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Ich seh empor zu den Bergen

Nr. 42 • freiTöne
Nr. 131 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • Kommt atmet auf /
  • Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder /
  • Singt Jubilate /
  • EGplus

Berge sind in vielen Religionen Orte der Begegnung mit dem Göttlichen. Biblische Textgrundlage für dieses Lied ist ein kurzer Psalm für Pilgerreisen. Der Suchende ersehnt die Gottesbegegnung und richtet seinen Blick auf den Berg. Gestärkt und in der Gewissheit „Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht“ kann er weiterziehen.

Text:

Ute Passarge (*1962), 2009

Melodie:

Andreas Lettau (*1958), 2009

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Wissenswertes zu "Ich seh empor zu den Bergen"

Der norddeutsche Pädagoge und Kirchenmusiker Andreas Lettau komponierte die Melodie als „Lied ohne Worte“ und nahm sie mit auf eine Tagung, bei der neue Lieder zum Ökumenischen Kirchentag 2010 entstehen sollten. In der ebenfalls aus Norddeutschland stammenden Dolmetscherin Ute Passarge fand er die Dichterin, die noch während der Tagung den passenden Text zur Melodie verfasste. Seit diesem Münchner Kirchentag wird das Lied immer weiter gesungen und findet sich heute in vielen Gesangbüchern – in einigen Regionalteilen des katholischen Gotteslobs ebenso wie in französischer Übersetzung im württembergischen Begleitheft „Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder plus“.

Dem Text liegt Psalm 121 zugrunde, ein kurzer Psalm für Pilgerreisen. Der (reisende) Beter schaut hinauf zu Gott, bittet um Hilfe und ist voller Zuversicht, dass Gott sein „Schutz und Schirm“ sein wird. Der Psalm spricht uns zu, dass Gott uns behütet – jetzt und in Ewigkeit. Die Verse stehen in der Tradition jener besonderen biblischen Momente, in denen Menschen an oder auf Bergen dem Göttlichen begegnen. Die Lieddichterin nimmt die ersten beiden Psalmverse als Kehrvers. Vor die Frage „Wo ist Hilfe?“ fügt sie die Worte „voller Sehnsucht“ ein und steigert damit die Dringlichkeit des Gebets. Die Hilfe kommt von dem „Einen“ – in Anlehnung an das tägliche Gebet frommer Juden: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer“ (Deuteronomium 6,4). Der Schluss des Kehrverses „Alle Welt liegt in seiner Hand“ leitet über vom eigenen Fragen und Nachdenken zu den Verheißungen Gottes in den Liedstrophen: Da ist der wachende, sorgende Gott (Strophe 1), der Gott, der immer an meiner Seite ist „wie ein Schatten“ und mich in den Stürmen des Lebens bewahrt (Strophe 2), und schließlich die Hoffnung auf das, was nach dem Leben kommt, wenn sich das „Tor seiner Ewigkeit“ öffnet (Strophe 3).

Das Besondere an der Melodie sind die ersten vier Töne: ein aufstrebender Dreiklang, der den Blick „empor zu den Bergen“ nachzeichnet, jedoch nicht im oberen Grundton mündet, sondern im sogenannten Leitton h, der großen Septime. Die entstehende Spannung, die erst beim sechsten Ton, dem c, aufgelöst wird, gilt es auszukosten – als „musikalisches Sinnbild des Ausschauhaltens“ (Meinrad Walter). Dreimal erklingt diese Tonfolge im Lied und schafft so einen musikalischen roten Faden. Auch die zweite Melodiezeile wird dreimal wiederholt, beim zweiten Mal leicht abgewandelt, und trägt damit zur Eingängigkeit der Melodie bei. Wichtig ist zudem die ganztaktige Pause in den Strophen: Sie erinnert an das „Sternchen“, die längere Pause beim traditionellen Psalmgesang.

Als Psalmlied kann es in vielen Gottesdiensten Verwendung finden. Der Trost- und Hoffnungspsalm 121 passt thematisch besonders gut an das Ende des Kirchenjahres, und Psalm wie Lied eignen sich zudem hervorragend als Begleiter auf Pilgerreisen.

Aufnahmen von "Ich seh empor zu den Bergen"

Ich seh empor zu den Bergen
mit Gesang und Orgelbegleitung

Alina Sauter (Gesang), Bruno Hamm (Orgel)

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Geistlicher Impuls

Am Tag zwischen den Jahren ...

Am Tag zwischen den Jahren wende ich meinen Blick zum Himmel. Zu Dir, Gott.

Im tiefen Vertrauen, dass Du schützend Deine Hand über mich hältst.

Die Berge, die sich vor dem Himmel abzeichnen, erzählen von Geborgenheit. 

Davon, dass Du mich bewahrst, mich begleitest. 

 

Wenn ich meinen Blick zu Dir wende, 

kann ich anders wieder zurück auf mein Leben blicken. 

Die Wasser meines Lebens. 

Die vielen Wogen, die mein Wasser im vergangenen Jahr durchzogen.

Das Licht, das sich darin fing, 

goldenes Abendlicht, vorsichtiges Morgenlicht. 

Die Tränen, die flossen und fielen, 

verloren, so schien es, im großen Strom. 

Die Freude,

die wie Schaumkronen auf den Wellen tanzte.

Deine Sonne, 

die segnend sanft mein Wasser durchbrach. 

 

Unter Deinem Himmel, 

geborgen, eingerahmt durch die Berge, 

sehe ich auf das vergangene Jahr.

Mein Leben spiegelt sich in Deinem Himmel. 

Dein Himmel hält mich.

 

Kristina Sänger, 2013

Quelle: Hrsg. vom Verband Evangelische Kirchenmusik in Württemberg. München: Strube Verlag, 2023/24, VS 9197

Choralandacht

Impulse aus der Reihe KIRCHE IM SWR

“Hohe Berge – alles ist so viel größer als die kleine Welt, die mich normalerweise umgibt. Wenn ich unten im Tal zu den Gipfeln aufschaue, zieht mich eine Sehnsucht nach oben und zugleich erkenne ich, wie klein ich dagegen bin.” Gedanken zum Lied von Mechthild Alber . Weiterlesen oder Anhören?

 

 

Zum Beitrag

 

Quelle: www.kirche-im-swr.de