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Wo Menschen sich vergessen (Da berühren sich Himmel und Erde)

Nr. 120 • Singt von Hoffnung

  • freiTöne /
  • Durch Hohes und Tiefes /
  • Himmel, Erde, Luft und Meer /
  • Kommt atmet auf /
  • Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder /
  • Singt Jubilate /
  • EGplus

Die besondere Melodiedramaturgie und die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten haben das Lied sehr populär gemacht. Es ist ein eingängiger „Ohrwurm“, der über das Thema Nächstenliebe hinaus auch bei Lebensübergängen, zum Jahreswechsel oder in der Friedensdekade gesungen werden kann. Der Text bietet eine bewusst offene, anschlussfähige Bildsprache mit klarer theologischer Tiefendimension: Alltägliche menschliche Handlungen werden als Orte erfahrbarer Gottesnähe gedeutet und bleiben zugleich auch für religiös nicht gebundene Menschen zugänglich.

Text:

Thomas Laubach (*1964), 1989

Melodie:

Christoph Lehmann (*1947–†2024), 1989

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Wissenswertes zu "Wo Menschen sich vergessen (Da berühren sich Himmel und Erde)"

Das Lied entstand 1989 im Kontext der gesellschaftlichen Umbrüche dieser Zeit. Es verbreitete sich zunächst im Umfeld des Neuen Geistlichen Liedes, insbesondere über kirchenmusikalische Praxiszusammenhänge und Liederbücher (u. a. der Band Ruhama). In der Folge fand es rasch Eingang in zahlreiche Liederbücher und wurde auch auf kirchlichen Großveranstaltungen wie dem Deutscher Evangelischer Kirchentag rezipiert.

Der Liedtext ist knapp gebaut (Kehrvers mit 10, drei Strophen mit je 12 Wörtern) und arbeitet mit wiederkehrenden Formeln („Wo Menschen sich … und neu beginnen“). Im Zentrum steht das Bild „da berühren sich Himmel und Erde“, das als eigentlicher Titel gelten kann und biblisch anschlussfähig ist, etwa an Jakobs Traum von der Himmelsleiter (1. Mose 28,10 ff.) oder den Regenbogen als Bundeszeichen (1. Mose 9,12 ff.).

 

 

Das Lied spricht nicht vom Frieden zwischen Gott und Mensch, sondern davon, dass Menschen selbst in der Lage sind, Frieden zu stiften, Hass zu überwinden und immer wieder „neu zu beginnen“. Im Lied unausgesprochen bleibt der Ernst der Nachfolge Jesu. Wie oft soll ich vergeben? (Matthäus 18,21 ff.) Wie oft also neu beginnen und den Frieden zwischen Menschen eröffnen? Die Antwort formuliert der Text nicht imperativisch, sondern beschreibend: Solche „Berührungen“ ereignen sich dort, wo Menschen gewohnte Muster verlassen, sich verschenken und sich verbünden, um Hass zu überwinden. „Sich vergessen“ meint dabei nicht Kontrollverlust, sondern das Zurückstellen des eigenen Ego zugunsten eines neuen Anfangs.

 

 

So spricht der Text menschlich und steht doch ganz auf dem Boden christlicher Ethik, indem er die Gottesbeziehung mitdenkt. Er bietet eine bewusst offene, anschlussfähige Bildsprache mit klarer theologischer Tiefendimension: Alltägliche menschliche Handlungen werden als Orte erfahrbarer Gottesnähe gedeutet.Der spricht der Text menschlich und doch steht er ganz auf dem Boden christlicher Ethik, denkt die Gottesbeziehung mit. So bietet er bewusst offene, anschlussfähige Bildsprache mit einer klaren theologischen Tiefendimension: Alltägliche menschliche Handlungen werden als Orte erfahrbarer Gottesnähe gedeutet.

 

 

- Liedrecherche von Markus Leidenberger und Martina Hergt -  

Die Melodie ist in den Strophen zurückhaltend. Sie bewegt sich überwiegend in Viertelnoten und wirkt durch Tonwiederholungen nahezu rezitativisch. Nach einem Auftakt zum Volltakt steigt sie schrittweise über f′, g′, a′ an, bevor sie ihren höchsten Ton auf c″ erreicht. Pausen stellen dabei eine maximale Reduktion dar; sie erzeugen Spannung und dienen zugleich der Wortdeutung (etwa bei „verlassen“). Im Kehrvers wirkt die Melodie dagegen entfaltet: Sie steigt in Achtelbewegung zum „Himmel“ auf, fällt wortausdeutend zur „Erde“ und hebt das Wort „Frieden“ durch eine Vierteltriole hervor. Der Text wird mit zunächst gleichen Tönen wiederholt und findet schließlich in einem beruhigten Rhythmus zum Abschluss. Die Melodiedramaturgie – eine eng am Text orientierte, zunächst schlichte und dann belebte Melodie – hat wesentlich zum Erfolg des Liedes beigetragen.

In den verschiedenen Gesangbuchausgaben ist das Lied unterschiedlichen Rubriken zugeordnet, etwa „Nächstenliebe/Frieden“ oder „Nächsten- und Feindesliebe“. Es ist als Wochenlied für den 22. Sonntag nach Trinitatis vorgeschlagen, an dem Schuld und Vergebung im Mittelpunkt stehen. Gelegenheiten zum „Neubeginn“ bietet es darüber hinaus im Kirchenjahr vielfach, etwa zum Jahreswechsel oder zum Schulanfang. Mit seinem Friedensthema eignet es sich auch für die Friedensdekade. Aufgrund seiner die Gottesbeziehung mitdenkenden, aber nicht vordergründig ausstellenden Sprache ist es zudem anschlussfähig für den weltlichen Kontext.

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