Gelobet seist du, Jesu Christ
Nr. 23 •
Evangelisches Gesangbuch
Nr. 69 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)
- Gotteslob
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Am Beginn der Entstehung dieses vielleicht ältesten Weihnachtsliedes steht die um 1030 in Regensburg erstmals bezeugte Weihnachtssequenz „Grates nunc omnes“, die Martin Luther 1523 bearbeitete und um weitere Strophen für den Weihnachtsgottesdienst ergänzte.
Text:
Medingen (Strophe 1) um 1380
Melodie:
Medingen um 1460 / Wittenberg 1524
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Wissenswertes zu "Gelobet seist du, Jesu Christ"
In seinem Liederjahr 1523/24 hat Luther den überlieferten einstrophigen „Leis“ (ein volkssprachlicher Festgesang mit „Kyrieleis“ am Ende) zu einem siebenstrophigen Lied erweitert. Zunächst wurde es als Einblattdruck verbreitet, von dem ein Augsburger Nachdruck mit der Ortsangabe „Wittenberg“ erhalten ist. In einer Liedsammlung erschien es erstmals 1524 in den „Erfurter Enchiridien“ (ohne Melodie), anschließend im Ende 1524 in Wittenberg publizierten Chorgesangbuch Johann Walters (mit der Melodie im Tenor). Als Lutherlied wurde es zum zentralen Festlied für das Christfest, in Kirchenordnungen festgeschrieben und dementsprechend bis ins 20. Jahrhundert häufig vertont. Bald war es auch in den skandinavischen Ländern verbreitet, später im angelsächsischen Raum mit anderer Melodiezuweisung. Im katholischen Gotteslob ist es heute das einzige vollständige Lutherlied.
In Strophe 1 ändert Luther „dass du heut geboren bist“ zu „dass du Mensch …“. Damit wird das Lied bereits vom prägnanten Zeitlied für das „Hodie“ des Christfestes zu einem Glaubenslied (vgl. „et homo factus est“ im Nicaenum) mit deutlicher katechetischer Entfaltung und wohl auch entsprechender Zielrichtung. Zu beachten sind auch weitere Entsprechungen zum Nicaenum.
Die sieben Strophen bilden ein symmetrisch angelegtes Ganzes, dessen Zentrum Strophe 4 bildet (Christus als ewiges Licht / wir als Kinder des Lichts). Die Wortfelder sind paarweise korrespondiert: Welt als Schlüsselwort in Strophe 3 und 5, arm in Strophe 2 und 6, freuen in Strophe 1 und 7. Dem „fröhlichen Wechsel“ Christus – arm / wir – reich (Strophe 6) entspricht, dass die Gläubigen durch die Menschwerdung Gottes zu Erben (Strophe 5) der himmlischen Güter werden und – wie die Engel (Strophe 1) – in den Status des Sich-Freuens versetzt werden (Strophe 7).
Luther hat mit dem Text des „Leis“ auch die damals wohl gut bekannte, musikalisch sehr stimmige Melodie im 8. Kirchenton übernommen. Diese ist um 1460 im Kloster Medingen bezeugt. Zuvor hatte sie sich aus der Sequenz „Grates nunc omnes“ entwickelt, der wiederum ein noch älterer Hallelujagesang zugrunde lag. Der Spitzenton in der zweiten Zeile, ursprünglich mit heut belegt, erhält nun das theologisch entscheidende Wort: Gott wird Mensch. In der Schlussstrophe markiert derselbe Spitzenton dann signifikant die (Gottes) Lieb. Die kurzen, impulsiven Achtelauftakte in den Zeilen 1, 3 und 4 sind charakteristisch für Luthers Melodiebildungen. Die konzentrierte und kraftvolle Weise passt bestens zum Textinhalt und wirkt sowohl ernst als auch freudig zugleich.
Bei den heutigen „Hauptgottesdiensten“ des Christfestes am 24.Dezember wird das Lied in der Regel als theologisch anspruchsvoll und musikalisch eher abständig (Kirchentonart) vermieden. Es empfiehlt sich aber durchaus bei der vielfach praktizierten Gliederung der Lesung der Weihnachtsgeschichte mit Liedstrophen: Strophe 1 bis 3 (4) nach Vers 7 oder 12. Gerade durch Luthers Profilierung als Glaubenslied kann es – mit allen sieben (kurzen) Strophen! – unabhängig vom heute des 24./25.12. in allen Gottesdiensten der Weihnachtszeit gesungen werden, Strophe 7 auch separat als Schlussstrophe vor dem Segen.
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