Jauchzt, alle Lande, Gott zu Ehren
Nr. 279 • Evangelisches Gesangbuch
- freiTöne
Die Kunst der Psalmübertragung
Von Genf bis Gegenwart – Psalmen neu gedacht
Die biblischen Psalmen in Strophenlieder zu übertragen, war eine Idee Martin Luthers. Psalmen sind zwar an sich bereits Lieder, doch ihre poetische Struktur ist eine andere. Auch die Melodien, d. h. die Rezitationstöne, auf die die Psalmverse gesungen wurden, entsprechen nicht der Vorstellung einer partizipierenden Gemeinde oder Gruppe. Luther schuf nur einige Psalmlieder, doch der Reformator der französischsprachigen Schweiz, Johannes Calvin, ließ alle 150 Psalmen übertragen.
Der Genfer Psalter von 1562 wurde zum Gesangbuch der reformierten Kirche und hat bis heute Bestand. Der von Ambrosius Lobwasser 1573 ins Deutsche übertragene „Genfer Psalter“ wurde von den folgenden Generationen jedoch als wenig gelungen angesehen. So machte sich Ende des 18. Jahrhunderts Matthias Jorissen daran, eine neue Fassung zu erstellen.
Noch einmal über 200 Jahre später leben wir heute. Welche Worte sind uns nicht mehr geläufig? Welche Bilder braucht es, um die 2500 Jahre alten Psalmen in unsere Zeit zu übertragen? Jede Übertragung ist eine Auseinandersetzung, eine Aneignung von etwas Bestehendem. Luther hatte durchaus christologische Aspekte in seine Übertragungen einfließen lassen, denn für ihn war Jesus der Bezugspunkt – und so las er die Psalmen aus der Perspektive des Neuen Testaments. Calvin dagegen wollte nicht vom Wortlaut des Alten Testaments abweichen; daher finden sich in den „Genfer Psalmen“ keine christologischen Bezüge. Auch Lobwasser, Jorissen und viele weitere Nachahmer hielten sich daran.
Wie entscheiden wir heute? Was ist uns an den Psalmen wichtig? Vertrauen wir dem Original? Braucht es verständlichere Begriffe? Braucht es neue Bilder?
In der Synopse stehen nebeneinander:
- der Liedtext, wie er im Evangelischen Gesangbuch mit acht Strophen abgedruckt ist;
- der Text, wie er neben dem Lied im Stammteil des EG auch im Psalmteil der reformierten Kirche steht – mit leichten Nuancen aus der Übertragung Jorissens;
- der Text, den Jorissen 1798 veröffentlichte – mit zehn Strophen;
- die Übertragung des Psalms durch Martin Luther in der Lutherübersetzung von 2017.
Die Strophen können miteinander verglichen werden: Wo verändern sich Gedanken? Und vielleicht entsteht daraus sogar eine eigene Übertragung.
Idee: