Wie die Stimme sich im Laufe des Lebens verändert

Von Resonanzräumen, Stimmbruch und Elastizität

Wie die Stimme sich im Laufe des Lebens verändert

Von Resonanzräumen, Stimmbruch und Elastizität

Unsere Stimme begleitet uns ein Leben lang - und verändert sich dabei merklich. Wer als Kind gern gesungen hat, stellt als Erwachsene vielleicht fest, dass die Stimme sich nicht mehr so mühelos in die Höhe schwingt. Jungen erleben in ihrer Jugend einen besonders spür- und hörbaren Umbruch, bei dem die Stimme innerhalb kurzer Zeit oft eine ganze Oktave tiefer erklingt. Im Alter wird die Stimme dann oft rau, brüchig oder dünn. Doch was beeinflusst unsere Stimme im Lauf des Lebens und warum klingen wir mit 7 anders als mit 77? 

Die Resonanzräume verändern sich

Der Klang unserer Stimme wird maßgeblich von den Resonanzräumen in unserem Körper beeinflusst, die beim Singen mitschwingen und einzelne Frequenzen des gesungenen Tons verstärken oder abschwächen. Bei Kindern schwingen vor allem die Resonanzräume im Kopf mit, die den Ton hell, klar und schwebend klingen lassen. Das liegt auch daran, dass ihr Kopf im Verhältnis zum Rumpf deutlich größer ist als bei Erwachsenen. Je größer wir werden, desto mehr beeinflussen weitere Resonanzräume, vor allem im Brustraum, unseren Klang und färben ihn dunkler, weicher und kräftiger.

Die Stimme wächst mit

Wie hoch wir singen, hängt davon ab, wie lang unsere Stimmbänder sind und wie stark sie angespannt werden. Ein Mensch mit langen, dicken Stimmbändern hat grundsätzlich eine tiefere Stimme als einer mit kurzen und dünnen Stimmbändern. Das ist ähnlich wie bei einer Gitarre: Je länger die Saite ist, desto langsamer schwingt sie und desto tiefer ist der Ton, den sie produziert. 

 

Wenn wir wachsen, werden auch unsere Stimmbänder länger und unsere Stimme klingt dadurch tiefer. Bei Jungen wächst der Kehlkopf, in dem sich die Stimmbänder befinden, in der Pubertät besonders stark und schnell, sodass ihre Stimmen deutlich tiefer werden - meist bis zu einer Oktave. Das kann zu einem hörbaren Stimmbruch führen, weil zum einen die beiden Stimmlippen nicht immer gleich schnell wachsen und zum anderen die Feinabstimmung der Muskeln, die für die richtige Spannung der Stimmbänder sorgen, wieder neu gelernt werden muss.

 

Der SWR-Beitrag aus der Rubrik “1000 Antworten” geht der Frage einer Hörerin nach, was beim Stimmbruch passiert:

Hormone beeinflussen die Stimme

In der Pubertät löst das Hormon Testosteron vor allem bei Jungen das starke Wachstum von Kehlkopf und Stimmbändern aus. Bei Frauen führt das veränderte Verhältnis von Östrogen, Progesteron und Testosteron nach den Wechseljahren zu einer tieferen Stimme: Während der Körper weniger Östrogen und Progesteron produziert, bleibt der Testosteronspiegel etwa gleich. Das führt zu einer weniger geschmeidigen Stimme und zu tendenziell dickeren Stimmlippen. Die Stimme wird dadurch um etwa einen Ganzton tiefer. 

Bei Männern wiederum kann ein sinkender Testosteronspiegel in hohem Alter wiederum zu einer etwas höheren Stimmlage führen.

Muskeln und Knorpel verändern sich

Um die Höhe unserer Stimme zu variieren, nutzen wir Muskeln und Knorpel im Kehlkopf, die die Stimmbänder anspannen. Je straffer die Stimmbänder gespannt sind, desto schneller schwingen sie und desto höher klingt der Ton, den sie produzieren. Werden wir älter, bauen sich die Muskeln im Kehlkopf allmählich ab und die Knorpel verhärten sich, sodass wir die Stimmbänder nicht mehr so stark anspannen können. Die Stimme wird dadurch tendenziell tiefer und der Tonumfang verringert sich.

Die Stimme wird trockener

Damit die Stimme geschmeidig bleibt, sind unsere Stimmlippen mit eigenen Schleimdrüsen ausgestattet, die die Stimmbänder befeuchten. Im Alter geht die Funktion dieser Drüsen zurück, sodass die Stimmbänder trockener und starrer werden. Die verringerte Elastizität führt dazu, dass die Stimmlippen weniger gut schwingen und schließen können. Das kann sich bei älteren Menschen in einer brüchigen oder belegten Stimme äußern, die schneller ermüdet.