Danke für diesen guten Morgen
Nr. 334 • Evangelisches Gesangbuch
- Gotteslob /
- Kinderkirchenlieder "Immer und überall" (ELKB)
Es sollte zunächst ein Werktagslied für Jugendgruppen, Freizeiten und den Religionsunterricht sein, möglichst nah – auch in Sprache und Stilistik – am Alltag der Menschen, mit denen Pfarrer Martin Gotthard Schneider Gemeinde gestaltete. Als das Lied prämiert wurde, war es ein Aufreger. Und bis heute ist es ein Prüfstein oder Diskussionspunkt für Qualitätsstandards sowie milieugeprägte Wahrnehmungsmuster in unserer Kirche geblieben.
Text:
Melodie:
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Wissenswertes zu "Danke für diesen guten Morgen"
Die Anstöße zu dem Lied waren innere und äußere. Die innere Motivation ergab sich aus Schneiders Arbeit mit jungen Menschen, aus seinem Blick auf den Religionsunterricht und die Gemeindesituation, vor allem die Jugendarbeit, mit dem drängenden Wunsch, die Mitgestaltung mündiger Christen zu ermöglichen. Dafür suchte und schuf er neue Formen und Ausdrucksmittel in Text und Musik. Der äußere Anlass war der 1. Wettbewerb der Evangelischen Akademie Tutzing für neue geistliche Lieder 1961, initiiert vom Münchener Studentenpfarrer Günther Hegele. Gesucht wurden Lieder, die geistliche Texte mit musikalischen Mitteln aus der Unterhaltungsmusik und dem Jazz verbinden. Vorlage für Schneider war ein Gebet von Michel Quoist (1921–1997) aus dem Kreis französischer Arbeiterpriester. Auch Schneider wollte kein Lied für den Gottesdienst; er schuf es als Alltagslied, als Werktagslied für Jugendgruppen, Freizeiten und den Religionsunterricht. Der erste Druck erfolgte als Einzellied in der Reihe „Neue Geistliche Lieder, Chorblatt 1“, Regensburg 1962 (BE 225), und war für drei Stimmen und Kontrabass ad libitum gesetzt. Es erschien dann im Liederheft „Danke. Neue geistliche Lieder aus dem 1. Wettbewerb der Evang. Akademie Tutzing“, Regensburg 1963 (BE 214), und auf einer Klappkarte (BE 290). Bereits 1963 gelangte es in einer Schallplatteneinspielung des Botho-Lucas-Chors wochenlang – als bisher einziges Kirchenlied – in die Charts der deutschen Hitparade. Es wurde weltweit in mehr als 25 Sprachen übersetzt und erfuhr unzählige Kontrafakturen und Parodien.
Tiefe Dankbarkeit ist das Thema des Liedes. Dankbarkeit ist die Grundhaltung, die an menschliche Existenz und Resonanz anschließt, wie sie schon die Bibel bezeugt – eine Antwort des Menschen auf das Handeln Gottes, der Ausdruck einer lebendigen Gottesbeziehung (Ps 106f, Ps 136, Eph 5,20, 1. Thess 5,18). Wie an einer Perlenschnur werden in den Strophen jeweils drei „Danke“-Aussagen formuliert: über den neuen Tag, die Freunde, die Arbeit, die Musik, über Erfahrungen im Leben bis hin zum Dank an Gottes Heilsgabe, „dass ich danken kann“. Die verkürzte letzte Zeile der vierzeiligen Strophe führt den jeweils dritten Danke-Gedanken fort, formt ihn zu Ende und bestätigt ihn auch (Silbenzahl der Zeilen: 9.8.9.5).
Die Stilistik der Jazz- und Unterhaltungsmusik, die Abfolge der Harmonien, die animierende und schnell erlernbare Melodie machten „Danke“ zu einem beliebten Lied. Die heutige Fassung weist kleine (rhythmische) Abweichungen zum Original auf. Die Notation in den Gesangbüchern ist nur eine Annäherung: Der ternäre Rhythmus des Swing und Jazz bildet die Basis für den Groove der Melodie. Dass jede Strophe einen halben Ton höher gespielt wird, rührt von dem Arrangement des Botho-Lucas-Chors her und war von Schneider zunächst nicht beabsichtigt.
Das Lied wird gerne bei Kasualgottesdiensten, bei Trauungen und Taufen verwendet, auch mit anderen, neuen Strophen, bietet sich aber für vielfältige gottesdienstliche und gemeindliche Gelegenheiten an. „Das Danke-Lied fordert die kirchenmusikalischen Eliten und Liedermacher damals wie heute dazu heraus, es (noch) besser zu machen und dabei die Qualitätsstandards der Tradition mit der Offenheit für milieugeprägte Wahrnehmungsmuster der Kirchenmitglieder zu verbinden. Für diese Provokation ist dem Lied und seinem Autor bleibend zu danken.“
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