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Es ist für uns eine Zeit angekommen

Nr. 543 • EG-Regionalteil Niedersachsen-Bremen
Nr. 53 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • Kommt atmet auf /
  • Singt Jubilate /
  • EG-Regionalteil Rheinland-Westfalen-Lippe

Ein volkstümliches Sternsingerlied, ursprünglich aus der Schweiz. Die Dichterin Maria Wolters formte daraus eine lebendige Weihnachtsgeschichte, die bis heute Kinder, Familien und Gemeinden zum Mitsingen einlädt.

Text:

Maria Wolters (*1910–†2006), 1957

Strophen 2 - 9

Sterndreherlied aus dem Kanton Luzern (Str. 1 und 10)

Melodie:

Sterndreherlied aus dem Kanton Luzern

Satz:

Paul Ernst Ruppel (*1913–†2006), 1983

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Wissenswertes zu "Es ist für uns eine Zeit angekommen"

Das Lied gehört zum alten Brauch des Sternsingens: Kinder – in früheren Zeiten Männer – gehen um den Epiphanias- oder Dreikönigstag (5./6. Januar) als Könige verkleidet von Haus zu Haus, singen Lieder und bitten um Geld oder Süßigkeiten. Es ist in unterschiedlichen regionalen Textvarianten überliefert. Die Singbewegung des 20. Jahrhunderts belebte den Brauch neu, allerdings in einer Textfassung, die der völkischen Kulturvorstellung der Nationalsozialisten entsprach und das Lied zum „Wanderlied in der Winternacht“ umdeutete. In dieser Gestalt begegnete es noch bis in die 1960er Jahre in Schulliederbüchern. Maria Wolters ergänzte 1957 die erste Strophe mit einem biblischen Erzähllied und korrigierte damit die unselige Vereinnahmung als „Wanderlied“. In dieser Form fand das Lied schließlich 1993/94 Eingang in Regionalausgaben des Evangelischen Gesangbuchs.

Während die aus dem Brauchtum überlieferten Fassungen in wenigen Strophen lediglich den Stall mit der Krippe sowie die Weisen bzw. Könige erwähnen, entfaltet die Fassung von Maria Wolters eine vollständige Weihnachtserzählung: die Verkündigung (Strophen 2–3), Betlehem (Strophen 3–4), die Hirten (Strophen 6–8) und die Könige (Strophen 8–9). Strophe 10 bildet zusammen mit der gleichlautenden Eingangsstrophe den Rahmen.

Die einfache harmonische Struktur entspricht volkstümlichen Modellen. Der erste Teil verbleibt – mit Ausnahme der Schlusskadenz – im Tonikabereich; der zweite Teil führt zunächst zur Subdominante und pendelt anschließend zwischen Tonika und Dominante. Dies eröffnet die Möglichkeit einer Mehrstimmigkeit aus dem Stehgreif, wie sie für eine umgangsmäßige oder volksliedhafte Singpraxis typisch ist. Dazu passt auch der geringe Tonumfang des Liedes, der sich auf eine Sexte beschränkt und Raum für mehr oder weniger improvisierte Über- oder Unterstimmen lässt. Wiederholende Elemente – rhythmisch wie melodisch, in direkter Abfolge oder in der Entsprechung ganzer Formteile – begünstigen diese Praxis zusätzlich.

Von seiner Entstehung her bietet sich das Lied besonders für den Gebrauch im Kindergottesdienst, bei Familienweihnachtsfeiern oder im Unterricht an. Beide Strophenteile werden wiederholt, was auf die Möglichkeit verweist, das Lied im Wechsel zwischen einem Vorsänger oder einer kleinen Gruppe und der ganzen Gemeinde bzw. Kindergruppe zu singen. Sinnvoll erscheint zudem ein Wechsel der thematisch zusammengehörigen Strophengruppen, verbunden mit dazwischen eingefügten Texten, Bildern oder Spielszenen.