Geh unter der Gnade
Nr. 543 • EG-Regionalteil Württemberg
- Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder /
- Singt von Hoffnung
Das beliebte, einfühlsame Segenslied, ursprünglich vom Autor als Geburtstagsgruß gedacht, eignet sich heute für viele Lebensübergänge und wird gern auch als Segenszuspruch im Gottesdienst gesungen.
Text:
Melodie:
Landkarte der Liedschöpfer:innen
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Wissenswertes zu "Geh unter der Gnade"
„Das Lied entstand 1987 als Ausdruck meiner guten Wünsche, die den Verleger Friedrich Hänssler an seinem 60. Geburtstag in einen neuen Abschnitt seines Lebens begleiten sollten. Schon lange war dieser kurze, prägnante Satz mit mir gegangen. In dem autobiographischen Buch „A Severe Mercy“ (Eine harte Gnade) von Sheldon Vanauken hatte ich gelesen, wie Freunde um den Literaturwissenschaftler und christlichen Apologeten C. S. Lewis sich mit dem Satz ‚Go under the mercy‘ voneinander verabschiedeten. Die Einfachheit dieses Abschiedsgrußes und die Natürlichkeit, mit der darin die Gnade und Barmherzigkeit Gottes in Anspruch genommen werden, berührten mich tief. Ich trug den Satz lange in mir, bis er mir, auf einer langen Autofahrt durch Südfrankreich in Richtung Korsika, als Formulierung meiner Geburtstagswünsche wieder einfiel. Ich entwickelte ihn weiter, ersetzte den rhythmisch hier schwer singbaren Begriff ‚Barmherzigkeit‘ durch das einfachere, aber auch umfassendere Wort ‚Gnade‘ und versuchte zu beschreiben, dass das Leben unter der Gnade Gottes zwar ein Geschenk ist, dieses Geschenk aber immer wieder neu angenommen werden will.“
(aus: Gib mir den richtigen Ton, Hänssler, 2006). 1988 erschien die LP Spuren mit dem bekannten Segenslied.
Mit den Stichworten Gnade, Segen, Frieden steht der Kehrvers in unmittelbarer Nähe zum Aaronitischen Segen (4. Mose 6,24–26). Die vierfache Aufforderung „Geh“ macht den Sendungscharakter des Liedes deutlich. Die Strophen 1 und 2 beschreiben den Zeitenwechsel von vertrauter Vergangenheit zu ungewisser Zukunft. Strophe 3 ordnet Sendung und Segen als gute Wünsche ein. Eine weitere Textassoziation eröffnet Psalm 91,1–2: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“ Der Autor schreibt dazu: „Dass mich ein geschenkter Regenschirm an einem stürmisch-nassen Tag beschützen kann, werde ich feststellen, wenn ich ihn festhalte und unter ihm bleibe. Und um Gottes Gnade zu erfahren, muss ein Mensch die Nähe Gottes suchen: ‚Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch‘ (Jakobus 4,8). Im Bild der Zeit als Kleid – alt und vertraut oder neu und ungewohnt – beschrieb ich den Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt als menschliche Schwierigkeit und gleichzeitig göttliche Gelegenheit.“ (aus: Gib mir den richtigen Ton, Hänssler, 2006)
Die weit ausgreifende A-Dur-Melodie verweist auf den Ursprung des Liedes: ein Solist, der sich selbst auf der Gitarre begleitet. Ihre Gesanglichkeit und Gemeindetauglichkeit entsteht durch kurze Tonleiterausschnitte, die den jeweils sechssilbigen Textabschnitten syllabisch und positiv aufsteigend folgen. Besondere Akzente setzen die Ligaturen auf den Worten „Frieden“ und „Nähe“, letzteres auf dem Höhepunkt der Melodie und dadurch doppelt hervorgehoben. Während die Strophen in einer höheren Lage ansetzen als der Kehrvers, loten sie vor allem den unteren Bereich der Tonleiter mit überwiegend abwärts gerichteten Melodiebewegungen aus.
Der Text ist keine Bitte um Gottes Segen, sondern eine Aufforderung an den Menschen, selbst handelnd zu werden. Damit unterscheidet er sich deutlich vom Aaronitischen Segen; er kann diesen nicht ersetzen, sondern nur ergänzen – am sinnvollsten, indem das Lied unmittelbar vor dem Segen gesungen wird.
Aufnahmen von "Geh unter der Gnade"
Geh unter der Gnade
mit Gesang und Bandbegleitung
Team der Evangelischen Gemeinde A.B. Bad Hall und Kremsmünster
Geh unter der Gnade
mit Gesang und Instrumentalbegleitung
Manfred Siebald
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