Abend ward, bald kommt die Nacht
Nr. 487 •
Evangelisches Gesangbuch
Nr. 9 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)
- freiTöne
Gott wacht über die Welt und ihre Menschen mit allen Sorgen, politischen Tagesthemen, Fragen und Problemen. Entstanden ist dieses Lied während der dunklen Zeit des Zweiten Weltkrieges. Es trägt bis heute in seiner Intensität und Ernsthaftigkeit dazu bei, dass Singende oder Hörende mit altvertrauten Worten zum Ausklang des Tages zur Ruhe kommen.
Text:
Melodie:
Satz:
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Wissenswertes zu "Abend ward, bald kommt die Nacht"
Der Text ist 1942 entstanden, die Melodie 1948. Die Erstveröffentlichung erfolgte in „Das junge Lied“ 1949. Unklar ist, ob die Melodie ursprünglich für das Lied von Jochen Klepper „Komm, der unsere Fragen schweigt“ entstanden ist. Für beide Texte wird diese Melodie verwendet. Das Lied wurde ein- und mehrstimmig in viele Liederhefte und Gesangbücher aufgenommen. Manchmal ist nach der Strophe 3 eine Strophe aus Kleppers Emmaus-Lied eingefügt: „Bleib und mach die Herzen still / der die Herzen schaut: / weiß kein Herz doch, was es will, / eh` sich´s dir vertraut.“
Den Liedtext prägen viele biblische Textbezüge. In Str. 1-2 ist hier der Psalm 121,4: „Der Hüter Israels schläft und schlummert nicht“ aufzuführen, die Reihenfolge von Abend und Morgen findet sich schon in der Schöpfungsgeschichte 1. Mose 1,5: „Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag“. Hier findet sich das von Luther verwendete Verb „ward“ wörtlich. Dass Gott über die Menschen wacht, wird bei Jeremia 31,28 beschrieben. Jakob bekennt: „Gott hat mein Elend und meine Mühe angesehen“ (1. Mose 31, 42). Die christologische Wendung folgt in der 3. Strophe. Sie erinnert an das Jesus-Wort: „Bittet, so wird euch gegeben“ (Matthäus 7,7). Die Schluss-Strophe führt zurück zu Psalm 121,8. „Dass auf gute Nacht, guter Morgen kommt“, ist nicht nur Tag für Tag, sondern auch mit Blick auf das Lebensende und die Ewigkeit zu verstehen.
Die Dichtung gliedert sich in vier Zeilen. Sie sind mit sieben, fünf, sieben, fünf Silben versehen und kreuzweise gereimt. Die Melodie bietet für jede Silbe einen Ton. Die vierte unbetonte Silbe am Ende des ersten Taktes bekommt ausnahmsweise zwei Achtel-Töne mit einem Sprung nach unten. Dieser Quartsprung ermöglicht die Reihung zweier Tonleiterausschnitte, die mit drei Tönen jeweils aufwärts, vom Grundton ausgehend, zurück zum Grundton führen. Dadurch entsteht eine in sich ruhende, positive Ausstrahlung der Dur-Melodie. Der höchste Ton wird in der dritten Zeile erreicht und durch eine Punktierung unterstrichen. Die unterschiedlichen Zeilenlängen werden durch halbe und ganze Noten am Zeilenende ausgeglichen, sodass eine volksliedhafte Melodie mit acht Takten entsteht.
Das Abendlied kann in Abendgottesdiensten und Abendandachten gesungen werden. Mit der Nähe zu den Psalmen 4 und 91 eignet es sich für das Nachtgebet/die Komplet. Gern gesungen wird es zum Ende von Gemeindeabenden, Gemeindekreisen oder Chorproben. Mit seinem Inhalt, dem Vertrauen auf und die Bitte um göttlichen Schutz, weist es aber auch weit über den wörtlichen Abend hinaus.
Aufnahmen von "Abend ward, bald kommt die Nacht"
Abend ward, bald kommt die Nacht
mit Gesang und Instrumentalbegleitung
Das Liederschatz-Projekt, Margarete Kosse
aus: Morgen & Abend - Liederschätze neu entdeckt ℗ 2017 SCM Hänssler
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Abendsegen
Was ich an den alten Abendliedern so mag?
Sie tragen dieses selbstverständliche Vertrauen in sich, dass wir auch in der Nacht nicht allein sind. Das schenkt Geborgenheit und inneren Frieden. Als Kind habe ich das gespürt: Ich fühlte mich sicher, wenn ich unter meiner wärmenden Zudecke lag – in meinen Kinderzeiten gab es noch Ofenheizung! Am schönsten war es, wenn meine Eltern noch wach waren, Stimmen leise durch die Tür drangen oder ein schmaler Streifen Flurlicht in mein Zimmer fiel. Es war wie ein stilles Zeichen: Da ist jemand. Ich bin nicht allein. Die Wache, von der in diesen Liedern gesungen wird, hält kein anderer als Gott selbst. Darum ist es so schön und so wichtig, Kindern ein Gutenachtlied zu singen. Es schenkt mehr als Ruhe – es schenkt Vertrauen. Ein Lied, das von Gottes Nähe erzählt, legt sich wie ein Segen über die Nacht. Es sagt: Du bist behütet. Gott wacht über dich.
So segne uns der Gott dieser Nacht,
der unsere Dunkelheit mit seinem Licht durchdringt.
Amen.
Martina Hergt
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