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Gehe ein in deinen Frieden

Nr. 489 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 31 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

Segenswünsche und Lobpreis in gesungener Form – dieses Lied bietet dafür eine klangvolle, dialogische Variante nach einer ursprünglich israelischen Vorlage.

Text:

Helmut König (*1930–†2021), 1957 nach dem hebräischen „Ba’a M’nucha“ von Nathan Alterman 1934
Christine Heuser (*1930–†2020), 1966 Strophe 2

Melodie:

Daniel Sambursky (*1909–†1977), 1934
Helmut König (*1930–†2021), 1957

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Wissenswertes zu "Gehe ein in deinen Frieden"

Der Ursprung des Liedes geht zurück auf den Film „Land of Promise“ (1934/35). Daniel Sambursky (1909–1977) komponierte es auf den hebräischen Text „Shir haemek“ (Lied des Tales) von Nathan Alterman (1910–1970). Es besingt die nächtliche Schönheit des Jesreel-Tales und wurde in Israel sehr populär – wie auch weitere Lieder Samburskys. Helmut König griff die Melodie auf, glättete den Rhythmus, unterlegte ihr eine deutsche Strophe und ergänzte einen Amen-Schluss. In dieser Form wurde das Lied erstmals 1958 von Gerd Watkinson und Helmut König im Liederbuch „Der Regenbogen“ veröffentlicht. Für den Deutschen Evangelischen Kirchentag 1967 fügte Christine Heuser eine zweite Strophe hinzu. Das Lied erlangte auch in Deutschland große Beliebtheit und erschien in zahlreichen Liedheften, in Anhängen zum EKG sowie im EG von 1994.

Biblische Grundlagen des Textes finden sich in den Psalmen. So heißt es in Psalm 4,9: „Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.“ Psalm 104 beginnt und endet mit dem Ruf: „Lobe den Herrn, meine Seele!“ Er ist ganz dem Lob des Schöpfers gewidmet: Gott hat den Mond und die Sonne gemacht (104,19), die Finsternis, dass es Nacht wird (104,20), und er erneuert die Gestalt der Erde (104,30). Auch das Thema des am Tage arbeitenden Menschen findet darin seinen Platz (104,23). Strophe 2 des Liedes intensiviert diese kosmische Dimension und integriert eine christliche Sicht („der den Tod bezwang“). Insgesamt besingt das Abendlied die Aussage von Psalm 104,33: „Ich will dem Herrn singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin.“

Die dorische Melodie umfasst 22 Takte. In einem ruhigen Singtempo entfaltet sie Ruhe und Ernsthaftigkeit. Reime finden sich nur in der 1. Strophe (Zeile 5/6: Zelt – Feld) sowie in der 2. Strophe (Zeile 2/4: kennt – brennt). Die zwölf Zeilen weisen jeweils unterschiedliche Silbenlängen auf: 8.7.8.7.–9.8.–6.6.–9.7.–2.2. Entsprechend ist auch die Zahl der Melodietöne pro Zeile sehr verschieden – ein Hinweis darauf, dass sich die Melodie fast rezitativisch an den Text anschmiegt und sich ihm zunächst unterordnet. Melodisch wiederholen sich die beiden ersten Zweitakter; dabei imitiert die zweite Zeile die erste auf der 5. Stufe. Die 5. und 6. Zeile beginnen identisch, enden jedoch unterschiedlich: die 5. auf der 4. Stufe, die 6. auf dem Grundton. Die 7. und 8. Zeile sind melodisch identisch. Die 9. Zeile führt zum oberen Oktavton, der nur hier – auf dem Wort „Sonne“ – erreicht wird, und kehrt mit der 10. Zeile organisch zum Grundton zurück. Das zweifache Amen auf der 5. Stufe lädt zum Verweilen und Staunen über Gottes Schöpfung und vielleicht auch zum Weitersingen ein.

Die Melodie ist durch den eingeteilten Wechselgesang sehr zwingend und überaus eingängig. Deshalb sollte man auf eine Einteilung in zwei Gruppen (rechte Seite – linke Seite, Empore – Kirchenschiff, hohe Stimmen – tiefe Stimmen, Chor – Gemeinde) nicht verzichten. Wenn die Gruppen sich gegenüber aufstellen und sich gegenseitig zusingen können, verstärkt das den Effekt und steigert den Singe-Spaß. Da Gott als Schöpfer von Nacht und Tag gepriesen wird und man sich auch sonntags oder feiertags von der Arbeit erholt, kann das Lied nicht nur am Abend gesungen werden. „Gehe ein in deinen Frieden“ lässt sich als allumfassender Schalom-Gruß verstehen. Besonders empfohlen sei das Lied für Veranstaltungen und Gottesdienste mit Israel-Bezug.

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Hintergrundwissen

Choral oder Filmmusik?

Erstmals erscheint die Melodie von „Gehe ein in deinen Frieden“ im zionistischen Propagandafilm „Land of Promise“(1935), für den Daniel Sambursky das Lied geschrieben hat. Hier kann man die Film-Szene sehen, in der der Musiklehrer, gespielt von Daniel Sambursky, das Lied mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Kibbuz anstimmt:

Quelle: The Spielberg Jewish Film Archive - The Land of Promise