Als die Welt verloren | Gdy się Chrystus rodzi
Nr. 53 •
Evangelisches Gesangbuch
Nr. 59 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)
Wenn Lieder Grenzen überschreiten: Ein polnisches Volkslied wird von einem in Berlin lebenden Dolmetscher und Archivar ins Deutsche übertragen und bekommt noch eine weitere, neue Strophe hinzu. Es wird bekannt und beliebt, erhält einen festen Platz im Gesangbuch und kann so eine klingende Brücke von Polen in den deutschen Sprachraum bilden.
Text:
deutsche Textfassung Strophen 1-2 nach dem polnischen Weihnachtslied „Gdy się Chrystus rodzi“, vor 1843; Strophe 3 1988
Melodie:
Polen vor 1853
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Wissenswertes zu "Als die Welt verloren | Gdy się Chrystus rodzi"
Im Jahr 1954 erhielt Kucz vom Berliner Verleger Adolf Strube den Auftrag, für eine Veröffentlichung von Weihnachtsliedern aus Europa, das in Polen populäre Weihnachtslied „Gdy się Chrystus rodzi“ zu übertragen. Das nun deutschsprachige, nur noch zweistrophige „Als die Welt verloren“ fand mit einer hinzugefügten dritten Strophe, gedichtet 1987 im Zusammenhang mit der Erarbeitung des Vorentwurfs zum Evangelischen Gesangbuch, Aufnahme im Stammteil des EG (1993). Ein erster Druck des polnischen Liedes ist in Michał Mioduszewskis Weihnachtsliedersammlung „Pastorałki i kolędy z melodyjami“ (Krakau 1843) aufzufinden, der erste Druck der deutschen Übertragung in „Europäische Weihnachtslieder“ (Berlin/Darmstadt 1954) und die dritte Strophe erstmalig in „Evangelisches Gesangbuch. Vorentwurf“ (Hannover 1988).
Das polnische „Gdy się Chrystus rodzi“, nach Bekanntheit und Beliebtheit an der Spitze der Weihnachtslieder in Polen, besingt in sieben Strophen die Erzählung von den Engeln und den Hirten aus dem Weihnachtsevangelium (Lk 2,8-14). Am Ende einer jeden Strophe steht als Refrain der von den Engeln angestimmte, hier lateinische Ruf „Gloria in excelsis Deo“ (Lk 2,14), der auch Bestandteil der gottesdienstlichen (Standard-)Liturgie ist. Im Kern handelt es sich um ein weihnachtliches Lied der Engel, ein Lied über die von Engeln vorgetragene Christusbotschaft. Mit der Erweiterung durch die dritte, neue Strophe im EG wird es auch zu einem Hirtenlied. Weitere Übersetzungen des polnischen Textes lauten: „Christus kam zur Erde“ (Margret Birkenfeld, 1972) und „Als die Welt verloren… Und die Engel jubilieren, bei dem Kripplein musizieren“ (Heidi Kirmße, 2001).
Die Melodie gehört dem Typus der „geistlichen Volklieder“ an. Sie stammt wahrscheinlich vom Anfang des 19. Jahrhunderts und findet sich, wie der Text, erstmals und mit leichten rhythmischen Abweichungen in Mioduszewskis Liedersammlung „Pastorałki i kolędy z melodyjami“ (Krakau 1843). Bis heute ist sie in voneinander abweichenden Versionen verbreitet. Ähnlichkeiten zum salzburgischen Weihnachtslied „Still, still, still“ sind unüberhörbar. Die vorliegende Melodie übersteigt im Tonumfang die Oktave nicht; die einzelnen Zeilen bewegen sich im Quart- und Sextraum, nur die Schlusszeile durchmisst nochmal die ganze Oktave. Durch die vielen Wiederholungen (formal, melodisch, rhythmisch) ist die Melodie sehr eingängig.
Das Weihnachtslied ist generationenübergreifend zu verwenden, kann besonders auch als Wechselgesang in Gruppen aufgeteilt gesungen werden. Nicht nur für den Kehrvers ist eine chorische oder instrumentale Unterstützung passend und wirkungsvoll. Das Lied kann zweisprachig in den Gottesdiensten erklingen und damit eine singende, klingende Brücke von Polen in den deutschen Sprachraum bilden.
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