Lied vermitteln

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren

Nr. 316 und 317 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 177 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • freiTöne /
  • Gotteslob /
  • Kinderkirchenlieder "Immer und überall" (ELKB)
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Idee 6/6

Musikalische Darbietung

Echo der Schlusszeile – rasches Tempo – großflächige Harmonisierung

Gemäß der Dreistrophenregel für „Hits“ werden bei Kasualien meist nur die Strophen 1, 3 und 4 gesungen. Und obwohl der dreiteilige Daktylus das musikalische Signet des Liedes bildet, wird es häufig zu choralartig und zu langsam ausgeführt. Ein etwas rascheres Tempo, verbunden mit einer möglichst elementaren, großflächigen Harmonisierung (z. B. nur F/C/B, mit Orgelpunkten) sowie rhythmischen Impulsen aus dem Pedal, könnte hier Abhilfe schaffen – und vielleicht sogar das Singen von vier oder allen fünf Strophen ermöglichen. Ein Halbton-Lifting zu Strophe 5 könnte dem Ganzen zusätzlich die Krone aufsetzen.

 

Ein besonderer „Gag“ bei Neander ist die Wiederholung der Schlusszeile, wie man sie auch aus volksliedhaften Gesängen kennt – allerdings als Echo im Piano. Dieses Echo hat seinen ursprünglichen Sitz im Leben wohl im Widerhall der Gesänge bei den Outdoor-Versammlungen im „Gesteins“ bei Düsseldorf (dem später so genannten Neandertal). Es lässt sich als Symbol für die Antwort Gottes auf den Gesang der Menschen deuten – oder als innerer Widerhall in der Seele. Im Gottesdienst könnte man das Echo als Überraschungseffekt gestalten, etwa mit wenigen oder sogar nur einer Stimme, räumlich abgesetzt platziert.

Idee: Konrad Klek

Idee 5/6

Von der kommunikativen Kraft des Wechselgesangs

Es darf auch fröhlich werden ...

Das bekannte Lied enthält zahlreiche Aufforderungen wie „Lobe“, „lob ihn“, „singe“ oder „denke daran“. Warum sollten wir diese Anweisungen nicht einmal wörtlich nehmen und konsequent in einen gemeinsamen Singablauf integrieren? Wie wäre es, wenn beim Singen ein Dialog zwischen zwei Gruppen entsteht, die sich die frohmachende Botschaft gegenseitig zusingen? Anstatt das Lied nur gemeinsam vorzutragen, treten die beiden Gruppen miteinander in Beziehung. Sie richten die Aufforderungen und Aussagen des Liedtextes bewusst an die jeweils andere Gruppe und verkünden sich gegenseitig (gern auch mit Händen und Füßen) die gute Nachricht. So entsteht ein lebendiger musikalischer Dialog, der den Inhalt des Liedes erfahrbar macht und die Aufmerksamkeit für Text und Ausdruck vertieft. Durch Blickkontakt, eine klare Ansprache und ein bewusstes Singen wird die Botschaft nicht nur hörbar, sondern auch persönlich vermittelt.

 

 Schritt 1: Es werden zwei Singgruppen gebildet. Am besten stehen sie sich gegenüber. Gruppe 1 singt die fett markierten Stellen, Gruppe 2 die kursiv markierten Zeilen. Da die Abschnitte im EG durch Trennstriche gegliedert sind, lässt sich dieses Prinzip leicht auf alle Strophen übertragen. Die letzte Zeile wird gemeinsam wiederholt. Dabei werden die Notenwerte der beiden letzten Silben doppelt so lang gesungen.

 

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren,
lob ihn, o Seele, vereint mit den himmlischen Chören.
Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf,
lasset den Lobgesang hören.
(Alle) Lasset den Lobgesang h ö - r e n.

 

Schritt 2: Nochmaliges Singen von Strophe 1. Die Singenden werden nun aufgefordert, die andere Gruppe aktiv anzusingen und ihr die Textbotschaft wie eine freudige Nachricht zu verkünden. Dabei nehmen wir den Text sehr ernst. Deshalb sollten diese Zeilen auswendig gesungen werden, damit Blickkontakt zu der Person hergestellt werden kann, die angesungen wird. So wird die Botschaft unmittelbar und persönlich vermittelt.

 

Schritt 3: Für die zweite Strophe werden die Gruppen neu gebildet. Frauen und Männer singen sich die Botschaft gegenseitig zu. Wie bereits in der ersten Strophe richten die beiden Gruppen ihre Textzeilen bewusst aneinander und verkünden sich die frohmachende Botschaft im Wechselgesang.

 

Schritt 4: In der dritten Strophe dürfen sich die Singenden selbst einer Gruppe zuordnen. Dabei darf es gerne heiter und fröhlich zugehen. Die Singleitung könnte beispielsweise einladen: „Ich bitte alle Frühaufsteher, die fett markierten Zeilen zu singen, und alle Langschläfer übernehmen die kursiv gesetzten Zeilen.“ Natürlich sind auch andere Gruppierungen möglich. Das Spannende dabei ist, dass niemand im Voraus weiß, wer sich welcher Gruppe anschließt. Die Singenden erfahren etwas übereinander und hören aufmerksam hin, wer wann singt. So entsteht nicht nur ein musikalischer Dialog, sondern auch ein lebendiges Gemeinschaftserlebnis.

 

Schritt 5: Wie in der Pfingstgeschichte werden die Singenden eingeladen, eine der im EG abgedruckten Sprachen auszuprobieren. Wer keine der dort aufgeführten Sprachen beherrscht, kann im eigenen Dialekt oder auf eine ganz persönliche Weise singen. Alle beginnen gleichzeitig. Dabei entsteht ein vielstimmiges Klangbild, das an die Vielfalt der Sprachen in der Pfingsterzählung erinnert. Die Singenden werden eingeladen, dieses Stimmengewirr bewusst wahrzunehmen und auf sich wirken zu lassen. So wird hörbar, wie Menschen mit unterschiedlichen Sprachen und Ausdrucksweisen dennoch Teil einer gemeinsamen Botschaft und eines gemeinsamen Gesangs sein können.

 

Weitere Varianten:

  • Die einzelnen Strophen werden durch einen rahmenden Kanon – beispielsweise „Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn“ – miteinander verbunden. Dadurch entstehen kleine Atem- und Sammelpausen zwischen den verschiedenen Strophenaktionen. Zugleich stärkt der wiederkehrende Kanon den Zusammenhalt und gibt dem gesamten Singprozess einen erkennbaren Rahmen.
  • Als Vorspiel kann die Melodie zunächst ohne Text auf einer beliebigen Silbe gesungen werden. Anschließend fragt die Singleitung: „Wie fühlt sich diese Melodie an? Welche Stimmung löst sie aus? Welche Atmosphäre breitet sich aus, wenn wir der Melodie nachspüren?“ Auf diese Weise begegnen die Singenden zunächst der musikalischen Gestalt des Liedes, bevor sie sich mit dem Text beschäftigen. Die Wahrnehmungen und Assoziationen der Gruppe können anschließend gesammelt und mit dem Liedinhalt in Beziehung gesetzt werden.
  • Ergänzend kann ein Bild einbezogen werden, das sowohl den Gestus der Melodie als auch den Inhalt des Liedes aufgreift. Das Bild eröffnet einen weiteren Zugang zum Lied und lädt dazu ein, Verbindungen zwischen musikalischem Ausdruck, Textaussage und eigener Wahrnehmung zu entdecken.

Idee: Martina Hergt

Idee 4/6

Liedtext und Bibelwort

anregende Bezüge

Als Liedüberschrift schreibt Neander explizit „Psalm 103,1“ und präsentiert den Psalmvers im Wortlaut mit großen Lettern. Auf der dritten Seite steht über der Melodie der Psalmvers nochmal und zwar im hebräischen Original! Deutlicher kann das „Sola scriptura“-Prinzip nicht markiert werden. Im Wortlaut der Strophen lässt sich jedes Motiv biblisch verifizieren, nichts ist vom Dichter „erfunden“:

 

Strophe 1

König der Ehren – Ps 24,7-10
Kommet zuhauf – Ps 95,1
Psalter und Harfe, wacht auf – Ps 57,9

 

 

Strophe  2 

herrlich regieret – z.B. Ps 8,2
auf Adelers Fittichen – 5. Mose 32,11
wie es dir selber gefällt – Ps 37,4
dieses verspüret – 1. Mose 30,27

 

 

Strophe 3
dich bereitet – Ps 119,73/ 139,13ff
Gesundheit verliehen – Jesus Sirach 34,17
in wieviel Not – Ps 116,3
Flügel gebreitet – Ps 17,8/ 57,2/ 5. Mose 32,11

 

 

Strophe 4 

sichtbar … gesegnet – 5. Mose 28,10
Ströme (der Liebe) – Ps 36,9
Schlüsselwort Liebe – 1. Joh 3,1

 

 

Strophe 5  
lobe den Namen – Ps 103,1
er ist dein Licht – Ps 27,1
vergiss es ja nicht – Ps 103,2

Idee: Konrad Klek

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Idee 3/6

verschiedene Textfassungen

Interessierst du dich für das Lied „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“? Dann lohnt sich ein genauerer Blick: Es gehört zu den verbreitetsten geistlichen Liedern überhaupt und wurde in den unterschiedlichsten Varianten in über einhundert deutschsprachige Liederbücher aufgenommen. Der spannende Wikipedia-Artikel zum Lied bietet unter anderem eine Gegenüberstellung der ö-Fassung, eine Transkription der Originalfassung sowie den Scan einer frühen Veröffentlichung von 1686. 

 

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 zum Beitrag auf Wikipedia

Idee: Konrad Klek

Idee 2/6

Problemanzeige

Da die hier aufgenommene ö-Fassung an einigen Stellen deutlich von Neanders Original abweicht und das Lied in seiner ursprünglichen Gestalt vielfach auswendig gesungen wird, hatte das bisherige EG beide Fassungen abgedruckt (EG 316/317). Besonders kritisch wird die Textänderung in Strophe 5 gesehen. Die zweite Zeile beginnt im Original mit einem Zitat aus Ps 150,6: „Alles, was Odem hat“, und fährt fort mit „lobe mit Abrahams Samen“ (vgl. Jes 41,8). Dieser Bezug auf den abschließenden Lobpreis des Psalters geht in der ö-Fassung verloren. Zugleich wird durch das Weglassen des Namens Abraham die Verbindung zum Volk Israel vermieden – eine Praxis, die bereits in Gesangbüchern der NS-Zeit zu finden war.

 

Die ursprüngliche Schlusszeile lautete: „Lobende, schließe mit Amen.“ Damit wird der biblische Ruf „und alles Volk soll sagen: Amen“ (5. Mose 27) aufgenommen – hier jedoch bewusst umgedeutet: Nicht mehr der Fluch, sondern das Lob Gottes endet mit dem Amen, so wie auch die Bibel (Offb 22,20) schließt. Neander stellte seinem Lied die Überschrift „Der Lobende“ voran. Dazu passt die „Lobende“ (die Seele) als handelndes Subjekt der letzten Zeile. Diese Sprachform nutzt Neander häufig, um die Gegenwart des Glaubenslebens auszudrücken.

 

Auch in Strophe 1 weicht die ö-Fassung früh vom Original ab. Ursprünglich hieß es: „meine geliebete Seele, das ist mein Begehren“. Der Schwerpunkt liegt also auf der inneren Motivation zum Gotteslob. Die Formulierung „Vereint mit den himmlischen Chören“ bringt dagegen ein Motiv ein, das bei Neander wohl bewusst fehlt. Schließlich lautete die Schlusszeile der ersten Strophe bei Neander: „Lasset die Musicam hören!“ Nach der Nennung von Psalter und Harfe ist damit ganz allgemein gemeint: Musik soll erklingen. Die lobende Seele holt sich zur Unterstützung alle Musik der Welt!

 

Könnte diese Problemanzeige ein Gesprächsimpuls in einer Gruppe sein?
 

Idee: Konrad Klek

Idee 1/6

Notenansicht

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren | Evangelisches Gesangbuch Nr. 316, Strophe 1 (ö-Fassung)
Vollständige Text- und Notenansicht auf www.gesangbuch.de

Idee: Verlag am Birnbach

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