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Ich sing dir mein Lied | Cantai ao Senhor

Nr. 72 • freiTöne
Nr. 201 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • freiTöne /
  • Durch Hohes und Tiefes /
  • Himmel, Erde, Luft und Meer /
  • Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder /
  • Singt Jubilate /
  • EGplus /
  • EG.E Evangelisches Gesangbuch - Ergänzungsheft

Musiziert man das Lied im einfachen Dreivierteltakt oder macht man daraus eine Samba-Fassung? Ganz gleich wie – auf jeden Fall wird dieses fröhliche Lob- und Danklied oft gesungen und wegen seines mitreißenden Schwungs sehr geschätzt.

Text:

Fritz Baltruweit (*1955), 1994

deutsche Textübertragung

Barbara Hustedt (*1964), 1994

deutsche Textübertragung

nach einem brasilianischen Lied

Melodie:

aus Brasilien 1979

Landkarte der Liedschöpfer:innen

Spannende Hintergründe zu den beteiligten Personen und ihren Lebenswegen entdecken.

zur Landkarte

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Wissenswertes zu "Ich sing dir mein Lied | Cantai ao Senhor"

Das Lied „Cantai ao Senhor“ aus der Zeit vor 1990 ist in brasilianischen Gemeinden ein Schlager und wird dort viel gesungen. In den ökumenischen Liederbüchern „Thuma Mina“ und „Colours of Grace“ findet sich die Übertragung „Singt Gott, unserm Herrn, singt ihm neue Lieder“ von Dorival Ristoff, Pfarrer in Rio de Janeiro, und Dieter Trautwein, die auch durch die Weltgebetstags-Arbeit weite Verbreitung fand. 1992 wurde diese Fassung von der nordelbischen Gesangbuchkommission um einige Strophen erweitert. Für den Kirchentag 1995 in Hamburg entstand zur brasilianischen Melodie die Neudichtung „Ich sing dir mein Lied“ von Fritz Baltruweit und Barbara Hustedt. Die Erstveröffentlichung erfolgte 1995 im Kirchentagsliederheft. Rasch fand das Lied Verbreitung.

Die fünf Strophen von Baltruweit und Hustedt übernehmen einzelne Motive aus der brasilianischen Vorlage und verbinden diese mit Ps 96,2 und Ps 98,1. Wiederholt werden in jeder der fünf Strophen die Passagen „Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben“, „Dir sing ich mein Lied“ und „hast du mir gegeben“. Das Lied spricht aus der Perspektive der individuellen Gottesbeziehung, verschränkt dieses „Ich“ jedoch mit dem „Wir“ in den Strophen 2–4. Feministische Perspektiven klingen in der weiblichen Gottesanrede der vierten Strophe an. Der Text beschreibt mit musikalischen Bildern: Ausdruck des göttlich geschenkten Lebens ist die Musik – mit ihren Ausprägungen in Klang, Rhythmus und Tönen.

Neben der weiter verbreiteten Fassung im Dreivierteltakt findet sich in einigen Beiheften und Liedersammlungen (zusätzlich) eine Version im Samba-Rhythmus. Fritz Baltruweit berichtet, dass er im brasilianischen Kontext stets die Fassung im Dreivierteltakt musiziert habe. Die Samba-Version entstand paradoxerweise im europäischen Kontext, um durch den Rhythmus an den südamerikanischen Ursprung des Liedes zu erinnern. Charakteristisch sind die absteigenden Akkordbrechungen (E-Moll / H-Dur) in den ersten drei Liedzeilen. Im Gegensatz zum bewegten Charakter der Zeilenanfänge stehen die ruhigen, meist in Sekundschritten gestalteten Zeilenschlüsse. Die Melodie wirkt frisch und belebend, sofern sie nicht zu langsam musiziert wird.

Das mit unterschiedlichen Gruppen gut singbare Lied eignet sich besonders für den Gottesdienst am Sonntag Kantate und darüber hinaus für alle Zusammenhänge, in denen Singen und Musik im Mittelpunkt stehen. Es lohnt sich, „Ich sing dir mein Lied“ gemeinsam mit dem zweiten Wochenlied zum Sonntag Kantate, „Du meine Seele, singe“, in einem Kontext erklingen zu lassen. Sowohl die Texte, die jeweils das singende Ich in seiner Gottesbeziehung thematisieren, als auch die Musik mit den ab- bzw. aufsteigenden Akkordbrechungen in Moll bzw. Dur lassen sich gut aufeinander beziehen. Als Wochenlied für den Sonntag Kantate wurde es in das Ergänzungsheft zum EG sowie in viele Beihefte aufgenommen und ist dadurch sehr bekannt und beliebt geworden.

Aufnahmen von "Ich sing dir mein Lied | Cantai ao Senhor"

Ich sing dir mein Lied
mit Gesang und Gitarrenbegleitung

Anderson Merklein (Gitarre), Leona Vogel (Gesang), Maja Rehhahn (Gesang, Cajón)

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Rund um's Lied

Gedanken zum Lied

„Harmlose Leute, die sich an einem bestimmten Tag vor Tagesanbruch treffen, um ihrem Gott ein Lied zu singen.“ So beschreibt Plinius schon im ersten Jahrhundert die Praxis der frühen Christengemeinden. Ist das so? Wo Christenmenschen zusammenkommen, da wird gesungen?

 

Viele Jahrhunderte später ist sich Ernst Moritz Arndt (Von dem Wort und dem Kirchenliede, 1819) sicher: „Solang deutsch gesprochen wird, werden Luthers und Gerhardts meiste Lieder leben und von Christen in Kirchen gesungen werden, nicht weil Luther oder Gerhardt sie gedichtet haben, sondern der Geist Gottes.“

 

„Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben.“ Spiegelt sich im gesungenen Lied das ganze Leben? Und sind Töne, Tonart, Rhythmus und Klang direkt göttlichen Ursprungs? Die Lieder zum Sonntag Kantate beantworten all diese Fragen mit einem klaren Ja: Am Singen erkennt man Christenmenschen aller Zeiten, Orte und Prägungen. Ohne Kirchenmusik keine Kirche – dir, Quelle, Hüter, Wunder, Freundin und Zukunft des Lebens sing ich mein Lied.

Quelle: Textimpuls (ausgewählt) aus: „500 Jahre Evangelisches Gesangbuch“. Hrsg. vom Verband Evangelische Kirchenmusik in Württemberg. München: Strube Verlag, 2023/24.

Bilderbuch zum Lied

Eine Einladung zum Mitsingen

Wie in einem Bilderbuch führen die Bildkarten Schritt für Schritt durch das Lied. Beim gemeinsamen Singen können Eltern und Kinder so Strophe für Strophe entdecken und das Lied gleichsam „singend durchblättern“. Die Zeichnung ist bewusst schlicht und kindgerecht gehalten. Ihre offene Gestaltung lädt dazu ein, eigene Assoziationen einzubringen, die Motive weiterzudenken und die Bilder vielleicht sogar selbst kreativ zu ergänzen oder eigene Bilder zu gestalten.

 

Die Vorlagen lassen sich ausdrucken und bunt gestalten: So entstehen kleine Leporellos oder sogar Lied-Memorys. Wer mit den Bildern und den entsprechenden Liedstrophen spielen möchte, kann auf mitsingen.de Lieder erraten oder seine Textsicherheit bei einem Bildermemory testen.

 

Viel Spaß beim Blättern!

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State: read, orientation: landscape

Quelle: Ein Projekt der Arbeitsstelle Kirchenmusik in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens (EVLKS), Fachbeauftragte für Chor- und Singarbeit Martina Hergt www.kirchenmusik-sachsen.de