Hinunter ist der Sonne Schein
Nr. 467 •
Evangelisches Gesangbuch
Nr. 17 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)
- freiTöne
Dieses Lied nimmt das Licht des Tages auf und verwandelt es in ein Gebet, das uns in die Nacht begleitet. Es ist ein Kleinod evangelischer Liedkultur – schlicht, tröstlich und im Satz des Melodieschöpfers von wunderbarer Klangschönheit.
Text:
Melodie:
Satz:
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Wissenswertes zu "Hinunter ist der Sonne Schein"
Der Text des Liedes erschien erstmals 1560 unter der Überschrift „Der Abendsegen“ in Hermans Sammlung Die Sonntagsevangelia über das ganze Jahr in Gesänge verfasst“. Melchior Vulpius gab ihm 1609 in seinem „Ein schön geistlich Gesangbuch“ mit der Sopranstimme eines Kantionalsatzes eine neue, bis heute vertraute Melodie. Diese geriet jedoch bald in Vergessenheit und wurde erst im 19. Jahrhundert ‚wiederentdeckt‘. Seither ist sie in den Gesangbüchern fest mit dem Text verbunden.
In den Strophen 2–4 gestaltet das Lied – von der Einzahl in die Mehrzahl versetzt – den Abendsegen Martin Luthers nach und verwandelt damit das Gebet eines Einzelnen in das Gebet einer Gemeinschaft. Dieser Abendsegen steht wiederum in der Tradition der Komplet, des Nachtgebetes der Kirche. So dankt Strophe 2 für Geleit und Bewahrung am zu Ende gehenden Tag; Strophe 3 bittet um Vergebung der Schuld und um friedlichen Schlaf; in Strophe 4 befehlen sich die Singenden dem Schutz des Engels bzw. Gottes gegen die Bedrohungen der Nacht an. Eingeleitet wird das Lied mit der abendlichen Zeitansage „Hinunter ist der Sonne Schein“, die geistlich in der Bitte aufgenommen wird, Christus möge sein Licht leuchten lassen.
Die dorische Melodie gewinnt durch die Melismen (mehrere Noten werden auf einer Silbe gesungen) in den Zeilen 1, 2 und 4 fast den Charakter einer Aria. Sie setzt auf „Hinunter“ (siehe Textierung Strophe 1) und „die finstre (Nacht)“ (hier mit Durchgang durch die Terz) und mit einem Quintfall zum Grundton ein, der den Sonnenuntergang bzw. den Einbruch der Nacht klanglich vergegenwärtigt. Die anschließende Aufwärtsbewegung zur Oktave bildet die Hinwendung zu Christus als dem „wahren Licht“ ab. Ihren besonderen Reiz entfaltet die Melodie in der Oberstimme des Kantionalsatzes, der im Evangelischen Gesangbuch wiedergegeben ist und so den praktischen Gebrauch in Abendgottesdiensten nahelegt. Gerade im Satz kommt zudem die ruhige, tröstliche und klangschöne Wirkung des Liedes voll zur Geltung.
Als Abendlied und Lied zur anbrechenden Nacht ist „Hinunter ist der Sonne Schein“ zwar nicht in der Ordnung der Wochen- oder Tageslieder enthalten. Doch als eine auch ökumenisch rezipierte Preziose der evangelischen Frömmigkeitsgeschichte sollte es, wann immer möglich, gepflegt werden – in Abendgottesdiensten und -gebeten ebenso wie als geistlicher Abschluss abendlicher Chorproben und Gemeindegruppen.
Aufnahmen von "Hinunter ist der Sonne Schein"
Hinunter ist der Sonne Schein
mit Vokalensemble
Wilhelmshavener Vokalensemble, Leitung: Ralf Popken
aus: CD "Der Mond ist aufgegangen", Edition Chrismon
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Notenansicht
Hinunter ist der Sonne Schein | Evangelisches Gesangbuch Nr. 467, Strophe 1
Rezitation des Liedtextes
In der Rezitation aus dem Hörwerk „Lauter Lyrik – der Hör-Conrady“ kann dem bekannten Liedtext von Nikolaus Herman auf eine ganz neue Weise nachgespürt werden.
Quelle: aus dem Hörwerk „Lauter Lyrik – der Hör-Conrady“, erschienen im Patmos Verlag ISBN 978-3-491-91258-8
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