Die Erde ist des Herrn
Nr. 654 • EG-Regionalteil Bayern-Thüringen
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- EG.E Evangelisches Gesangbuch - Ergänzungsheft /
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Der Liedtitel, der zugleich die Kirchentagslosung von 1985 war, eröffnet im 24. Psalm einen Lobpreis Gottes, des Schöpfers. Eindringlich fordert das Lied – in einer Zeit erwachten ökologischen Bewusstseins und kontrovers geführter Rüstungs- und Friedensdebatten – zu besonnenem wie auch couragiertem Handeln auf und beschreibt zugleich tröstlich: „Inmitten aller Schuld ist Gott am Werke.“
Text:
Melodie:
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Wissenswertes zu "Die Erde ist des Herrn"
Kirchentagspastor Rainer Degenhardt erinnert sich, dass sein Freund Jochen Rieß das Lied (zur Losung des Düsseldorfer Kirchentages 1985) im Dezember 1984 bei einer Geburtstagsfeier schrieb und ihm als „Geburtstagsgabe“ mit eigener Melodie vortrug. Kirchenmusiker Matthias Nagel erinnert sich, dass ihn der Liedtext in den Vorbereitungsmaterialien des Kirchentages sofort angesprochen habe und er in sehr kurzer Zeit eine eigene Melodie dazu schrieb. In dieser Kombination erschien das Lied erstmals im Kirchentagsliederheft 1985. Über Regionalteile des Evangelischen Gesangbuchs verbreitete es sich weiter und gelangte schließlich als Wochenlied für den 9. Sonntag nach Trinitatis ins Ergänzungsheft zum Evangelischen Gesangbuch.
„Die Erde ist des Herrn“ ist der Auftakt des 24. Psalms. Der Satz, der als Kirchentagslosung 1985 ausgewählt wurde, eröffnet den Lobpreis Gottes, des Schöpfers (Vers 1–2). Er führt über eine ethische Passage – „Wer darf auf des Herrn Berg gehen …?“ (Vers 3–6) – zum adventlich-messianischen Ruf: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch“ (Vers 7–10). Nach diesem Modell ist auch das Lied gestaltet. Der Bogen reicht vom schöpfungstheologischen Indikativ („Die Erde ist des Herrn. Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben“, Strophe 1) über die ethischen Imperative bis hin zum christologischen Indikativ („Denn der in Jesus Christ ein Mensch geworden ist, bleibt unsre Stärke“, Strophe 4). Diesem schöpfungs- und erlösungstheologischen Rahmen sind unmittelbar die beiden Weisungen zugeordnet: „Drum sei zum Dienst bereit …“ (Strophe 1) und „Verlier nicht die Geduld …“ (Strophe 4). Die 1980er-Jahre waren geprägt von erwachtem ökologischem Bewusstsein sowie von kontroversen Rüstungs- und Friedensdebatten. Vom Kirchentag 1985 ging ein wesentlicher Impuls für den konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung aus.
Konkret werden die Aufrufe zur Dienstbereitschaft und Geduld durch weitere Imperative verstärkt: den Aufruf zum mutigen Engagement („Gebrauche deine Kraft …“, Strophe 2) – als Weckruf aus aller Resignation – sowie den Aufruf zu entschlossener Sozialität („Geh auf den andern zu …“, Strophe 3) – als Weckruf aus aller Isolation. Insgesamt weist der Liedtext sechs Imperative auf, die programmatisch am Beginn (erste Hälfte von Strophe 1) und am Schluss (zweite Hälfte von Strophe 4) stehen und begleitend durch das ganze Lied hindurch mit Indikativen begründet und motiviert werden. Inhaltlich wird dabei das Verständnis der paulinischen Ethik („… der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.“, Gal 5,6) herangezogen.
Zur Melodie schrieb Matthias Nagel: „Ich entschied mich für den Choralstil, weil erstens das Choralsingen auch in der Zeit der Neuen Geistlichen Lieder nicht aus der Mode kommen wird und zweitens, weil es in diesem Text keinen Grund für ‚rhythmische Spielereien‘ gibt. Die Tonart d-Moll soll die insgesamt ernste Grundstimmung des Textes transportieren.“ So lässt die Melodie eine gefasste, ernste und zugleich klare Stimmung entstehen.
Die Melodie trägt oder befördert dadurch den Textinhalt sicher und benötigt in ihrer Stringenz kein melodisches Beiwerk. Anders als die Textvorlage fasst sie die Zeilen 2–3 und 5–6 jeweils unter einem Bogen zusammen. Die Zweiteiligkeit jeder Strophe bleibt so erhalten und wird durch den 3/2-Takt in der Mitte und am Schluss sogar hervorgehoben, indem die sechzeilige Textstrophe gleichsam vierzeilig überschrieben wird. Zugleich nimmt die Melodie die Textstruktur auf: Die zweite Zeile wiederholt die erste drei Töne höher, die fünfte die vierte einen Ton tiefer.
Das Lied ist als Wochenlied für den 9. Sonntag nach Trinitatis vorgeschlagen. Die zugehörigen Lesungs- und Predigttexte verdeutlichen in vielfältiger Weise, wie Gottes Initiative menschliches Handeln hervorruft, ermöglicht und zugleich einfordert.
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Quelle: www.kirche-im-swr.de
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