

Der Blick in den sternenübersäten Nachthimmel bildet den Ausgangspunkt des Liedes. Es gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Kinder- und Abendliedern im deutschsprachigen Raum. In einfachen, einprägsamen Bildern führt es von der Weite des Himmels bis zum einzelnen Menschen und bringt dabei die tröstliche Gewissheit zum Ausdruck, dass Gott jedes Geschöpf kennt und liebt.
Volkslied um 1809

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Der Text des Liedes „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“ wurde 1837 erstmals von Wilhelm Hey veröffentlicht. Er erschien im „ernsthaften Anhang“ des zweiten Bandes seiner Fabeln für Kinder („Noch fünfzig Fabeln für Kinder“), der im Verlag von Friedrich Perthes in Gotha herausgegeben wurde. Es fand schnell Verbreitung und ist bis heute als Kinder-, Abend- oder Gute-Nacht-Lied sehr populär.
- Liedrecherche von Cordula Scobel und Martina Hergt -
Das Lied greift das Motiv des sternenbehangenen Himmelszelts auf, das seit Paul Gerhardts „Nun ruhen alle Wälder“ und Matthias Claudius’ „Der Mond ist aufgegangen“ ein gängiges Bild in Volks- und Abendliedern geworden ist. Es wurde jedoch erst im Laufe seiner Rezeptionsgeschichte zu einem Abendlied. Das ursprüngliche Wort „Sterne“ im Liedtitel wurde später zu „Sternlein“ verändert.
Das Lied ist inhaltlich als Rätsellied gestaltet: Jede Strophe beginnt mit einer Frage, die im zweiten Teil (Abgesang) mit Blick auf den fürsorglichen Schöpfergott beantwortet wird. Es weist zahlreiche biblische Bezüge auf, etwa zu Jesaja 40,26 und Genesis 15,5. Das Zählen der Schöpfung ist Gott vorbehalten, der alle Geschöpfe im Blick hat, auch die kleinsten wie Mücken und Fische (2. Strophe). Der Mensch kann sie nicht zählen, doch Gott kennt alle seine Geschöpfe mit Namen (Psalm 147,4; Jesaja 43,1). Die dritte Strophe richtet den Blick auf die Kinder; in der direkten Anrede „kennt auch dich und hat dich lieb“ kommt die tröstliche Botschaft von Gottes Fürsorge für jeden Einzelnen zum Ausdruck. Die Wiederholung der letzten Zeile jeder Strophe unterstreicht Gottes Schöpfermacht. Die Strophen folgen dabei einer Bewegung analog zur biblischen Schöpfungserzählung: vom Himmel über die Tiere in Luft und Wasser bis hin zum Menschenkind, für das Gottes Schöpfermacht ebenso sorgt. Textliche Ähnlichkeiten bestehen zu den Liedern „Kein Tierlein ist auf Erden“ und „Himmels Au, licht und blau“. Die Reime sind einfach und regelmäßig gestaltet (überwiegend Paarreime), was zur eingängigen, leicht memorierbaren Struktur des Liedes beiträgt.
Die Melodie ist dem Liebeslied „So viel Stern am Himmel stehen“ entlehnt. Außerdem wurde sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts für das Soldatenlied „O du Deutschland, ich muss marschieren“ verwendet; zudem bestehen Ähnlichkeiten mit dem Volkslied „Der Mai ist gekommen“. Charakteristisch sind Terzbewegungen, fallende Sekundschritte sowie Tonwiederholungen. Die meisten Zwischenzeilen enden auf der Terz – also nicht auf dem Grundton –, was eine gewisse tonale Offenheit und die leuchtende Strahlkraft der Dur-Tonalität verstärkt. Häufige rhythmische Wiederholungen und der geringe Ambitus von einer Sexte machen das Lied zu einem auch für Kinder leicht singbaren Lied.
Das Lied kann als Schöpfungs-, Kinder-, Tauf- und Abendlied gesungen werden. Die weiteste Verbreitung hat es jedoch als Schlaflied für Kinder. Durch den Bezug zu Jesaja 43,1 („Fürchte dich nicht […], ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein“) wird es auch häufig bei Taufen gesungen. Mit dem 2003 von Peter Spangenberg verfassten Tauftext „Kind, wir beten für dein Leben“ steht zudem ein weiterer Liedtext zur bekannten Melodie von „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“ zur Verfügung.
Emilia (Gesang) und das Ensemble des Projektes "Kinder singen GottesLieder" der EKHN-Stiftung
Weißt du, wie viel Sternlein stehen | Evangelisches Gesangbuch Nr. 511, Strophe 1

Wie in einem Bilderbuch führen die Bildkarten Schritt für Schritt durch das Lied. Beim gemeinsamen Singen können Eltern und Kinder so Strophe für Strophe entdecken und das Lied gleichsam „singend durchblättern“. Die Zeichnung ist bewusst schlicht und kindgerecht gehalten. Ihre offene Gestaltung lädt dazu ein, eigene Assoziationen einzubringen, die Motive weiterzudenken und die Bilder vielleicht sogar selbst kreativ zu ergänzen oder eigene Bilder zu gestalten.
Die Vorlagen lassen sich ausdrucken und bunt gestalten: So entstehen kleine Leporellos oder sogar Lied-Memorys. Wer mit den Bildern und den entsprechenden Liedstrophen spielen möchte, kann auf mitsingen.de Lieder erraten oder seine Textsicherheit bei einem Bildermemory testen.
Viel Spaß beim Blättern!








Quelle: Ein Projekt der Arbeitsstelle Kirchenmusik in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens (EVLKS), Fachbeauftragte für Chor- und Singarbeit Martina Hergt www.kirchenmusik-sachsen.de
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