Lied entdecken

Ich sage Ja, zu dem, der mich erschuf

Nr. 158 • Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
Nr. 172 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • Gotteslob /
  • EGplus /
  • EG.E Evangelisches Gesangbuch - Ergänzungsheft /
  • Kinderkirchenlieder "Immer und überall" (ELKB)

Als Tauflied für Erwachsene entstanden, hebt dieses Lied das freie und mündige „Ja“ hervor – die Antwort des Menschen auf Gottes vorbehaltlose Annahme. Zugleich kann es wie ein roter Faden durch das Leben klingen: als Bekenntnislied, zur Erinnerung an die Taufe oder bei der Konfirmation.

Text:

Okko Herlyn (*1933), 2011 deutscher Text

Melodie:

Okko Herlyn (*1933)

Landkarte der Liedschöpfer:innen

Spannende Hintergründe zu den beteiligten Personen und ihren Lebenswegen entdecken.

zur Landkarte

Passende Stichworte zum Weiterstöbern

Wissenswertes zu "Ich sage Ja, zu dem, der mich erschuf"

Das Lied entstand zum „Jahr der Taufe“ 2011 und wurde beim Wettbewerb „Lieder zur Erwachsenentaufe“ der Evangelischen Kirche im Rheinland mit dem 2. Preis ausgezeichnet. Seither ist es in verschiedenen Beiheften zum Evangelischen Gesangbuch sowie in zahlreichen weiteren Liederbüchern enthalten.

Der Text des Liedes ist ein überzeugtes „Ja“ zum christlichen Leben. Den Autor beschäftigte – nicht nur hier, sondern auch in anderen Schriften – die Frage: „Was unterscheidet eine Erwachsenen- von einer Säuglingstaufe?“ Das Lied ist ein mündiges Bekenntnis zu Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist – so, wie wir es im Glaubensbekenntnis sprechen und in der trinitarischen Taufformel bei jeder Taufe hören. Die ersten drei Strophen greifen diese trinitarische Struktur auf. Jede Strophe beginnt mit dem Bekenntnis „Ich sage Ja“: In der ersten zu Gott, dem Schöpfer, der ins Leben ruft und in Händen hält; in der zweiten zu Jesus Christus, dem gesandten Freund und Bruder; in der dritten zu Gottes gutem Geist, der Liebe, Frieden und Gerechtigkeit verheißt in einer geschundenen Welt voller menschlicher Abgründe. Die vierte Strophe weitet dieses persönliche Bekenntnis auf die gemeinschaftsstiftenden Sakramente Taufe und Abendmahl aus: auf „Wasser, Kelch und Brot“, die „Wegzehrung, Zuspruch“ und Lebenselixier sind. Damit schließt sich der Bogen zur ersten Strophe: Weil Gott zu uns längst Ja gesagt hat, können wir voll Zuversicht Ja und Amen singen und sprechen.

Die Melodie erklingt in melancholischem e-Moll und soll nach dem Wunsch des Autors nicht zu schnell gesungen werden. So entsteht eine ruhige und getragene Singabfolge, die sehr gut zum bekenntnishaften Inhalt des Textes passt. Alle Zeilen haben denselben Rhythmus mit jeweils drei Auftaktachteln und einem langen vierten Ton als Schwerpunkt. Die 1., 2. und 4. Zeile sind melodisch ähnlich und unterscheiden sich nur in kleinen Varianten, während die 3. Zeile den Tonraum nach oben erweitert. Sie entspringt der 2. Strophe, die sich kurz hoffnungsfroh nach G-Dur wendet – als wolle sie sagen: „Trotz allem sage ich Ja.“ Die 4. Zeile wird jeweils wiederholt. Harmonisch besonders hervorgehoben wird das erste „Ja“ (gleich zu Beginn des ersten Taktes). Zwischen Melodieton und Grundton der Begleitung entsteht hier ein spannungsvolles Zusammenspiel: die ungewöhnliche Dissonanz einer großen None (Abstand von neun Tönen bzw. 14 Halbtonschritten, zwischen „e“ und „fis1“). Dieser wirkungsvolle Klangeffekt bildet einen besonderen Reiz der Melodie.

Das Lied ist als Wochenlied für den 6. Sonntag nach Trinitatis vorgeschlagen, der ganz im Zeichen der Taufe steht. Es enthält zahlreiche Bezüge zu den biblischen Texten dieses Sonntags. Doch nicht nur im Zusammenhang mit Taufe und Tauferinnerung wird es gern gesungen: Auch bei Konfirmationen, Trauungen, Schulgottesdiensten und als Credolied eignen sich die bekenntnishaften Strophen hervorragend. Okko Herlyn hat den Text bewusst dialogisch angelegt: Die letzte Zeile kann wie ein Refrain gesungen werden, in den die Gemeinde nach solistischem Vortrag einstimmt. Die eingängige Melodie geht schnell ins Ohr – und entwickelt sich leicht zum Ohrwurm.

Aufnahmen von "Ich sage Ja, zu dem, der mich erschuf"

Ich sage Ja
mit Frauenchor und Klavierbegleitung

Vocalensemble Cantica an St. Johannis Würzburg, Musikalische Leitung und Klavier: Hae-Kyung Jung

Noch mehr entdecken!

Geistlicher Impuls

Angedacht

Ausnehmend melancholisch kommt sie daher, die Melodie – und mit ihr das ganze Lied: Sie dreht in Moll ihre kleinen Kreise, nicht einmal ein Leitton hebt sie in eine fröhlichere Sphäre. Das mag überraschen angesichts des Titels: »Ich sage ja« – zu Gott, zu seiner Schöpfung, zu Gottes Liebe und zu den Sakramenten. Geschrieben hat das Lied Okko Herlyn: Der Autor war lange Jahre Gemeindepfarrer in Duisburg, später Professor für Theologie in Bochum, aber auch Liedermacher.

Hier singt niemand, der zu allem »Ja« sagt: Die Inhalte des Lieds sind wohlüberlegt, das »Ja« ist kein zufälliges, höchstens ein zögerliches. Nachdenklich, bedachtsam – aber keineswegs bedächtig: Dafür spricht die kluge Formgebung, die jeweils den letzten Vers wiederholen lässt und so der Aussage der Strophen Nachdruck verleiht. Und am Ende macht Okko Herlyn noch einmal deutlich, dass ein anderer schon längst »Ja« gesagt hat, noch bevor wir uns dazu entschieden haben oder (wie bei der Taufe von Kindern) es selbst äußern können.

Prof. Dr. Birger Petersen, 2024 | Textimpuls aus 500 JAHRES EVANGELISCHES GESANGBUCH

Quelle: Hrsg. vom Verband Evangelische Kirchenmusik in Württemberg. München: Strube Verlag, 2023/24, VS 9197