Lied vermitteln

Du meine Seele, singe

Nr. 302 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 203 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • freiTöne
Idee 6/6

Das bekannte Lied mit verschiedenen Melodien im Gottesdienst singen

Die einzelnen Strophen werden bewusst mit verschiedenen bekannten Melodien gesungen. So bekommt jede Strophe eine eigene Stimmung, die gut zu ihrem Inhalt passt.

 

Singidee – Strophen in Auswahl:

 

Strophe 1: mit der Ebeling-Melodie beginnen.
Strophe 2–3: zur Melodie O Haupt voll Blut und Wunden wechseln (ruhiger, nachdenklicher Klang).
Strophe 4: wieder die Ebeling-Melodie singen.
Schlussstrophe (10): entweder noch einmal O Haupt voll Blut und Wunden oder wieder Ebeling.
Der Wechsel zwischen Dur und Moll (bzw. phrygisch) sorgt dabei für einen schönen musikalischen Kontrast.

 

Singidee – Das ganze Lied (ggf. im Wechselgesang mit Chor oder Gemeindegruppen untereinander):

  • Strophe 1: mit der Ebeling-Melodie
  • Strophe 2–3: zur Melodie O Haupt voll Blut und Wunden
  • Strophe 4: mit der Ebeling-Melodie
  • Strophe 5–6 („Hier“-Strophen): zur Melodie Ich weiß, woran ich glaube
  • Strophe 7–9 („Er“-Strophen): zur Melodie Befiehl du deine Wege
  • Strophe 10: wieder mit der Ebeling-Melodie

Idee: Andreas Marti

Idee 5/6

Lied und Psalm-Wortlaut

Eine anregende Gegenüberstellung

Eine direkte Gegenüberstellung von Lied und Psalmwortlaut lässt sich liturgisch gut umsetzen: Als Introitus kann jeweils ein Psalmvers von einer Liturgin oder einem Liturgen gesprochen und anschließend die passende Liedstrophe gesungen werden. Das sorgt für Abwechslung und beugt sängerischer Ermüdung vor – nimmt allerdings etwas mehr Zeit in Anspruch, wenn der ganze Psalm und das gesamte Lied berücksichtigt werden sollen.

 

LiedtextPsalm 146
(Luther 2017)

1. Du meine Seele, singe,
wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge
zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben
hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben,
solang ich leben werd.

 

Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele!
Ich will den Herrn loben, solange ich lebe,
und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.

2. Ihr Menschen, lasst euch lehren,
es wird sehr nützlich sein:
Lasst euch doch nicht betören
die Welt mit ihrem Schein.
Verlasse sich ja keiner
auf Fürstenmacht und -gunst,
weil sie wie unsereiner
nichts sind als nur ein Dunst.

 

Verlasset euch nicht auf Fürsten;
sie sind Menschen, die können ja nicht helfen.

3. Was Mensch ist muss erblassen
und sinken in den Tod:
Er muss den Geist auslassen,
selbst werden Erd und Kot.
Allda ist's dann geschehen
mit seinem klugen Rat
und ist frei klar zu sehen,
wie schwach sei Menschentat.

 

Denn des Menschen Geist muss davon,
und er muss wieder zu Erde werden;
dann sind verloren alle seine Pläne.

4.Wohl dem, der einzig schauet
nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet,
der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen,
den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen
bleibt ewig unbetrübt.

 

Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist,
der seine Hoffnung setzt auf den Herrn, seinen Gott,

5. Hier sind die starken Kräfte,
die unerschöpfte Macht;
das weisen die Geschäfte,
die seine Hand gemacht:
der Himmel und die Erde
mit ihrem ganzen Heer,
der Fisch unzähl’ge Herde
im großen wilden Meer.

 

der Himmel und Erde gemacht hat,
das Meer und alles, was darinnen ist; 

6. Hier sind die treuen Sinnen,
die niemand Unrecht tun,
all denen Gutes gönnen,
die in der Treu beruhn.
Gott hält sein Wort mit Freuden,
und was er spricht, geschicht;
und wer Gewalt muss leiden,
den schützt er im Gericht.

 

der Treue hält ewiglich,
der Recht schafft denen, die Gewalt leiden,

7. Er weiß viel tausend Weisen,
zu retten aus dem Tod,
ernährt und gibet Speisen
zur Zeit der Hungersnot,
macht schöne rote Wangen
oft bei geringem Mahl;
und die da sind gefangen,
die reißt er aus der Qual.

 

der die Hungrigen speiset.
Der Herr macht die Gefangenen frei.

8. Er ist das Licht der Blinden,
erleuchtet ihr Gesicht,
und die sich schwach befinden,
die stellt er aufgericht’.
Er liebet alle Frommen,
und die ihm günstig sind,
die finden, wenn sie kommen,
an ihm den besten Freund.

 

Der Herr macht die Blinden sehend.
Der Herr richtet auf, die niedergeschlagen sind.
Der Herr liebt die Gerechten.

9. Er ist der Fremden Hütte,
die Waisen nimmt er an,
erfüllt der Witwen Bitte,
wird selbst ihr Trost und Mann.
Die aber, die ihn hassen,
bezahlet er mit Grimm,
ihr Haus und wo sie saßen,
das wirft er um und um.

 

Der Herr behütet die Fremdlinge
und erhält Waisen und Witwen;
aber die Gottlosen führt er in die Irre.

10. Ach ich bin viel zu wenig,
zu rühmen seinen Ruhm;
der Herr allein ist König*,
ich eine welke Blum*.
Jedoch weil ich gehöre
gen Zion in sein Zelt,
ist’s billig, dass ich mehre
sein Lob vor aller Welt.

 

Der Herr ist König ewiglich,
dein Gott, Zion, für und für. Halleluja!

*Hinweis zu einem Textdetail: In der letzten Strophe gibt es zwei Textänderungen gegenüber dem bisherigen EG: Der Herr ist ew`ger König (statt Der Herr allein ist König) / ist`s billig, dass ich ehre (statt mehre). Dies sind die Textversionen aus der Ebeling-Ausgabe (1667), die gegenüber dem Erstdruck von 1653 als vom Dichter revidierte Fassung letzter Hand gilt (was in der Forschung allerdings etwas umstritten ist). Ersteres profiliert den Gegensatz zwischen dem ewig herrschenden Gott und dem Menschen als welke (vergängliche) Blum. Letzteres wäre zu verstehen in dem Sinn, dass ich Gottes Lob „in Ehren halte“ (hochhalte).

Quelle: Quelle Textgegenüberstellung: https://de.wikipedia.org/wiki/Du_meine_Seele,_singe

Idee: Andreas Marti

Idee 4/6

Problemanzeige

Andreas Marti konstatiert in Gerhardts Lied gegenüber dem Psalm eine forcierte, „geradezu penetrante Betonung menschlicher Unzulänglichkeit und Hinfälligkeit“. Zugleich existiert eine Umdichtung der letzten Strophe, die deren Aussageabsicht ins krasse Gegenteil verkehrt:

 

Ja, ich bin nicht zu wenig,
zu rühmen ihren Ruhm.
In ihrem großen Garten
bin ich ein blühend Blum.
Bin Spiegelbild und Schatten
der einen großen Kraft,
die durch mich lebt und atmet
und neues Leben schafft.

(Esther Schmid 1988, s. freiTÖNE Nr. 70)

 

Hier wäre theologisch Stellung zu beziehen. 
Könnte das ein Gesprächsimpuls in einer Gruppe sein?

  • Welche theologischen Akzente nehmt ihr wahr?
  • Welche Fassung empfindet ihr als näher am Psalm – und warum?
  • Wo seht ihr Chancen oder Risiken für das Singen in der Gemeinde?
     

Idee: Andreas Marti

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Idee 3/6

Erstdrucke

Johan Georg Ebeling schuf eine eigeneMelodie zum Lied. Sie ist unter dieser Quelle einzusehen: 

 

Zur Melodieansicht

 

Der Liedtext zu Psalm 146, eine von 27 Psalmübertragungen Paul Gerhardts, erschien erstmals in der fünften Auflage von Johann Crügers Gesangbuch Praxis pietatis melica. Bild der Erstveröffentlichung 1653:

 

 

Zur Textansicht

Idee: Andreas Marti

Idee 2/6

Liedbesprechung

zur Textfassung im Schweizer Reformierten Gesangbuch (RG)

Eine ausführliche Besprechung von Andreas Marti zur Liedfassung im Reformierten Gesangbuch.

 

Zum Beitrag 

 

Idee: Andreas Marti

Idee 1/6

Notenansicht

Du meine Seeles singe | Evangelisches Gesangbuch Nr. 302, Strophe 1

Idee: Verlag am Birnbach

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