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Vom Himmel hoch, da komm ich her

Nr. 24 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 54 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • Gotteslob /
  • Kinderkirchenlieder "Immer und überall" (ELKB)

Martin Luther gestaltete mit diesem – bis heute sehr beliebten und gern gesungenen Lied – die Weihnachtsbotschaft als „gesungene Predigt“ für Haus und Gemeinde, ganz im Verständnis der reformatorischen Weitergabe des Evangeliums. In leicht verständlicher Sprache entfaltet es die biblische Weihnachtsgeschichte als Erzähllied, das wie ein Krippenspiel Station für Station durch das Geschehen führt. Mit seiner schlichten und lebendigen musikalischen Gestaltung lädt es bis heute Klein und Groß zum Mitsingen und Mitvollziehen ein.

Text:

Martin Luther (*1483–†1546), 1535

Melodie:

Martin Luther (*1483–†1546), 1539

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Wissenswertes zu "Vom Himmel hoch, da komm ich her"

Luther veröffentlichte das Lied erstmals im Wittenberger Gesangbuch 1535. Es trug die Überschrift: „Ein kinder lied auff die Weinacht Christi“. Vermutlich verfasste Luther es für die häusliche Weihnachtsfeier 1534, bei der seine Kinder und Pflegekinder es in der Art eines Krippenspiels mit verteilten Rollen aufführten. Als Vorlage gilt ein Kranzlied aus dem 14. Jahrhundert mit ähnlichem Textanfang, dessen Melodie zunächst übernommen wurde. 1539 schuf Luther die heute gebräuchliche Melodie, die später vielfach bearbeitet wurde.

 

Nach reformatorischem Verständnis kommt dem Lied eine zentrale Bedeutung für die religiöse Unterweisung zu. Martin Luther verstand geistliche Lieder als „gesungene Theologie“, durch die der Glaube nicht nur gelehrt, sondern auch eingeprägt und verinnerlicht wird. Gerade dieses Lied dient der kindgerechten Vermittlung der Weihnachtsbotschaft, indem es zentrale Inhalte des Glaubens in einfacher Sprache und einprägsamer Form erschließt.

 

Das Lied erfreut sich bis heute großer und weiter Verbreitung. Es ist im Evangelischen Kirchengesangbuch (EKG), im Evangelischen Gesangbuch (EG 1993) sowie im katholischen Gesangbuch „Gotteslob“ (2013, dort in sieben Strophen) enthalten. Auch im Gesangbuch „Colours of Grace“ ist es in fünf verschiedenen europäischen Sprachen vertreten.

 

 

- Liedrecherche von Markus Leidenberger  -  

Das Erzähllied folgt der Weihnachtsgeschichte (Lk 2,9–16). Es gestaltet einzelne Stationen wie in einem Krippenspiel: die Verkündigung der Geburt (Strophen 1–5), den Aufbruch der Hirten (Strophe 6, mit der Wendung vom bisherigen „euch“ zum „uns“) sowie die betrachtende Anbetung (Strophen 7–14). Die abschließende Lobstrophe deutet an, dass mit der Weihnachtszeit ein neues Jahr, mit Christus eine neue Zeitrechnung begonnen hat. Bei aller Volkstümlichkeit besitzt der Text eine über die Weihnachtsgeschichte hinausweisende Tiefe. Die Strophen 2 bis 4 lassen sich als Weg von Weihnachten über Karfreitag hin zu Ostern lesen. Die Strophen 5 sowie 8–12 entfalten die paradoxe Weisheit Gottes (vgl. Bibel, 1 Kor 1,18–25). Erniedrigung, Anbetung und Erhöhung erinnern an den Christushymnus (vgl. Bibel, Phil 2,5–11).

 

Die einfache Textform und die anschaulichen Bilder eröffnen besonders Kindern einen unmittelbaren Zugang zum Inhalt des Liedes.

Entsprechend der Textaussage „Vom Himmel hoch“ beginnt die Melodie auf dem oberen Grundton; auch die 1. Zeile endet auf ihm. Die Zeilen 2 und 4 setzen ebenfalls oben an und führen abwärts, während die 3. Zeile von unten kommt, den oberen Ton jedoch ebenfalls berührt. Die hymnische Dichtung umfasst viermal acht Silben, wobei jeder Silbe ein Ton zugeordnet ist. Die Achtelauftakte verleihen der Melodie Bewegung und schaffen zugleich Atemraum. Der einzige Achteldurchgang auf der drittletzten Silbe unterstreicht die Vollständigkeit der Aussage: In der absteigenden Linie werden alle Töne der Durtonleiter lückenlos durchschritten.

 

Die Melodie ist von festlicher Höhe und Freude geprägt, lädt zu Spiel und Bewegung ein und eröffnet zugleich Raum für Anbetung, Innehalten und das Nachsinnen über das Wunder der Begegnung mit Gott.

Die Perikopenordnung der evangelischen Kirche für die Fest- und Feiertage im Kirchenjahr weist das Lied der Christvesper zu; in der Praxis werden jedoch meist nur ausgewählte Strophen gesungen. Das „Gotteslob“ (2013) bietet die Strophen 1–6 und 15 und lässt damit die betrachtenden Strophen aus, die den Deutungswechsel der Dinge entfalten. Wer diesen inhaltlichen Aspekt berücksichtigen möchte, sollte seine Strophenauswahl entsprechend erweitern.

 

Soll das Lied vollständig gesungen werden, empfiehlt sich eine Aufführung mit verteilten Rollen, etwa durch Chor/Kinderchor, Einzelstimmen und Gemeinde, durch wechselnde Gemeindegruppen oder im Wechsel von Frauen und Männern; auch eingestreute Instrumentalstrophen können als meditative Phasen dienen. Weihnachtliche Singgottesdienste bieten dafür meist bessere Möglichkeiten als die Christvesper.

Aufnahmen von "Vom Himmel hoch, da komm ich her"

Vom Himmel hoch, da komm ich her
mit Vokalensemble

Vocal Concert Dresden, Leitung: Peter Kopp

aus: CD "Lob, Ehr und Preis sei Gott" ℗ Edel Germany GmbH

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Hintergrundwissen

Radioserie und Podcast zum Lied

Der Legende nach soll Martin Luther das Lied im Jahr 1534 für die Weihnachtsfeier seiner eigenen Kinder geschrieben haben. Daher stammt auch der ursprüngliche Titel "Kinderlied auf die Weihnacht Christi".

 

In der Radioserie und im Podcast von SWR Kultur geben die Autorinnen und Autoren spannende Einblicke in die Entstehungsgeschichte bekannter Weihnachtslieder. Sie beleuchten, wie die Lieder entstanden sind, welche historischen und kulturellen Hintergründe sich mit ihnen verbinden und weshalb sie bis heute eine besondere Bedeutung im Weihnachtsbrauchtum haben.

 

Ein Beitrag aus der Reihe "SWR2-Weihnachtslieder"