Du hast zum Kind mich angenommen
Nr. 58 •
Singt von Hoffnung
Nr. 340 RT Bayern-Sachsen • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)
Dieses Lied erzählt von der Freude, ein Kind Gottes zu sein – getragen von Vertrauen und Dankbarkeit. Es greift die Gedanken und Empfindungen eines Menschen auf, der sich bewusst für den Glauben entscheidet.
Text:
Melodie:
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Wissenswertes zu "Du hast zum Kind mich angenommen"
Der Text des Liedes entstand 2005 in Dresden als ein Lied zum Thema Erwachsenentaufe, ohne einen konkreten Anlass und zunächst ohne eigene Melodie. Zu dieser Zeit arbeitete eine Auswahlkommission der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens an einem neuen Liederbuch für die Gemeinde, das 2008 unter dem Titel „Singt von Hoffnung“ erschien. Gisela Kandler reichte dafür mehrere Liedtexte ein, von denen einige aufgenommen wurden – darunter auch das vorliegende. Da zunächst keine eigene Melodie vorlag, wurde 2006 der Chemnitzer Komponist Michael Fröhlich mit der Komposition beauftragt. Mit seiner Melodie wurde das Lied in „Singt von Hoffnung“ veröffentlicht und wird seitdem in sächsischen Gemeinden verwendet. Später schlug Gisela Kandler für das Lied eine eigene, schlichtere, choralartige Melodie vor, die sie ursprünglich zu einem Zehn-Gebote-Lied komponiert hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich jedoch bereits die Melodie von Michael Fröhlich etabliert.
Der Text ist ursprünglich nicht als Kehrverslied gedacht, sondern mit vier aufeinanderfolgenden Strophen. Der heutige Kehrvers bildet dabei die erste Strophe. Das Lied wendet sich als Gebet eines Einzelnen dankbar an Gott. Inhaltlich spannt sich ein Bogen vom Angenommensein als Kind Gottes (Kehrvers) über die Erkenntnis, Gott keine eigenen Leistungen vorweisen zu können (Strophe 1), und die theologische Begründung der Vergebung durch Christi Kreuzestod (Strophe 2) bis hin zum Ausblick auf die Gemeinschaft mit Gott in Ewigkeit (Strophe 3). Mehrere biblische Bezüge sind erkennbar: So erinnert der Gedanke des Refrains, dass Gott uns und unser Leben bereits vor unserer Geburt kennt, an Psalm 139,16. Die Wende vom alten Leben zu einem Neuanfang im Glauben in der ersten Strophe findet sich etwa auch in 2. Korinther 5,17. Die zweite Strophe benennt den Kern evangelischer Rechtfertigungslehre und lässt dabei z. B. an Kolosser 1,20 denken. In der Formulierung „in dir […] neugeboren“ in der dritten Strophe klingt Jesu Antwort an Nikodemus an (Johannes 3,5).
Die Melodie ist stilistisch im Bereich der Popmusik anzusiedeln. Auffällig ist zum einen der synkopische Rhythmus gleich im ersten Takt, der gut aus dem Sprachrhythmus heraus entsteht und später immer wieder auftaucht. Zum anderen überrascht die harmonische Wendung im zweiten Takt zu einem besonderen Akkord (Nonenakkord auf der siebten Stufe). Der Refrain – er ist die Kernaussage des ganzen Liedes – steht in Dur und wirkt dadurch fröhlich und zuversichtlich. Er ist klar gebaut: Die erste Zeile wiederholt sich als dritte, dabei mit einem schwungvollen Sprung nach oben, der in der vierten Zeile noch gesteigert wird. Die Strophen dagegen stehen in der (parallelen) Molltonart und liegen etwas tiefer. Das gibt ihnen einen ruhigeren, zurückhaltenderen Klang. Auch hier wiederholt sich die erste Zeile in der dritten, was das Lied leicht erlernbar macht. Die vierte Zeile führt dann wieder zur Anfangsstimmung des Refrains zurück. Der synkopische Rhythmus und die Pausentakte erfordern eine prägnante, im Metrum durchlaufende Begleitung. Man kann den Text auch zur Melodie des Liedes „O dass doch bald dein Feuer brennte“ (EG 255) singen. Dann wirkt er viel ernster und feierlicher. Allerdings entfällt dabei der Refrain: die erste Strophe (= Kehrvers) wird nur einmal gesungen.
Das Lied wurde von der Autorin für den Anlass einer Erwachsenentaufe geschrieben. Dass es gleich zu Beginn die Bezeichnung „Kind“ verwendet, passt trotzdem – gemeint ist hier der Glaubende als Kind Gottes. Zwar wird die Taufhandlung im Text nicht ausdrücklich erwähnt, doch beschreibt er sehr treffend die möglichen Beweggründe eines Menschen, der sich bewusst für die Taufe entscheidet. Da es nur wenige Lieder gibt, die sich direkt auf die Taufe Erwachsener beziehen, scheint dies der wichtigste liturgische Ort für das Lied zu sein. Alternativ ist – wie im Liederbuch „Singt von Hoffnung“ vorgesehen – auch die Einordnung in die Rubrik „Beichte“ möglich, da in der ersten Strophe allgemein von Schuld die Rede ist und in der zweiten Strophe der Hinweis auf Vergebung ergänzt wird.
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