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Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren

Nr. 316 und 317 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 177 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • freiTöne /
  • Gotteslob /
  • Kinderkirchenlieder "Immer und überall" (ELKB)

Dieses Lied zählt zu den bekanntesten „Lobpreis“-Gesängen des 17. Jahrhunderts. Mit seiner ansteckenden Fröhlichkeit und seinem tanzenden Rhythmus begeistert es bis heute; es wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und trat einen bemerkenswerten Siegeszug durch unterschiedliche Konfessionen und Länder an.

Text:

Joachim Neander (*1650–†1680), 1680

Melodie:

17. Jh.; geistlich Stralsund 1665, Halle 1741

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Wissenswertes zu "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren"

Die wohl auf ein weltliches Lied zurückgehende Melodie erscheint erstmals in einem Stralsunder Gesangbuch zum Text Hast du denn, Liebster, dein Angesicht gänzlich verborgen, den auch Neander in seiner Publikation von 1680 als Melodiequelle benennt. Die Melodiefassungen bei Neander selbst (z. B. mit Wiederholung der letzten Liedzeile) und in verschiedenen anderen Quellen unterscheiden sich zum Teil deutlich. Durchgesetzt hat sich eine Version, die im Wesentlichen mit der in der Gesamtausgabe des Freylinghausenschen Gesangbuchs von 1741 identisch ist.

 

Erschienen ist das Lied in Neanders einziger Liedpublikation aus seinem Sterbejahr 1680, den (58) Einfältigen Bundesliedern und Dankpsalmen. Von dort aus trat es einen bemerkenswerten Siegeszug durch unterschiedliche Konfessionen und Länder an und wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt (vgl. die abgedruckten fünf fremdsprachigen Versionen der ersten Strophe).

Zunächst blieb ihm jedoch in vielen – insbesondere nicht-pietistischen – Gesangbüchern der Zugang verwehrt. Im lutherischen Raum war der Autor als reformierter Pietist gleich doppelt geächtet; so fehlt das Lied sowohl im Weimarer Gesangbuch von 1713 als auch im Dreßdnischen Gesangbuch von 1725. Johann Sebastian Bachs Choralkantate dazu (August 1725) dürfte sich der Bekanntschaft mit einer Neander-Edition (1691, 1708 oder 1712) verdanken, möglicherweise vermittelt durch den später in Weimar tätigen Hofmusiker Strattner.

 

Heute zählt das Lied zu den bekanntesten „Lobpreis“-Gesängen des 17. Jahrhunderts. Zeitweise wurde es darüber hinaus auch als zivilreligiöser Lobhymnus bei nationalen Festakten verwendet – ähnlich wie Nun danket alle Gott.

Die reformierte Praxis des Psalmliedgesangs wird hier insofern modifiziert, als ein Psalmvers (Ps 103,1) zum Motto eines frei gedichteten Liedes wird: Jede Strophe beginnt mit den Anfangsworten des Psalmverses (ebenso Ps 103,2): „Lobe den Herren“. Die Aufforderung aus Vers 2 zur „Anamnese“ dessen, was Gott „dir Gutes getan hat“, wird in den Strophen 2 bis 4 aufgenommen – ganz im Psalmton eines vergewissernden Zuspruchs. Dabei werden zahlreiche weitere Sprachwendungen aus den Psalmen aufgegriffen. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf der fürsorglichen Begleitung (providentia) des allmächtig regierenden Gottes (gubernatio) im individuellen Leben. Die Erlösung von Schuld tritt weniger ausdrücklich hervor, ist jedoch in der Anrede des gnädigen Gottes in Strophe 3 sowie im Leitwort der Liebe in Strophe 4 enthalten. Strophe 5 greift schließlich den Lobaufruf der ersten Strophe wieder auf und stellt ihn erneut in den größeren Zusammenhang des allgemeinen Gotteslobs.

Der Dreiertakt passt gut zum sprachlichen Rhythmus des Textes, der im sogenannten Daktylus geschrieben ist – also mit einem betonten und zwei unbetonten Silben. Diese lebendige Bewegung war damals nicht unumstritten, weil man für Kirchenlieder eher einen ruhigeren oder ernsteren Stil erwartete. Schon Martin Luther hat jedoch in seiner Übersetzung von Psalm 103 eine ähnliche Sprachbewegung verwendet.

 

Neanders ursprüngliche Melodie wirkt eher wie eine kunstvolle Solo-Arie. Die heute gebräuchliche Gesangbuchfassung ist dagegen bewusst einfacher gestaltet: Viele Viertelnoten, nur wenige punktierte Rhythmen, klare Pausen am Zeilenende und überwiegend kleine Tonschritte machen das Lied gut singbar für die Gemeinde. Auch die kurze, etwas hervorgehobene Zeile zu Beginn des Abgesangs ist kein Hindernis – im Gegenteil: Sie setzt einen kleinen musikalischen Akzent und lässt sich auch von ungeübten Sängerinnen und Sängern gut bewältigen.

Das Lied „unkaputtbar“ ist als Klassiker namentlich bei Kasualien (Taufe, Trauung) und sogenannten volkskirchlichen Gottesdiensten (z. B. Konfirmation) präsent und sollte dort auch kontinuierlich gepflegt werden, damit es als gemeinsamer Sprachschatz nicht verloren geht. Aber auch im sonntäglichen Alltag ist eine solche Anamnese des Wohltuns Gottes immer wieder angezeigt. Das Lied sollte daher nicht nur als Festtags-Hit ins Programm kommen.

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Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren | Evangelisches Gesangbuch Nr. 316, Strophe 1 (ö-Fassung)