Jauchzt, alle Lande, Gott zu Ehren
Nr. 279 • Evangelisches Gesangbuch
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Die Melodie ist ein kleiner musikalischer Schatz aus der Sammlung des berühmten Genfer Psalters; der emotionale Text spricht in der religiösen Sprache der Aufklärungszeit. Wer sich der feierlichen Frömmigkeit dieser Epoche öffnen kann, begegnet einer kraftvollen Nachdichtung von Psalm 66 und einem fröhlich-bewegten Lied, das das Lob Gottes, persönliche Rettungserfahrung und gemeinschaftliches Gotteslob in den Mittelpunkt stellt.
Text:
Psalm 66; nach dem frz. „Or sus, louez Dieu“ des Théodore de Bèze, ~1561, und weiteren Übertragungen
Melodie:

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Wissenswertes zu "Jauchzt, alle Lande, Gott zu Ehren"
Die neue Übertragung des Psalms 66 in ein deutschsprachiges Strophenlied durch Jorissen lag bereits 1793 vor; gedruckt wurde sie erstmals in dem Gesangbuch Neue Bereimung der Psalmen, bestimmt für die reformirten Gemeinen im Grafenhaag und Amsterdam (Wesel 1798). Bereits seit längerer Zeit galt die insbesondere in reformierten Gemeinden verwendete und verbreitete Fassung des Ambrosius Lobwasser von 1573 sprachlich als nicht mehr zeitgemäß. So schuf Jorissen nach der französischen Vorlage Or sus, louez Dieu tout le monde des Théodore de Bèze (um 1561), zugleich aber auch im Vergleich mit dem hebräischen Original und weiteren zeitgenössischen deutschen Übersetzungen, das Lied neu. Dabei behielt er die Melodie bei, die vermutlich von Guillaume Franc 1543 für Psalm 118 komponiert worden war (erstmaliger Druck in Pseaulmes cinquante de David, Lyon 1547) und von Loys Bourgeois für die Ausgabe von 1551 überarbeitet wurde (Pseaumes octantetrois de David, Genf 1551).
- Liedrecherche von Christian Finke -
Der Psalm 66 wurde von Matthias Jorissen in zehn Liedstrophen übertragen, von denen acht in das Gesangbuch aufgenommen wurden. In der Regel werden jeweils zwei Psalmverse zu einer Strophe zusammengefasst. Die Überschrift in einer späteren Ausgabe seiner Neue[n] Bereimung der Psalmen (1806) lautet „Danklied für die Befreiung von fremdem Drucke“. In diesem Sinn sind Psalm und Lied auch zu verstehen: als Erinnerung an Flucht und Rettung (in den mittleren Str. 3–5), gerahmt von der Aufforderung zu weltweitem Jubel („alle Lande“, „kommt alle“) und persönlicher Dankbarkeit („mein Gebet verwirft er nicht“). Der Dank als Opfer erinnert an Psalm 50,14–15. Nun aber sollen alle Menschen von Gottes Güte erzählen.
Jorissen verstärkt das Emotionale und tut dies in der religiösen Sprache des Aufklärungszeitalters – vor hundert Jahren noch als „steif“ und „pathetisch“ abgelehnt – mit Worten wie „feierlich“, „weihen“ und „wallen“. Gottesdienste sollen erbaulich, ergreifend und erhaben sein. Die Str. 6–8 eröffnen eine neue Szene mit einem neuen Sprecher; womöglich bildeten die ursprünglichen Psalmverse sogar einen eigenständigen Psalm. Dabei kann Str. 8 als Zusammenfassung des Ganzen verstanden werden.
Die Melodie ist eine typische Weise des Genfer Psalter, jenes Gesangbuchs, das im 16. Jahrhundert für die französischsprachigen reformierten Gemeinden im Auftrag des Reformators Jean Calvin in Genf entstand. Charakteristisch sind die Melodiezeilen, die jeweils mit einer Halbenote beginnen und enden. Dazwischen sind Halbe- und Viertelnoten kunstvoll verteilt; am Ende jeder Zeile steht zudem eine halbtaktige Pause.
Der Tonumfang der Melodie überschreitet die Oktave nicht und bleibt melodisch weitgehend linear, also ohne große Intervallsprünge. Wo solche Sprünge auftreten, finden sie sich meist an den Zeilenenden, da sie durch den Harmoniewechsel zur folgenden Zeile bedingt sind.
Die Melodien des Genfer Psalters (siehe auch „Nun saget Dank und lobt den Herren“ oder „Singt, singt dem Herren neue Lieder“) sind insgesamt zugleich kunstvoll und gemeindegeeignet komponiert. Gerade diese Verbindung erklärt, warum sie über Jahrhunderte hinweg im kirchlichen Gebrauch geblieben sind.
Das Lied mit dem Textbeginn „Jauchzt“ passt sehr gut zum Sonntag Jubilate (3. Sonntag nach Ostern), dem Psalm 66 als Wochenpsalm zugeordnet ist, der mit demselben Wort beginnt. Der österliche Anklang zeigt sich besonders in Str. 4, in der Tod und Leben, Leiden und Freude einander gegenübergestellt werden.
In der reformierten Kirche sind dem Stammteil des Evangelischen Gesangbuchs die Lieder zu allen 150 Psalmen vorangestellt. Das dort zu Psalm 66 abgedruckte Lied steht an einigen Stellen dem Originaltext Jorissens näher, sodass sich ein Vergleich lohnt.
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