Ein verhaltenes Lied mit vertrauten Worten. Durch die Kirchentagsbewegung bekannt geworden, verbindet es seither über Kontinente, Stile und Sprachen hinweg Menschen im gesungenen Bittruf um die Kraft des göttlichen Segens.
Spannende Hintergründe zu den beteiligten Personen und ihren Lebenswegen entdecken.
Zunächst entstand das spanischsprachige Lied „La paz del Señor“. Ruuth schreibt, dass es während seiner Zeit in Argentinien etwa um 1968 mit Studierenden bei der Arbeit an der Liturgie entwickelt wurde. Es sei für den Friedensmoment im Abendmahl gedacht. Abgedruckt erscheint es wohl zuerst im "Cancionero Abierto", Bd. 1/2, Buenos Aires 1978. Ein Chor singt dieses Lied in Frankfurt und eine Sängerin der Gruppe Habakuk bittet Eugen Eckert, das Lied ins Deutsche zu übersetzen. Eine direkte Übersetzung schien Eckert nicht sinnvoll. Da für das kommende Gesangbuch (EG) Segenslieder gesucht wurden, entschloss er sich, die spanische Vorlage in ein eigenständiges, am Friedensgedanken orientiertes, aber vom Aaronitischen Segen ausgehendes Gedicht zu übertragen (1984). Beim Kirchentag 1985 in Düsseldorf wurde es erstmalig gesungen und in der Hallenzeitung abgedruckt. Den Durchbruch schaffte das Lied beim Kinderkirchentag 1986 in Hamburg (mit an die Küstenregion angepassten Strophen, die z.B. im baptistischen Gesangbuch „Feiern & Loben“ aufgenommen sind).
Die heutige Fassung ist ein sechszeiliges Lied mit einem kurzen, zweizeiligen Refrain gleich am Anfang aller vier Strophen. Ebenso wiederholen sich die letzten drei – jedoch unterschiedlich getexteten – Zeilen in jeder Strophe. Im Lied werden zentrale Lebens-, Gebets- und Segenssituationen der Bibel angesprochen (die Exodus-Erfahrung, der Aaronitische Segen, das Vaterunser, die Ausgießung des Heiligen Geistes), die unseren Lebenswegen heute entsprechen können. Eine trinitarische Orientierung ist gleichfalls für die Gliederung erkennbar: Vater (Str. 1-2), Sohn (Str. 3), Heiliger Geist (Str. 4), wobei der Bezug zum Sohn mit dem heutigen „Sei Hilfe, sei Kraft“ gegenüber dem originalen „Sei Willen, sei Kraft“ etwas gemindert ist. Die allgemeine Bitte um den Segen auf allen „unsern Wegen“ lässt den Irischen Segen anklingen. In der Verheißung auf „Leben“ liegt letztlich bereits die Gewissheit, dass Gott das Gebet erhört und Frieden schon da ist.
Der Melodieverlauf lässt sich in zwei Abschnitte gliedern: Im ersten Abschnitt erfolgt ein Aufstieg über die Töne des Grundakkords – und mit einer abwärts gerichteten harmonischen Unterbrechung bis zum Oktavton (auf den Silben „Wegen“). Nach einer melodischen Steigerung auf den höchsten Ton der gesamten Melodie führt diese dann wellenartig (leicht sequenzierend) zum Grundton zurück. Der Melodieumfang liegt bei einer Spanne von neun Tönen (None); die einzelnen Zeilen (die Zahl der Melodiezeilen entspricht hier nicht der Zahl der Textzeilen) bewegen sich in kleineren Tonumfängen (6844(44)). Es handelt sich um eine Moll-Melodie im Dreivierteltakt mit dem melancholischen Flair eines lateinamerikanischen Liedes. Die Übereinstimmung des Melodiebogens mit dem spanischen Text der Vorlage zeigt sich klar: Nach mehreren Wiederholungen des Friedensgedankens erreicht die Melodie ihren Höhepunkt auf dem Wort „Resucitado“, d.i. „der Auferstandene“. Es ist wichtig, dass auch in der deutschen Fassung die Melodie nicht ihr Tempo und ihren Groove verliert.
Als Ausgangslied ist es im EG eingeordnet, passend zum gottesdienstlichen Strukturteil „Sendung und Segen“. Es sollte aber nicht nur dort, sondern überall Verwendung finden, wo es um Abendmahl, Frieden, Meditation oder biographische Lebensstationen geht (Taufe, Schule, Konfirmation, Trauung, Einführung und Verabschiedung, Trauerfeier). Es eignet sich für den Unterricht und die Gruppenarbeit, ist generationenübergreifend und auch als Wechselgesang zwischen Chor/Vorsänger und Gemeinde eindrücklich zu gestalten.
Wie in einem Bilderbuch führen die Bildkarten Schritt für Schritt durch das Lied. Beim gemeinsamen Singen können Eltern und Kinder so Strophe für Strophe entdecken und das Lied gleichsam „singend durchblättern“. Die Zeichnung ist bewusst schlicht und kindgerecht gehalten. Ihre offene Gestaltung lädt dazu ein, eigene Assoziationen einzubringen, die Motive weiterzudenken und die Bilder vielleicht sogar selbst kreativ zu ergänzen oder eigene Bilder zu gestalten.
Die Vorlagen lassen sich ausdrucken und bunt gestalten: So entstehen kleine Leporellos oder sogar Lied-Memorys. Wer mit den Bildern und den entsprechenden Liedstrophen spielen möchte, kann auf mitsingen.de Lieder erraten oder seine Textsicherheit bei einem Bildermemory testen.
Viel Spaß beim Blättern!
Quelle: Ein Projekt der Arbeitsstelle Kirchenmusik in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens (EVLKS), Fachbeauftragte für Chor- und Singarbeit Martina Hergt www.kirchenmusik-sachsen.de
„Es ist eine zu Herzen gehende Bitte um den Frieden Gottes, die Anders Ruuth 1968 zu Papier bringt – Worte und Musik“, so der Autor dieser Choralandacht. Der Beitrag stellt das Lied „Bewahre uns, Gott“ mit seiner Entstehungsgeschichte vor und entfaltet es als Segenslied, das Schutz und Vertrauen im Alltag schenkt.
Quelle: www.kirche-im-wdr.de
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