An dunklen, kalten Tagen
Nr. 107 •
Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
Nr. 34 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)
Das Lied einüben und Wirkungen der Melodie wahrnehmen
Über ein Lied mit Jugendlichen ins Gespräch kommen
Das Lied eignet sich gut für einen Adventsgottesdienst oder ein Adventsliedersingen. Auch für Jugendliche, etwa im Religionsunterricht oder in der Konfirmandenarbeit, ist es sehr ansprechend. Ohne die beiden letzten Strophen lässt es sich zudem gut in der Passionszeit einsetzen.
Die etwas melancholisch anmutende Melodie unterstreicht die bedrückte Stimmung der dunklen, kalten Tage – oder auch die unserer Zeit, die von Krieg, Gewalt und Streit geprägt ist. Zugleich wird die Sehnsucht nach einer neuen Welt, einer neuen Zeit deutlich spürbar. Allerdings ist die Melodie zunächst nicht ganz leicht vom Blatt zu singen – eine gute Begleitung ist dabei hilfreich. Bevor das Lied mit Text gesungen wird, empfiehlt es sich, die Melodie zunächst auf einer Tonsilbe (z. B. du-du-du-du) gemeinsam mit der Begleitung einzuüben, bis sie gut im Ohr verankert ist („Radio-Effekt“). Besonders die Septimen-Sequenz sollte gezielt vorbereitet werden.
Der Text folgt einer Frage-Antwort-Struktur:
Frage: An dunklen, kalten Tagen beschleicht uns banges Fragen: Was wird wohl morgen sein?
Antwort: Gott kommt und schafft die Wende, macht Angst und Furcht ein Ende und lässt uns Menschen nicht allein.
Diese Struktur kann als Wechselgesang – gewissermaßen als Frage-Antwort-Spiel – gestaltet werden, z. B. zwischen Vorsänger:in und Gemeinde, hohen und tiefen Stimmen oder Kindern und Erwachsenen.
Interessant ist auch die Frage, welche Wahrnehmungen entstehen, wenn die Melodie verändert wird:
Der Text kann beispielsweise auch auf die bekannte Melodie von „O Welt, ich muss dich lassen“ gesungen werden.
Einige beispielhafte Fragestellungen für einen anschließenden Gesprächsaustausch:
- Wie fühlt sich das Lied in der neuen Melodie an? (z. B. heller, getragener, trauriger, hoffnungsvoller …?)
- Welche Stimmung entsteht jetzt – im Vergleich zur ursprünglichen Melodie?
- Passt die neue Melodie gut zum Text? Warum (nicht)?
- Welche Wörter oder Zeilen wirken durch die neue Melodie besonders stark oder vielleicht auch weniger bedeutend?
- Wie verändert sich das Tempo oder der Rhythmus beim Mitsingen?
- Wie wirkt die Tonhöhe? Ist die neue Melodie bequemer oder schwieriger zu singen?
- Würdet ihr sagen, die neue Melodie unterstützt die Aussage des Textes – oder steht sie eher im Kontrast dazu?
- Welche Melodie drückt für euch besser die Hoffnung des Liedes aus – die ursprüngliche oder die neue?
- Wie sehr hängt die Wirkung eines Liedes von seiner Melodie ab?
Quelle: Eingesendet an mitsingen.de
Idee: , 
Nachgedacht: „Gerechtigkeit ist auf dem Weg“
Liedandacht
„Gerechtigkeit ist auf dem Weg“. Ein seltsamer Titel! Es ist zwar richtig, dass wir in der Adventszeit auf das Kommen des Friedens, der Freude, der Liebe und der Hoffnung warten, aber warten wir wirklich auf das Kommen der Gerechtigkeit? Was würde das bedeuten, wenn die Gerechtigkeit tatsächlich zu uns kommen würde? Haben wir etwas vor der Gerechtigkeit zu verbergen? Haben wir etwas zu befürchten? Haben wir Wünsche und Träume, die nicht erfüllt werden, und wollen wir sie der Gerechtigkeit zuführen?
War es jemals kalt für uns hier in der Welt und dachten wir, es sei ungerecht, dass wir so sehr allein gelassen wurden?
War es für uns einmal dunkel und düster, und hatten wir niemanden, mit dem wir unsere Ängste teilen konnten?
Machen wir uns Sorgen über das Morgen, über die Zukunft?
Sind wir beunruhigt über die Langeweile, die uns umgibt?
Eine Antwort auf unsere Fragen finden wir vielleicht im Text des Lieds „An dunklen kalten Tagen“. Und so singen wir jetzt dieses Lied.
An dunklen kalten Tagen beschleicht uns banges Fragen:
Was wird wohl morgen sein?
Gott kommt und schafft die Wende, macht Angst und Furcht ein Ende
und lässt uns Menschen nicht allein.
…
Ein Kind wird uns gegeben, als Hoffnung für das Leben:
In ihm bricht Zukunft an.
Gott kommt, für uns geboren, er gibt uns nicht verloren.
Was Gott tut, das ist wohlgetan.
Voll dieser Hoffnung, wie sie in diesem Lied beschriebenen wird, schreibt der Apostel Paulus: „Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die wir hoffen. Denn in Christus Jesus gilt … der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.“ (Galater 5,5-6)
Lasst uns im Geist und im Glauben auf die Hoffnung auf das Kommen der Gerechtigkeit warten. Lasst uns unermüdlich lieben und anderen Gutes tun, immer auf den wartend, der unsere Gerechtigkeit ist, der zu uns kommt und uns immer wieder neu auf den Weg macht. Denn bei ihm ist die Fülle der Freude und der Wonne!
Quelle: Einsendung an mitsingen.de
Idee:
Kirchenjahr - Singanlässe - Anforderungen
Anregungen zur Verwendung des Liedes
Das Lied wurde für die Adventszeit geschrieben, passt jedoch ebenso in den weihnachtlichen und sogar in den voradventlichen Zeitraum. Themenräume sind unter anderem: Frage und Zweifel, Klage und Sehnsucht, Gerechtigkeit und Frieden, Gottes neue Welt. Die Strophenform mit sechs Zeilen zu jeweils 7.7.6.7.7.8. Silben ist im kirchlichen Liedgut weit verbreitet, sodass der Text auch auf bekannte Melodien gesungen werden kann – z. B. auf die Melodie zu „O Welt, ich muss dich lassen“ oder, wie ursprünglich vom Textautor angedacht, auf die Melodie zu „Der Mond ist aufgegangen“. In der neuen Klanggestalt mit Georgiis Melodie stellt das Lied gewisse Anforderungen an die singende Gemeinde – insbesondere, wenn es noch unbekannt ist. Diese Herausforderungen lassen sich jedoch mit guter Liedbegleitung, Singleitung oder einer Liedeinführung bewältigen.
Komm mit anderen ins Gespräch darüber, welche persönlichen Erfahrungen sie mit dem Lied verbinden und welche Einsatzmöglichkeiten sie sehen.
Idee: