Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren
Nr. 316 und 317 •
Evangelisches Gesangbuch
Nr. 177 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)
- freiTöne /
- Gotteslob /
- Kinderkirchenlieder "Immer und überall" (ELKB)
Musikalische Darbietung
Echo der Schlusszeile – rasches Tempo – großflächige Harmonisierung
Gemäß der Dreistrophenregel für „Hits“ werden bei Kasualien meist nur die Strophen 1, 3 und 4 gesungen. Und obwohl der dreiteilige Daktylus das musikalische Signet des Liedes bildet, wird es häufig zu choralartig und zu langsam ausgeführt. Ein etwas rascheres Tempo, verbunden mit einer möglichst elementaren, großflächigen Harmonisierung (z. B. nur F/C/B, mit Orgelpunkten) sowie rhythmischen Impulsen aus dem Pedal, könnte hier Abhilfe schaffen – und vielleicht sogar das Singen von vier oder allen fünf Strophen ermöglichen. Ein Halbton-Lifting zu Strophe 5 könnte dem Ganzen zusätzlich die Krone aufsetzen.
Ein besonderer „Gag“ bei Neander ist die Wiederholung der Schlusszeile, wie man sie auch aus volksliedhaften Gesängen kennt – allerdings als Echo im Piano. Dieses Echo hat seinen ursprünglichen Sitz im Leben wohl im Widerhall der Gesänge bei den Outdoor-Versammlungen im „Gesteins“ bei Düsseldorf (dem später so genannten Neandertal). Es lässt sich als Symbol für die Antwort Gottes auf den Gesang der Menschen deuten – oder als innerer Widerhall in der Seele. Im Gottesdienst könnte man das Echo als Überraschungseffekt gestalten, etwa mit wenigen oder sogar nur einer Stimme, räumlich abgesetzt platziert.
Idee:
Liedtext und Bibelwort
anregende Bezüge
Als Liedüberschrift schreibt Neander explizit „Psalm 103,1“ und präsentiert den Psalmvers im Wortlaut mit großen Lettern. Auf der dritten Seite steht über der Melodie der Psalmvers nochmal und zwar im hebräischen Original! Deutlicher kann das „Sola scriptura“-Prinzip nicht markiert werden. Im Wortlaut der Strophen lässt sich jedes Motiv biblisch verifizieren, nichts ist vom Dichter „erfunden“:
Strophe 1
König der Ehren – Ps 24,7-10
Kommet zuhauf – Ps 95,1
Psalter und Harfe, wacht auf – Ps 57,9
Strophe 2
herrlich regieret – z.B. Ps 8,2
auf Adelers Fittichen – 5. Mose 32,11
wie es dir selber gefällt – Ps 37,4
dieses verspüret – 1. Mose 30,27
Strophe 3
dich bereitet – Ps 119,73/ 139,13ff
Gesundheit verliehen – Jesus Sirach 34,17
in wieviel Not – Ps 116,3
Flügel gebreitet – Ps 17,8/ 57,2/ 5. Mose 32,11
Strophe 4
sichtbar … gesegnet – 5. Mose 28,10
Ströme (der Liebe) – Ps 36,9
Schlüsselwort Liebe – 1. Joh 3,1
Strophe 5
lobe den Namen – Ps 103,1
er ist dein Licht – Ps 27,1
vergiss es ja nicht – Ps 103,2
Idee:
verschiedene Textfassungen
Interessierst du dich für das Lied „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“? Dann lohnt sich ein genauerer Blick: Es gehört zu den verbreitetsten geistlichen Liedern überhaupt und wurde in den unterschiedlichsten Varianten in über einhundert deutschsprachige Liederbücher aufgenommen. Der spannende Wikipedia-Artikel zum Lied bietet unter anderem eine Gegenüberstellung der ö-Fassung, eine Transkription der Originalfassung sowie den Scan einer frühen Veröffentlichung von 1686.
Lass dich zum Entdecken, Vergleichen und Weiterdenken einladen!
Idee:
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Problemanzeige
Da die hier aufgenommene ö-Fassung an einigen Stellen deutlich von Neanders Original abweicht und das Lied in seiner ursprünglichen Gestalt vielfach auswendig gesungen wird, hatte das bisherige EG beide Fassungen abgedruckt (EG 316/317). Besonders kritisch wird die Textänderung in Strophe 5 gesehen. Die zweite Zeile beginnt im Original mit einem Zitat aus Ps 150,6: „Alles, was Odem hat“, und fährt fort mit „lobe mit Abrahams Samen“ (vgl. Jes 41,8). Dieser Bezug auf den abschließenden Lobpreis des Psalters geht in der ö-Fassung verloren. Zugleich wird durch das Weglassen des Namens Abraham die Verbindung zum Volk Israel vermieden – eine Praxis, die bereits in Gesangbüchern der NS-Zeit zu finden war.
Die ursprüngliche Schlusszeile lautete: „Lobende, schließe mit Amen.“ Damit wird der biblische Ruf „und alles Volk soll sagen: Amen“ (5. Mose 27) aufgenommen – hier jedoch bewusst umgedeutet: Nicht mehr der Fluch, sondern das Lob Gottes endet mit dem Amen, so wie auch die Bibel (Offb 22,20) schließt. Neander stellte seinem Lied die Überschrift „Der Lobende“ voran. Dazu passt die „Lobende“ (die Seele) als handelndes Subjekt der letzten Zeile. Diese Sprachform nutzt Neander häufig, um die Gegenwart des Glaubenslebens auszudrücken.
Auch in Strophe 1 weicht die ö-Fassung früh vom Original ab. Ursprünglich hieß es: „meine geliebete Seele, das ist mein Begehren“. Der Schwerpunkt liegt also auf der inneren Motivation zum Gotteslob. Die Formulierung „Vereint mit den himmlischen Chören“ bringt dagegen ein Motiv ein, das bei Neander wohl bewusst fehlt. Schließlich lautete die Schlusszeile der ersten Strophe bei Neander: „Lasset die Musicam hören!“ Nach der Nennung von Psalter und Harfe ist damit ganz allgemein gemeint: Musik soll erklingen. Die lobende Seele holt sich zur Unterstützung alle Musik der Welt!
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Notenansicht
Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren | Evangelisches Gesangbuch Nr. 316, Strophe 1 (ö-Fassung)

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