Der Heiland ist geboren
Nr. 49 •
Evangelisches Gesangbuch
Nr. 72 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)
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Das volkstümliche Weihnachtslied ist zunächst ein Krippenlied, das die Singenden zur Betrachtung des göttlichen Kindes einlädt. Zugleich ist es ein Hirtenlied, denn im Mittelpunkt steht die Engelbotschaft aus der Weihnachtsgeschichte. Darüber hinaus trägt es deutlich den Charakter eines Wiegenliedes, dessen innige melodische Gestaltung eine ruhige und geborgene Atmosphäre schafft. Der immer wiederkehrende Kehrvers bringt die weihnachtliche Freude zum Ausdruck und verleiht dem Lied eine festliche, ansteckende Lebendigkeit. So eignet es sich gleichermaßen für Groß und Klein und verbindet innige Krippenandacht mit fröhlichem Weihnachtsjubel.
Text:
Strophe 1: Oberösterreich 19. Jh.; Strophe 2-4: Glatz
Melodie:
Innsbruck 1881/1883
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Wissenswertes zu "Der Heiland ist geboren"
Die erste Strophe des Liedes ist bereits 1638 in einem Innsbrucker Flugblattdruck belegt, wenn auch mit einer anderen Melodie. Die heute geläufige Melodie stammt aus einer Handschrift des Klosters Weyarn (ca. 1780). Eine sechsstrophige Variante aus dem Salzkammergut wurde 1881 von Wilhelm Pailler in Innsbruck veröffentlicht. Häufig wird die schlesische Grafschaft Glatz als Herkunftsort des Textes angegeben; belegbar wird das Lied dort jedoch erst ab 1911 in leicht veränderter Textform. Durch die Aufnahme der vierstrophigen Fassung in das Evangelische Gesangbuch (1993) erfuhr das Lied eine weite Verbreitung im gesamten deutschsprachigen Raum.
Die Textgrundlage des Liedes ist die Engelrede aus der lukanischen Weihnachtsgeschichte (Lk 2,10–11): „Siehe, ich verkündige euch große Freude … Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.“ Die zentrale Aussage aller Strophen wie auch des Kehrverses ist die Aufforderung zur Freude. Damit erinnert der Liedtext an Phil 4,4: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“
Der volkstümliche Charakter des Textes zeigt sich in der sprachlichen Schlichtheit und in der bewusst eingesetzten Wiederholung. Der Kehrvers selbst ist als wiederkehrendes, melodisch leicht variiertes Element gestaltet. Inhaltlich thematisieren die ersten beiden Strophen das neugeborene Kind als Heiland, die dritte Strophe den Lobgesang der Engel und die vierte Strophe die Gemeinschaft der Glaubenden. In der sechsstrophigen Fassung wird diese thematische Blickrichtung jeweils auf zwei Strophen ausgeweitet.
Es handelt es sich um ein Wiegenlied im 6/4-Takt, dessen Melodik im Durdreiklang verankert ist. Der Klangcharakter erinnert an alpenländische Jodler oder an (Alm-)Hornbläser, die mit Naturtönen arbeiten. In den Strophen entfaltet die Melodie weite motivische Bögen, während sie sich im Kehrvers zunächst auf einen schmalen Tonraum von vier Tönen beschränkt. Anschließend greift sie – im Rückbezug auf die Strophenmelodie – erneut weit aus und gewinnt dadurch an Ausdruck. Die dritte Zeile des Kehrverses wiederholt die Eröffnungszeile tongleich und schafft damit eine deutliche Strukturierung. Die Schlusszeile hebt ähnlich wie die zweite Strophenzeile an und führt die Melodie schließlich abwärts zum Grundton zurück. So entsteht ein spannungsreicher Zusammenhang aus beruhigendem Kindleinwiegen und überschwänglicher Weihnachtsfreude, der sowohl die wiegende Bewegung als auch die festliche Botschaft des Textes musikalisch vermittelt.
Kindleinwiegen, Christkindlwiegen oder Kindelwiegen ist ein Weihnachtsbrauch, der auf das liturgische Spiel des Mittelalters zurückgeht. Christkindlwiegen sind Vorläufer der Weihnachtskrippen. Sie verzichten auf Maria und Joseph, konzentrieren sich ganz auf das Kind.
Fußend auf dieser Tradition kann zu dem Lied eine Wiege geschaukelt werden. Die Gruppe oder Gemeinde kann sich selbst beim Singen hin- und herwiegen. Diesem Lied verwandt ist das Lied „Josef, lieber Josef mein, hilf mir wiegen das Kindelein“.
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Der Heiland ist geboren | Evangelisches Gesangbuch Nr. 49, Strophe 1
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