Der klangschöne Kanon von Joachim Schwarz nimmt Bezug auf Gedanken aus Psalm 121. Eingängig und leicht, zum schnellen Auswendigsingen, eignet er sich für viele Singanlässe und fand wohl auch deshalb große Verbreitung.
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Der Kanon entstand 1962 auf der Reise zu einer Freizeit in Willingen/Upland, Nordhessen, mit dem biblischen Thema „Ausgang und Eingang“. Schwarz dachte dabei ebenso tagesaktuell an die neu errichtete Berliner Mauer, die sein nächstes Reiseziel war, wie auch an „Zeit und Ewigkeit“, die nicht in unseren menschlichen Händen liegen. Daraus entstand die Bitte „füll du uns die Hände“. Weil der Kanon sehr eingängig ist und sich gut zum auswendig singen eignet, fand er schnell starke Verbreitung. Er findet sich in vielen Liedheften, in evangelischen, katholischen und methodistischen Gesangbüchern. Er wurde in mindestens elf Sprachen übersetzt und ist international bekannt.
Die biblische Grundlage des Textes stammt aus Psalm 121,8: „Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!“ Der ganze Psalm 121 kann als alter israelitischer Reisesegen verstanden werden. Einen weiteren Bezug bietet Psalm 90,14: „Fülle uns früh mit deiner Gnade“.
Die Melodie führt vom Grundton ausgehend zumeist in Tonschritten zur oberen Oktave und zurück. Dabei bilden jeweils die ersten und die letzten Töne jedes zweitaktigen Abschnitts zusammen einen vollständigen C-Dur-Dreiklang. Der Rhythmus ist gleichförmig: Halbe, zwei Viertel, zwei Halbe für jeden Zweitakter. Für die zusätzliche sechste Silbe der letzten Zeile gibt es den einzigen punktierten Rhythmus. Mit dem Achtel auf die Silbe „du“ wird die Nähe zu Gott, der Herr ist, ganz selbstverständlich versinnbildlicht. Text wie Melodie strahlen großes Vertrauen in die Beziehung zwischen Gott und Mensch aus.
Als Segenslied steht es in der Regel am Ende von Gottesdiensten, Andachten und Veranstaltungen. Genauso gut kann es auch zur Eröffnung eines Zusammenseins dienen. „Füll du uns die Hände“ bietet einen Anknüpfungspunkt als Tischgebet. Es eignet sich zum Einsingen am Morgen oder am Abend, wenn es tiefer und dann immer höher angestimmt wird. Der Kanon kann durch Gesten der Hände organisch unterstützt werden.
Jugendkathedralchor St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin
Was hat dieses Motiv eines Labyrinths mit dem Kanon Ausgang und Eingang zu tun? Wie in einem Bilderbuch lädt die Grafik Eltern und Kinder zum Betrachten und gemeinsamen Singen ein. So kann dieser Kanon entdeckt werden. Die Zeichnung ist bewusst schlicht und kindgerecht gehalten. Ihre offene Gestaltung lädt dazu ein, eigene Assoziationen einzubringen, die Motive weiterzudenken und die Bilder vielleicht sogar selbst kreativ zu ergänzen oder eigene Bilder zu gestalten.
Viel Spaß beim Blättern im Bilderbuch!
Quelle: Ein Projekt der Arbeitsstelle Kirchenmusik in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens (EVLKS), Fachbeauftragte für Chor- und Singarbeit Martina Hergt www.kirchenmusik-sachsen.de
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