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Du bist mein Zufluchtsort (Kanon)

Nr. 101 • EGplus

  • freiTöne /
  • Durch Hohes und Tiefes /
  • Kommt atmet auf /
  • Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder /
  • Kinderkirchenlieder "Immer und überall" (ELKB)

Der ruhige Gesang von Michael Ledner eröffnet die Möglichkeit, zeitgleich im ersten Teil von Zuflucht und Angst sowie im zweiten Teil von Zuversicht und Stärke zu singen, sodass diese Gefühlswelten ineinander verwoben werden. Das schwebende Ende ohne Grundton steht für eine offene Gebetshaltung und lädt zu Wiederholungen ein.

Text:

Gitta Leuschner (*1935), 1985 deutscher Text
Michael Ledner (*1952), 1981 englisches Original "You are my hiding place"

Melodie:

Michael Ledner (*1952), 1981

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Wissenswertes zu "Du bist mein Zufluchtsort (Kanon)"

Michael Ledner schrieb 1980 sein Lied „You are my hiding place“ in der Zeit der Trennung von seiner Frau an nur einem Tag. Am nächsten Tag teilte er es mit mehreren Freunden, nahm eine Kassette auf und legte es zunächst beiseite. Während seiner Zeit in einem Kibbuz in Israel sang er das Lied mit Freunden, die es nach Kalifornien mitnahmen. Durch die Veröffentlichung des US-amerikanischen Labels für christliche Musik Maranatha! Music im Album Praise 6 wurde das Lied schnell populär.

Im Hintergrund des Liedtextes steht Psalm 32,7: „Du bist mein Schirm“. Das hebräische Wort kann „Versteck“, „Hülle“, „Schirm“ oder „Schutz“ bedeuten; in der englischen Bibel lautet es „hiding place“. Auch zu Psalm 56,3 sowie zu 2. Korinther 12,10 können Bezüge hergestellt werden.

In dem sehr persönlichen und verinnerlichten Text wird die Erfahrung von der Nähe Gottes in schwierigen Zeiten in der Ich-Form geschildert. Der Psalmbeter hat diese Erfahrungen mehrfach beschrieben, etwa

• Psalm 90,1: Herr, du bist unsere Zuflucht für und für.

• Psalm 91,1–2: Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.

• Psalm 31,2: Herr, auf dich traue ich; lass mich nimmermehr zuschanden werden.

• Psalm 43,2: Du bist der Gott meiner Stärke.

• Psalm 46,2: Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.

Die zahlreichen Bezüge zeigen, wie universell der Liedtext zu verstehen ist.

Die Melodie auf Grundlage einer A-Moll-Skala hat mit den abwärts gerichteten Sequenzen etwas Melancholisches, trägt aber zugleich Hoffnung in der aufsteigenden Linie – besonders passend zur deutschen Textübertragung „traue ich auf dich“. Der punktierte Rhythmus am Anfang erzeugt einen wiegenden Charakter. Das Lied kann ad libitum als zweistimmiger Kanon gesungen werden. Besonders reizvoll ist die Möglichkeit, den ersten Teil (Zuflucht, Angst) und den zweiten Teil (Zuversicht, ich trau auf dich, Stärke) gleichzeitig erklingen zu lassen, sodass die Gefühlswelten ineinander verwoben sind. Das schwebende Ende auf dem Dominantton e’ steht für eine noch offene Gebetshaltung und lädt zu Wiederholungen ein, die schließlich auf dem Grundton a’ des ersten Teils schließen können.

Das Lied kann vielfältig eingesetzt werden. Es passt insbesondere, wenn die entsprechenden Psalmen in der Perikope vorkommen: Sonntag vor der Passionszeit, Estomihi; 26.12. Erzmärtyrer Stephanus (Ps 31), am 1. Sonntag der Passionszeit, Invokavit (Ps 91) , am 5. Sonntag der Passionszeit, Judika; 24.8. Apostel Bartholomäus (Ps 43) Reformationstag und am 27.1. Tag der Opfer des Nationalsozialismus (Ps 46) und am Ende des Kirchenjahres, Totensonntag, (Ps 90). Das Lied kann nach Belieben als zweistimmiger Kanon oder einstimmig gesungen werden – sowohl meditativ zur Sammlung als auch zur Gestaltung von Andachten und Gottesdiensten.