Der Liedtext hat nur fünf Sätze. Fünf Aufforderungen der Nächstenliebe in einfacher Sprache in einem Rundgesang, der schnell ins Ohr geht.
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Karl Friedrich Barth schickte den reimlosen Text als Fünfzeiler an Peter Janssens, der daraus ein vierzeiliges Lied mit fünf Strophen formte, sodass in der Wiederholung der Melodie die Zeilen des Textes wandern und jeweils eine neue melodische Farbe bekommen. Beim Berliner Kirchentag 1977 fand das Lied sofort positive Resonanz und wurde vor allem bei Jugendlichen beliebt. So ist es in Anhängen, Beiheften und im Evangelischen Gesangbuch von 1994 aufgenommen worden.
Der Textbeginn findet sich bei Jesaja 58,7: „Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus!“ Barth fügt nach „Brich“ das Wörtchen „mit“ ein und möchte damit anzeigen, dass der Brotbrechende nicht besser ist, als der, mit dem er das Brot teilt. Erlösend ist für Barth nur das „mit-Sein“, das uns Menschen so schwer fällt wie das Teilen. Weitere biblische Anknüpfungspunkte zum Liedtext finden sich u.a. in Psalm 39,3: „Ich bin verstummt“, in Römer 12, 15: „Weint mit den Weinenden“. Der Autor möchte den Text nicht im Sinn von „du sollst“, sondern als bittenden und betenden Text verstanden wissen. Die Wiederholung der Textteile sind wie ein immer wiederkehrendes und fortlaufendes Gebet.
Die Melodie ist nicht schwer zu erfassen. Schon nach dem ersten Einhören erschließt sie sich dem Singenden fast intuitiv. Die regelmäßige Form und die einfache Harmonik helfen dabei. Der Melodiegang spinnt den Textinhalt musikalisch weiter: Teilen, weitergeben und mitsingen wirken gar nicht so schwer. Beim Singen dieser Melodie stellt sich eine frohe und zuversichtliche Stimmung ein. Die Liedmelodie teilt jedem der vier mal acht Silben einen Ton zu. Sechs Achtel werden von zwei Vierteln gerahmt. Die Zeilen erhalten jeweils eine Viertel-Atempause, sodass ein taktloser und ganz gleichmäßiger Ablauf erfolgen kann. Der Tonvorrat stammt zwar aus F-Dur, lässt aber die 7. Stufe, den Leitton „e“, aus. Dadurch entsteht ein kirchentonaler Charakter. Die erste Zeile beginnt auf der 3. Stufe, umspielt den Grundton von oben und unten. Die zweite Zeile beginnt und endet einen Ton höher. Die dritte Zeile startet auf dem Grundton, holt zur 6. Stufe aus, um wie die 2. Zeile auf der 2. Stufe zu enden. Die vierte Zeile führt zur Ruhe, indem sie den Grundton und nur zwei darunter liegende Töne verwendet. Es entsteht ein Rundgesang, der immer weiter gehen könnte.
Der Rundgesang lässt eine Strophenauswahl nicht zu, wenn man den fünften Satz des Textes „Such mit den Fertigen ein Ziel“ als Ziel der Dichtung anerkennt. Denn mit diesem Satz schließt folgerichtig die fünfte Strophe. Im Kirchenjahr kann das Lied am Siebten Sonntag nach Trinitatis eingeordnet werden. Dort kann es das Wochenlied „Brich dem Hungrigen dein Brot“ ergänzen oder ersetzen. Im EG 1994 ist es unter Nächsten- und Feindesliebe eingeordnet. Es kann zum Einsatz kommen, wenn es um sozialethische Fragestellungen geht und Aktionen wie „Brot für die Welt“, so auch in (Schul-)Gottesdiensten, im Religionsunterricht oder in Andachten. Außerdem hat es mit dem Brotbrechen und mit dem Gemeinschaftsgedanken eine Nähe zum Abendmahl.
Wie in einem Bilderbuch führen die Bildkarten Schritt für Schritt durch das Lied. Beim gemeinsamen Singen können Eltern und Kinder so Strophe für Strophe entdecken und das Lied gleichsam „singend durchblättern“. Die Zeichnung ist bewusst schlicht und kindgerecht gehalten. Ihre offene Gestaltung lädt dazu ein, eigene Assoziationen einzubringen, die Motive weiterzudenken und die Bilder vielleicht sogar selbst kreativ zu ergänzen oder eigene Bilder zu gestalten.
Die Vorlagen lassen sich ausdrucken und bunt gestalten: So entstehen kleine Leporellos oder sogar Lied-Memorys. Wer mit den Bildern und den entsprechenden Liedstrophen spielen möchte, kann auf mitsingen.de Lieder erraten oder seine Textsicherheit bei einem Bildermemory testen.
Quelle: Ein Projekt der Arbeitsstelle Kirchenmusik in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens (EVLKS), Fachbeauftragte für Chor- und Singarbeit Martina Hergt www.kirchenmusik-sachsen.de
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