Ein Hirtenlied, ein Singspiel, ein Wechselgesang mit Echo oder vielleicht eine vertonte Weihnachtsgeschichte? Das Lied bietet viele Anknüpfungspunkte und hat zahlreiche Komponist:innen zu wunderbaren Chorsätzen angeregt.
Köln, 1621
Würzburg, 1622
Spannende Hintergründe zu den beteiligten Personen und ihren Lebenswegen entdecken.
Das Lied entstand um 1600. Der Urheber ist unbekannt. Es ist dem Umfeld des Jesuiten und geistlichen Dichters Friedrich Spee (1591–1635) zuzuordnen, dessen Autorenschaft ist aber nicht gesichert. Veröffentlicht wurde es in „Alte Catholische Geistliche Kyrchengesäng“ (10. erweiterte Aufl.) in Köln 1621 mit neun Strophen. Das Lied verbreitete sich im 17. Jahrhundert vor allem in Liedersammlungen des Jesuitenordens. Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgten Bearbeitungen für katholische Gesang- und Gebetbücher. Nach Kürzung von Strophen fand das Lied Eingang ins Gotteslob 2013. Bereits 1983 erschien es in dem von der „Arbeitsgemeinschaft für ökumenisches Liedgut“ herausgegebenen Kinderliederbuch „Leuchte, bunter Regenbogen“ und in weiteren zahlreichen Liederbüchern. Es fand 1994 in unterschiedlichen Fassungen Eingang in einige Regionalteile des Evangelischen Gesangbuchs.
Im Liedtext wird die Weihnachtsgeschichte (Lk 2,8-16) nacherzählt. Den Strophen folgt jeweils ein Kehrvers mit Echo-Effekt aus der Ich-Perspektive und die Aufforderung zum Lobpreis in lateinischer Sprache. Strophe 1 führt in die Situation des erzählenden Hirten ein. Strophen 2 und 3 geben in wörtlicher Rede die Botschaft des Engels wieder. Strophe 4 berichtet von der Begegnung mit dem Kind. Hier weichen beide Fassungen im EG inhaltlich (auch in Strophe 5) voneinander ab. Die eine Perspektive schildert die Wirkung der Begegnung: Schwer fällt es dem Ich, sich wieder zu trennen, den Schatz will er bewahren, das Herz bleibt voll Freude, was sich im Kehrvers schon durchgängig widerspiegelte. Die andere Perspektive zeigt, dass nun das Kind aktiv wird, indem es sich dem Ich zuwendet.
Die Melodie in Moll geht auf eine Kirchentonart zurück, aber auch strahlendes Dur durchringt den Melodiegang bei „froh, froh, froh“. Durch diese Wiederholungen, teilweise als Echo auskomponiert, entstehen unterschiedlich lange Einheiten, durchgängig im 2/2-Rhythmus. Innerhalb dieser zwei Einheiten bewegt sich die Melodie nur in kleinen Tonabständen (Sekundschritten) und verbleibt insgesamt im Tonumfang von nur fünf Tönen (einer Quint). Die erste Zeile (mit ihrem bogenartigen Verlauf von oben herab und wieder hinauf, die sich mit neuem Text wiederholt) verbreitet eine fröhliche und zuversichtliche Klangstimmung. Der erste Teil des Kehrverses drückt durch die ungerade Taktanzahl freudige Aufregung aus, beruhigt sich aber wieder und führt zweimal bis zum Spitzenton. Von dort aus, wiederum mit Wiederholung, führt die Melodie in der letzten Zeile zum Grundton. Durch die schlichte Eingängigkeit der Tonfolgen und aufgrund des geringen Tonumfangs (Ambitus) kann das Lied bereits von den Kleinsten gut mitgesungen werden. Der Echo-Effekt als Wechselgesang und die Wiederholungen unterstützen dieses zusätzlich.
Das Lied hat seinen Platz besonders am Heiligen Abend. Der ursprüngliche Gebrauch im Unterricht kann auch die heutige Verwendung inspirieren: Unterschiedliche Rollen (Singspiel) können vergeben werden durch die Strukturierung in Strophen mit Wiederholung sowie zweiteiligem Kehrvers.
Kinderchor der Marktkirche Hannover, Leitung: Lisa Laage-Smidt, Ulfert Smidt (Klavier)
aus dem Adventskalender der Lohmann Stiftung
In der Radioserie und im Podcast von SWR Kultur geben die Autorinnen und Autoren spannende Einblicke in die Entstehungsgeschichte bekannter Weihnachtslieder. Sie beleuchten, wie die Lieder entstanden sind, welche historischen und kulturellen Hintergründe sich mit ihnen verbinden und weshalb sie bis heute eine besondere Bedeutung im Weihnachtsbrauchtum haben.
Ein Beitrag aus der Reihe "SWR2-Weihnachtslieder"
Wie in einem Bilderbuch führen die Bildkarten Schritt für Schritt durch das Lied. Beim gemeinsamen Singen können Eltern und Kinder so Strophe für Strophe entdecken und das Lied gleichsam „singend durchblättern“. Die Zeichnung ist bewusst schlicht und kindgerecht gehalten. Ihre offene Gestaltung lädt dazu ein, eigene Assoziationen einzubringen, die Motive weiterzudenken und die Bilder vielleicht sogar selbst kreativ zu ergänzen oder eigene Bilder zu gestalten.
Die Vorlagen lassen sich ausdrucken und bunt gestalten: So entstehen kleine Leporellos oder sogar Lied-Memorys. Wer mit den Bildern und den entsprechenden Liedstrophen spielen möchte, kann auf mitsingen.de Lieder erraten oder seine Textsicherheit bei einem Bildermemory testen.
Viel Spaß beim Blättern!
Quelle: Ein Projekt der Arbeitsstelle Kirchenmusik in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens (EVLKS), Fachbeauftragte für Chor- und Singarbeit Martina Hergt www.kirchenmusik-sachsen.de
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