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An dunklen, kalten Tagen

Nr. 107 • Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
Nr. 34 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

Wenn in Frage und Zweifel, Klage und Sehnsucht oder in der Sorge um Gerechtigkeit und Frieden Hoffnung aufbricht, dann wird aus Dunkel Licht. Ein anspruchsvolles und tröstliches Lied mit dieser adventlichen Botschaft. Aber vor allem mit einer großen Portion Mut: Gott kommt! Er gibt dich nicht verloren!

Text:

Claus Clausen (*1958), 2008

Melodie:

Christoph Georgii (*1977), 2008

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Wissenswertes zu "An dunklen, kalten Tagen"

In der Adventszeit 2008 schrieb Pfarrer Claus Clausen einen neuen Liedtext auf die Melodie von „Der Mond ist aufgegangen“. Dieser war zunächst für den Gebrauch in Adventsfeiern und Andachten seiner Kirchengemeinde in Bad Kreuznach gedacht. Die neue Melodie wurde dann etwas später vom Kirchenmusiker Christoph Georgii, der in Bad Kreuznach mit Clausen zusammenarbeitete und auch andere Liedtexte von ihm vertonte, komponiert. Sie entstand allerdings erst in Karlsruhe, wohin Georgii im Jahr 2008 als landeskirchlicher Popularmusikbeauftragter gewechselt war. Das neue Lied wurde erstmals im Ergänzungsliederbuch „Wo wir dich loben wachsen neue Lieder“ (München 2018) aufgenommen.

Die Sorge um eine ungewisse Zukunft, die Sehnsucht nach einem Leben ohne Angst, Krieg und Gewalt, die Atemlosigkeit unserer Tage, die Hoffnung auf Gemeinschaft und Versöhnung bilden Ausgangspunkte der ersten drei Strophen. Dem Bedrückenden und Negativen wird das Befreiende und Positive entgegengesetzt: „Gott kommt“ heißt es in jeder Strophe und verankert somit das Lied in der (vor-)weihnachtlichen Jahreszeit. Gott schafft Veränderung, beendet die Not, bietet Halt und Rast, bringt Segen und wahren Frieden. In den letzten Strophen wird der adventlich-weihnachtliche Blick vollends deutlich. In Strophe 5 finden wir uns am Adventskranz wieder. In Dunkel und Kälte der Winterzeit (Strophe 6) wird uns das Kind gegeben, „für uns geboren“ (Jes 9,5). Mit und in ihm fängt die Zukunft an. Die Schlusszeile des Liedes zitiert den Liedanfang „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ (EG 372) und bekräftigt damit Gottes Handeln in der Welt und seinen Willen, die Menschen nicht verloren zu geben. Die ursprünglich vom Textdichter vorgesehene Melodie (Der Mond ist aufgegangen) gibt Versmaß und auch das Reimschema vor. Die neue Melodie von Georgii schmiegt sich eng und natürlich an diese vorgegebene Struktur an.

Die neue Melodie in E-Moll, die Georgii zu Clausens Text schuf, vermeidet lange den Grundton – sie bleibt in der Schwebe. Der Ambitus (Tonumfang) umfasst eine Dezime. Hervorgehoben sind die großen Septimsprünge in den Melodieteilen nach der Achtelpause, wobei der zweite Abschnitt das Sprungmotiv einen Ganzton tiefer imitiert. Die Melodie spiegelt in ihrer harmonischen Bewegtheit und Unruhe einerseits das Ungewisse wider, gibt aber gleichzeitig durch den ruhigen Fluss der Achtelnoten ein gleichmäßiges Voranschreiten vor. Dieses wird besonders durch die Viertelnote auf der (meist) vorletzten Silbe jeder Verszeile verlangsamt – vor allem in der letzten Zeile. Im ruhigen Fluss der überwiegend abwärts geführten Achtelnoten mit den wenigen Viertelnoten, die im Prinzip als Vorhaltsnoten gesetzt sind, entsteht ein wehmütiger und dennoch zuversichtlicher Tonfall.

Das Lied wurde für die Adventszeit geschrieben worden, passt jedoch ebenso in den weihnachtlichen und sogar in den voradventlichen Zeitraum. Themenräume sind unter anderem: Frage und Zweifel, Klage und Sehnsucht, Gerechtigkeit und Frieden, Gottes neue Welt. Die Strophenform mit sechs Zeilen zu jeweils 7.7.6.7.7.8. Silben ist im kirchlichen Liedgut weit verbreitet, sodass der Text auch auf bekannte Melodien gesungen werden kann – z. B. auf die Melodie zu „O Welt, ich muss dich lassen“ oder, wie ursprünglich vom Textautor angedacht, auf die Melodie zu „Der Mond ist aufgegangen“. In der neuen Klanggestalt mit Georgiis Melodie stellt das Lied gewisse Anforderungen an die singende Gemeinde – insbesondere, wenn es noch unbekannt ist. Diese Herausforderungen lassen sich jedoch mit guter Liedbegleitung, Singleitung oder einer Liedeinführung bewältigen.

Aufnahmen von "An dunklen, kalten Tagen"

An dunklen, kalten Tagen
mit Gesang und Klavierbegleitung

Musikteam der Evangelischen Kirche Angelbachtal