Fröhlich soll mein Herze springen
Nr. 36 •
Evangelisches Gesangbuch
Nr. 81 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)
Ausdrucksweise und Form stammen aus alter Zeit, doch bis heute gilt: Wer diese Melodie singt, wird von ihrer lebhaften Freude und Energie angesteckt. Wer den Text spricht, wird mitten in das Geschehen der Weihnachtsgeschichte hineingezogen – gleichsam an die Krippe selbst. Dieses Lied ist ein Meisterstück, das bis heute Menschen zum Singen bewegt: Hört, hört … Christus ist geboren!
Text:
Melodie:
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Wissenswertes zu "Fröhlich soll mein Herze springen"
Das Lied ist ein eindrucksvolles Beispiel und zugleich ein Zeugnis der freundschaftlichen wie überaus fruchtbaren Zusammenarbeit des Pfarrers Paul Gerhardt und des Kantors Johann Crüger während ihrer gemeinsamen Berliner Zeit. Bunners vermutet eine Entstehung um 1651 – entweder noch in Berlin oder bereits in Mittenwalde. Erstmals gedruckt wurde das Lied in der fünften Ausgabe der Praxis Pietatis Melica (herausgegeben von Johann Crüger), Berlin 1653.
Gerhardt verfasste ein 15-strophiges Lied und entwickelte dafür eine neue Strophenform. Auch sprachlich ist es ein Meisterstück. Ausgangspunkt ist die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium. Zahlreiche weitere biblische Bezüge prägen den Liedtext, der in seiner Struktur einer Predigt ähnelt: Auf die Einleitung (Strophe 1) und den biblischen Text mit Auslegung (Strophen 2–4) folgt die Anwendung (Strophen 5–9). Den Abschluss bildet ein Gebetsteil (Strophen 10–12). Auffällig ist der Wechsel der personalen Bezugsrichtungen, vergleichbar mit dem Schema der „themenzentrierten Interaktion“: Das Thema – die Geburt Christi, Das Ich – der Dichter oder Sänger, Das Wir – die singende Gemeinde.
Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert waren auch andere Melodien zu diesem Liedtext in Gebrauch; durchgesetzt hat sich jedoch die Melodie von Johann Crüger. In der oben genannten Ausgabe druckte er sie mit Generalbass-Stimme ab – ein Hinweis darauf, dass sie von einem harmonischen Verständnis geprägt ist, wie es für den neuen Kompositionsstil des Frühbarock zu Beginn des 17. Jahrhunderts typisch war.
Die Melodie ist stark rhetorisch angelegt: Gleich zu Beginn zeichnet sie das „Springen“ des Herzens nach, indem sie sich über die Quinte und die Sexte bis zur Oktave hinaufschwingt. So unterstreicht sie den freudigen und lebendigen Charakter des Liedes. Tonmalerisch tritt der Ruf „Hört, hört …“ deutlich hervor. Auch der Aufbruch und Neubeginn des Lebens durch Christi Geburt werden musikalisch ausgedrückt – etwa durch häufige Modulationen, also Ton- bzw. Harmonierückungen in andere Tonarten.
In der Quelle trägt das Lied die Überschrift „Von der Geburt Jesu Christi“ – es ist also ein echtes Weihnachtslied. Heute zählt es zu den Kernstücken des evangelischen Liedschatzes. Johann Sebastian Bach verwendete die letzte Strophe „Ich will dich mit Fleiß bewahren“ – allerdings zu einer anderen Melodie – in der dritten Kantate seines Weihnachtsoratoriums.
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Notenansicht
Fröhlich soll mein Herze springen | Evangelisches Gesangbuch Nr. 36, Strophe 1
Kommentar zum Lied
„Nur kurz scheinen die vertrauten weihnachtlichen Bilder auf, dann treten sie zurück hinter die Erwägungen, was der Grund für die Weihnachtsfreude ist: Er liegt – gut lutherisch gedacht – im Kreuz Jesu und der durch seinen Tod erwirkten Versöhnung. Dies recht zu begreifen und auf das eigene Leben anzuwenden, ist das Ziel des Liedes. Die gegenüber dem barocken Original etwas vereinfachte Melodie verbindet leichte Fasslichkeit mit einem großen, festlichen Gestus.“ Andreas Marti
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