text:

von Christoph Schmid (*1768–†1854), (1789) 1811

Melodie:

Johann Abraham Peter Schulz (*1747–†1800), 1794

geistlich Gütersloh 1832

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Wissenswertes zu "Ihr Kinderlein kommet"

Der Liedtext erschien erstmals in den von Schmid anonym herausgegebenen „Christlichen Gesängen zur öffentlichen Gottesverehrung“ (Augsburg 1811) mit acht Strophen, jedoch ohne Melodie. Eine ältere Handschrift Schmids wurde lange in das 18. Jahrhundert datiert und entweder mit seiner Tätigkeit als Kaplan in Nassenbeuren (vor 1795) oder mit seiner Arbeit mit Schulkindern in Thannhausen (nach 1796) in Verbindung gebracht. Doch Wasserzeichenuntersuchungen haben ergeben, dass das Autograph keinesfalls vor 1803, vielmehr um 1808/10 in Thannhausen entstanden ist.

 

Die Melodie wurde von Johann Abraham Peter Schulz Ende des 18. Jahrhunderts für einen anderen Text komponiert, nämlich für das Frühlingsgedicht „Der Morgen im Lenze” von Wilhelm Gottlieb Becker (1753–1818) mit dem Anfang „Wie reizend, wie wonnig ist alles umher“. Sie erschien erstmals im „Taschenbuch zum geselligen Vergnügen“ (Leipzig 1794).

 

Der Gütersloher Volksschullehrer und Organist Friedrich Hermann Eickhoff (1807–1886) unterlegte 1829 diese Melodie mit dem Text Schmids, der seit 1811 bereits andere Vertonungen erhalten hatte. Eickhoff veröffentlichte das Lied schließlich 1832 in seiner Sammlung „Sechzig deutsche Lieder für dreißig Pfennig“.

Der Liedtext steht in enger Verbindung mit dem Brauch der Aufstellung von Weihnachtskrippen. Die Kinder werden – ebenso wie die Hirten in der Weihnachtsgeschichte (Lukas 2,15f) – zur Krippe gerufen und zur Betrachtung aufgefordert. Freude und Jubel sind der emotionale Ausdruck dieser Situation. Als Antwort und Geschenk bringen die Kinder (wir) ihre (unschuldigen) Herzen dar. Damit steht der Text in der Tradition von Weihnachtsliedern (vgl. „Vom Himmel hoch, da komm ich her“), die zur mitvollziehenden Reflexion einladen, zur Vergegenwärtigung des Heilsgeschehens führen und zur daraus folgenden Hingabe und Aktion aufrufen.

Schulz wollte mit seinen „volkstümlichen“ Liedern, seinen „Liedern im Volkston“ – zu denen auch „Der Mond ist aufgegangen“ und „Wir pflügen und wir streuen“ gehören – eine kulturelle und sittliche Förderung des Volkes erreichen. In diesem Geist komponierte er auch die Melodie zu dem Frühlingsgedicht „Wie reizend, wie wonnig ist alles umher“.

 

Der Melodierhythmus stimmt mit der metrischen Wortstruktur, also dem Rhythmus des daktylischen Versmaßes (lang–kurz–kurz; z. B. Kin-der-lein, kom-met o, kom-met doch) überein. Die betonten Silben des Daktylus werden jeweils zu einer Viertelnote verbreitert, während die übrige Melodie überwiegend in Achtelwerten fließt. Der Grundton wird konsequent vermieden und erst am Schluss erreicht. Der Tonumfang der ersten drei Zeilen bewegt sich innerhalb einer kleinen Quinte; nur die letzte Zeile erweitert sich zu einem Nonenumfang (im Original zu einer Oktave). All dies macht die Melodie besonders kindgemäß und einprägsam.

Die Überschrift der Handschrift lautete „Die Kinder bei der Krippe“, später dann „Weihnachtslied für Kinder“. Die schlichte Form und kindgerechte Gestaltung machen das Lied primär auch zu einem Kinderlied, das sehr gut bei Krippenspielen und häuslichen Familienfeiern als „Aktionslied“ eingesetzt werden kann. Mit Instrumenten in vielfältigen Kombinationen erhält das Lied weiteren Charme und bereichernde, lebendige Facetten.

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Hintergrundwissen

Radioserie und Podcast zum Lied

Ein Krippenlied für Kinder ist der Klassiker "Ihr Kinderlein kommet". Die Melodie, die wir heute dazu singen, gehört eigentlich zu einem Frühlingslied.

 

In der Radioserie und im Podcast von SWR Kultur geben die Autorinnen und Autoren spannende Einblicke in die Entstehungsgeschichte bekannter Weihnachtslieder. Sie beleuchten, wie die Lieder entstanden sind, welche historischen und kulturellen Hintergründe sich mit ihnen verbinden und weshalb sie bis heute eine besondere Bedeutung im Weihnachtsbrauchtum haben.

 

Ein Beitrag aus der Reihe "SWR2-Weihnachtslieder"

Rund um's Lied

Singidee mit Gebärden

Die Kinderkantorei an der Johanneskirche in Troisdorf singt unter der Leitung von Simone Silberzahn und Brigitte Rauscher -  zum Mit- und Nachmachen!

Bilderbuch zum Lied

Eine Einladung zum Mitsingen

Wie in einem Bilderbuch führen die Bildkarten Schritt für Schritt durch das Lied. Beim gemeinsamen Singen können Eltern und Kinder so Strophe für Strophe entdecken und das Lied gleichsam „singend durchblättern“. Die Zeichnung ist bewusst schlicht und kindgerecht gehalten. Ihre offene Gestaltung lädt dazu ein, eigene Assoziationen einzubringen, die Motive weiterzudenken und die Bilder vielleicht sogar selbst kreativ zu ergänzen oder eigene Bilder zu gestalten.

Die Vorlagen lassen sich ausdrucken und bunt gestalten: So entstehen kleine Leporellos oder sogar Lied-Memorys. Wer mit den Bildern und den entsprechenden Liedstrophen spielen möchte, kann auf mitsingen.de Lieder erraten oder seine Textsicherheit bei einem Bildermemory testen.

 

 

Viel Spaß beim Blättern!

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State: read, orientation: landscape

Quelle: Ein Projekt der Arbeitsstelle Kirchenmusik in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens (EVLKS), Fachbeauftragte für Chor- und Singarbeit Martina Hergt www.kirchenmusik-sachsen.de