Ein gesungenes Abendgebet, das Geborgenheit und Gottvertrauen ausstrahlt. Der zuversichtliche Liedtext stammt aus der Feder von Matthias Claudius, der selbst viel Krankheit, Tod und Leid in seiner Familie erlebt hat.
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Das „Abendlied“ wurde in „Musen Almanach oder Poetische Blumenlese für das Jahr 1779“ durch Johann Heinrich Voß in Hamburg veröffentlicht. Johann Gottfried Herder veröffentlichte dieses im gleichen Jahr in seiner Sammlung „Volkslieder“, allerdings ohne die letzten beiden Strophen. Die erste Vertonung von Friedrich Reichardt erschien 1779 in seiner Sammlung „Oden und Lieder…“. 1790 veröffentlichte Johann Abraham Peter Schulz den Text mit seiner Melodie im dritten Teil seiner Ausgabe „Lieder im Volkston“. Erst ab 1850 behauptete sich diese Melodie gegenüber der Reichardts, die bis dahin ebenso verbreitet war. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Lied auch auf die Melodie von „Nun ruhen alle Wälder“ gesungen. Das Volkslied wurde ab 1950 zum anerkannten Kirchenlied und erlangte Übersetzungen in viele Sprachen.
Das Lied hat eine Nähe zu „Nun ruhen alle Wälder“ (1647) von Paul Gerhardt. Nicht nur die Thematik des Abends ist gleich, auch der Strophenbau ist mit 7.7.6, 7.7.8 Silben und dem Reimschema aab-aab identisch. Während in sehr vielen Liedern die Sonne besungen wird, eröffnet hier das Bild des Mondes die Gedankenwelt, die sich zwischen Himmel und Erde bewegt. Obwohl die dunklen Seiten des Lebens nicht ausgeklammert werden (Tages Jammer, Vergänglichkeit, Grämen), überwiegen die positiven Gedanken der Nacht. Ab der vierten Strophe, die von der Vergeblichkeit menschlicher Künste handelt, wendet sich das Gebet vertrauensvoll an Gott: „ … Lass dein Heil uns schauen, … lass uns in´ Himmel kommen, … lass uns ruhig schlafen“. Dieses Abendlied ist ein Lied des Vertrauens auf die Geborgenheit in Gott.
Der Komponist gibt jeder Silbe einen Ton. Schlichte, durchgängige Viertel zeichnen das Lied aus. Die Melodiebildung folgt mit aa1b-aa1b1 dem Reimschema des Textes. Die am Zeilenende auf Wortschwerpunkte gesetzten Halben gleichen die unterschiedlichen Silbenzahlen aus, sodass sechs Zweitakter entstehen. Die Viertelpause in der Mitte wirkt dabei mit und teilt die beiden Dreizeiler. Der Melodieumfang beschränkt sich auf sechs Töne aus F-Dur ab dem Grundton aufwärts. Die Spannung des Leittones der 7. Stufe entfällt. Der Verzicht auf das Unterschreiten des Grundtones unterstreicht die dem Lied innewohnende, positive Grundhaltung. Die variierte Wiederholung der Melodieabschnitte lässt sich leicht merken. Außerdem strahlt die Melodie in ihrer Schlichtheit eine große Ruhe aus, die viele Menschen berührt. Die Absicht des Autors „Lieder im Volkston“ zu schreiben, ist vorbildlich umgesetzt.
Das Abendlied ist zunächst als Lied für Kinder entstanden. Doch es trägt viele Facetten mit weitem Tiefgang in sich, die vielen Menschen liebgeworden sind. Jede Strophe verdient es, meditiert zu werden, was bei der Beliebtheit und Bekanntheit des Liedes gern in den Hintergrund tritt. Oft erklingt das Lied in Abendgottesdiensten und Andachten in Gemeindekreisen. Da es auch im weltlichen Bereich bekannt ist, eignet es sich für Veranstaltungskontexte. Durch vorliegende Übersetzungen kann es im Bereich der weltweiten Ökumene eingesetzt werden. Außerdem lässt sein Bitt- und Trostcharakter (Strophe 5) ebenso einen Einsatz bei Trauerfeiern zu. In Auswahl kann es bewusst gesprochen, am Kinder-, Kranken- oder Sterbebett gebetet werden.
Vocal Concert Dresden, Leitung: Peter Kopp
aus: CD "Lob, Ehr und Preis sei Gott" ℗ Edel Germany GmbH
Wilhelmshavener Vokalensemble, Leitung: Ralf Popken
aus: CD "Der Mond ist aufgegangen", Edition Chrismon
Der Mond ist aufgegangen | Evangelisches Gesangbuch Nr. 482, Strophe 1
Satz: Max Reger um 1905
“Ich geb`s zu: Ich bin mondsüchtig. Wie vermutlich viele Menschen. Und wer einmal weit abseits von der lauten Großstadt, vielleicht oben auf dem Venusberg oder am Rhein die Sichel des Neumondes erlebt hat, ein Mond-Zwischenstadium oder den prächtigen Vollmond, wird das überwältigende Gefühl kennen, wenn sein Silberstreif die Erde in ein geheimnisvolles Licht taucht …” Ein Beitrag von Nicola Thomas-Landgrebe zu dem beliebten Abendlied.
Quelle: www.kirche-im-wdr.de
Wie in einem Bilderbuch führen die Bildkarten Schritt für Schritt durch das Lied. Beim gemeinsamen Singen können Eltern und Kinder so Strophe für Strophe entdecken und das Lied gleichsam „singend durchblättern“. Die Zeichnung ist bewusst schlicht und kindgerecht gehalten. Ihre offene Gestaltung lädt dazu ein, eigene Assoziationen einzubringen, die Motive weiterzudenken und die Bilder vielleicht sogar selbst kreativ zu ergänzen oder eigene Bilder zu gestalten.
Die Vorlagen lassen sich ausdrucken und bunt gestalten: So entstehen kleine Leporellos oder sogar Lied-Memorys. Wer mit den Bildern und den entsprechenden Liedstrophen spielen möchte, kann auf mitsingen.de Lieder erraten oder seine Textsicherheit bei einem Bildermemory testen.
Viel Spaß beim Blättern!
Quelle: Ein Projekt der Arbeitsstelle Kirchenmusik in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens (EVLKS), Fachbeauftragte für Chor- und Singarbeit Martina Hergt www.kirchenmusik-sachsen.de
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