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Christ ist erstanden

Nr. 99 • Evangelisches Gesangbuch

  • freiTöne /
  • Gotteslob

Dieses Osterlied (Osterleise) gilt als der älteste erhaltene liturgische Gesang in deutscher Sprache. Es hat vielfältige Spuren in der Musikgeschichte hinterlassen und mit seiner archaischen Kraft und der kompakten Textbotschaft nichts von seinem Reiz als musikalischer Inbegriff der Osterbotschaft verloren.

Text:

Bayern/Österreich, 12. bis 15. Jh.

Melodie:

Salzburg 1160 und 1433, Tegernsee 15. Jh., Wittenberg 1529

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Wissenswertes zu "Christ ist erstanden"

Die Autoren dieses alten Ostergesangs sind nicht bekannt. Quellen reichen bis ins 10. Jahrhundert zurück: Die 1. Zeile ist um 1150 in Wien und um 1190 in Salzburg belegt, die 1. Strophe ist von 1325 aus Klosterneuburg überliefert, eine weitere Quelle aus dem 15. Jahrhundert am Tegernsee ergänzt diese mit drei Alleluja-Rufen. Bis zum Erstdruck des Gesangs in Mainz 1513 liegen 160 Handschriften vor, fast alle nur mit der ersten Strophe. Als Vorbild für Text und Musik gilt die Ostersequenz „Victimae paschali laudes“ des Wipo von Burgund (um 995-nach 1048), Hofkaplan der Kaiser Konrad II. und Heinrich III., Einsiedler im Böhmerwald, Geschichtsschreiber und Dichter. Die sogenannten „Leisen“, zu der auch dieser Ostergesang gehört, zählen zu den ersten volkssprachlichen Gemeindeliedern. Leisen wurden im Gottesdienst als Antworten auf lateinische Gesänge des Chores gesungen. Zunächst war „Christ ist erstanden“ nur einstrophig verbreitet. Es kursierten viele verschiedene Varianten. Die Beliebtheit lies das Lied später zu einem vielstrophigen werden. Es wurde unzählig oft bearbeitet und inspirierte viele Komponisten aller Jahrhunderte zu Kompositionen verschiedenster Art. Luther selbst leitete daraus das Lied „Christ lag in Todesbanden ab“. Die heute gängige Fassung mit drei Strophen entstammt dem Klugschen Gesangbuch, Wittenberg 1529 (1533).

In der Emmaus-Geschichte im Neuen Testament (Lk 24,34) findet sich die Formulierung: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden. Daraus wurde die österliche Grußformel: Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden, im Lied komprimiert zu „Christ ist erstanden“. Der 2. Satzteil erinnert an eine Stelle aus dem Alten Testatment (Jes 53,4): „Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.“ Passion und Ostern gehören zusammen. Johannes 20,20 bezeugt, dass die Jünger beim Anblick des Auferstandenen froh wurden. 2. Thess 2,16 und 2. Kor 1,3.5 sprechen vom Trost, der von Christus ausgeht. Die Auferstehung betrifft die ganze Schöpfung , so ist in Röm 8,18 ff zu lesen. Oder in 1. Joh 2,17: „Die Welt vergeht, … wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit“. Das christliche Lob Gottes gründet im Osterglauben: Halleluja.

Die Melodie verwendet nur sechs Töne. Sie strahlt eine große Feierlichkeit und Würde aus. Der Grundton d wird zweimal unterschritten. Das h, das zu einer dorischen Melodie gehören würde, wird ausgespart. Die 1. Zeile beginnt erhaben auf der 5. Stufe und führt gleich zum höchsten Ton der Melodie. Das Wort „erstanden“ wird dabei durch eine Ligatur zusätzlich hervorgehoben. Die zweite und die vierte Zeile sind melodisch identisch. Sie führen jeweils abwärts zum Grundton. Die 3. Zeile zeichnet sich durch drei Quartsprünge (auf, ab, auf) aus, welche das „froh sein“ unterstreichen. Die dritte Strophe erweitert die Melodie mit dem dreifachen Halleluja zu einem sechszeiligen Lied. Mit dem b beim 1. Halleluja wird kurz ein helles F-Dur andeutet. Das rhythmisch vorgezogene Kyrie nimmt die frohe Stimmung auf und bringt sie zur Ruhe.

Als Morgenlied zum Beginn eines Gottesdienstes ist es weithin bekannt und geschätzt. Es kann aber ebenso als Loblied, Vertrauenslied oder zu Lesungen verwendet werden. Auch bei Trauerfeiern wird dieses Osterlied verwendet. Gerade die Fremdheit des sehr alten Gesangs in Klang und Form kann auch in Verbindung mit modernen Musizierformen, Instrumentierungen und Improvisationen sehr reizvoll sein und neue Klangerlebnisräume eröffnen. Im fünfstimmigen Satz von Gastoldi entfaltet es auch chorisch eine wunderbare Wirkung.

Aufnahmen von "Christ ist erstanden"

Christ ist erstanden
mit Vokalensemble

Vocal Concert Dresden, Leitung: Peter Kopp

aus: CD "Lob, Ehr und Preis sei Gott" ℗ Edel Germany GmbH

Christ ist erstanden
mit Knabenchor

Thomanerchor Leipzig, Gewandhausorchester, Leitung: Georg Christoph Biller

CD "St.-Thomas-Ostermusik", Rondeau Production

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Liedvorschau mit Noten
Choralandacht

aus der Reihe des WDR 3

„Die Melodie des wohl ältesten deutschen Kirchenliedes hat den Ostergruß in eine triumphale Fanfare verwandelt. Bereits seit dem 12. Jahrhundert, lange bevor es gedruckte Gesangbücher gab, haben Christinnen und Christen dieses Lied immer neu angestimmt“, so der Autor dieser Choralandacht. Der Beitrag stellt das Lied „Christ ist erstanden" in den Mittelpunkt.

 

 

Zum Beitrag

Quelle: www.kirche-im-wdr.de

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Eine Theologin und Kirchenmusikerin im Gespräch