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Wir stecken uns nach dir

Nr. 333 • Durch Hohes und Tiefes

  • Himmel, Erde, Luft und Meer /
  • Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder /
  • Singt Jubilate /
  • EG-Regionalteil Kurhessen-Waldeck /
  • EG-Regionalteil Rheinland-Westfalen-Lippe /
  • EG-Regionalteil Bayern-Thüringen /
  • EG-Regionalteil Hessen-Nassau

In vielen Religionen spielt der Name Gottes eine zentrale Rolle, so auch im Christentum. Wie in einer Litanei stellen die Singenden anerkennend und grundlegend fest: „Du bist, wie du bist“, um zugleich im weiten Horizont möglicher Begegnungen und Erfahrungen die Attribute und Eigenschaften des „Du“ bewundernd zusammenzufassen: „Schön sind deine Namen.“ In sechs Variationen wird die Gemeinschaft des „Wir“ vertrauensvoll dazu aufgerufen, sich auf dieses „Du“ auszurichten. Dieses einfache und freudig gestimmte Lied kann unmittelbar mitgesungen werden. Es lässt sich als Gloria, als Halleluja, als Bitte um Öffnung zu Beginn des Gottesdienstes oder als Gebetsruf einsetzen.

Text:

Friedrich Karl Barth (*1938), 1985

Melodie:

Peter Janssens (*1934–†1998), 1985

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Wissenswertes zu "Wir stecken uns nach dir"

Das Lied entstand als modernes Gloria für einen „Liturgischen Tag“ zum Thema „Wir fassen uns ein Herz“ auf dem Kirchentag in Düsseldorf 1985. Es wurde erstmals in Lieder für Kirchentage (Frankfurt am Main 1987, Nr. 89) abgedruckt und erschien auch in den folgenden drei Auflagen von 111 Lieder für Kirchentage (1991, 1993, 1995, Nr. 110). Darüber hinaus fand es Aufnahme in weiteren Liederheften der Kirchentage bis hin zum 1. Ökumenischen Kirchentag 2003. Bis heute ist es in mehr als 25 Liederbüchern vertreten.

 

 

- Liedrecherche von Günter Ruddat -  

Das Lied lädt mit seiner einprägsamen Struktur in drei Versen dazu ein, sich zunächst in sechs Variationen als Gemeinschaft des „Wir“ vertrauensvoll auf ein „Du“ auszurichten. Dieses Du wird sehr persönlich als Wohnraum des Lebens ebenfalls sechsfacht markiert und beim Namen genannt. Der Refrain hält dann im zweiten Teil jedes Verses wie in einer Litanei anerkennend und grundlegend fest: „Du bist, wie du bist“, um zugleich im weiten Horizont möglicher Begegnungen und Erfahrungen die Attribute und Eigenschaften des „Du“ bewundernd zusammenzufassen: „Schön sind deine Namen“ (das erinnert interreligiös an die 99 schönen Namen Allahs). Das preisende Lobwort „Halleluja“ und das bestätigende „Amen“ unterstreichen das Ganze.

Die Tätigkeitswörter (Verben) „strecken und trauen, öffnen und freuen, halten und sehnen“ laden zum Tun ein und spannen einen bewegten Boden, gewissermaßen in einem Lernprozess Schritt für Schritt, sich aufzumachen und ein Ziel nicht aus dem Auge zu verlieren, an dem wir uns mit unserem Glauben und Leben verorten können. Die Haupt- und Namenwörter (Substantive) „Lebendigkeit und Barmherzigkeit, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit, Beständigkeit und Vollkommenheit“ vermitteln in gewisser Weise sperrige Zustände (anders als etwa die Formulierung: „Du bist lebendig“ usw.), die jedoch – wenn nicht gar aufgehoben – eingebunden werden in ein Gefühl der Geborgenheit, der Zugehörigkeit zum zugesagten „Wohnraum“ Gottes.

 

 

Friedrich Karl Barth hat sich dazu folgendermaßen geäußert: „Mir geht es mit den schweren Substantiven (so Professor Marcel Martin) beim Singen so, dass sich durch die Verben immer neue Bilder und Fantasien des Lebendigen einstellen, die so sind, wie sie sind und werden, und die zugleich Transparente sind, die mich das Du in allem ahnen lassen, dem mein Leben sich entgegen sehnt. Je länger, je mehr und erfüllter – so erfahre ich mich aufgehoben. Dieses kleine Lied befreite mich übrigens von schmaler Moralität, ich weiß auch nicht warum.“ 

[siehe: Dietrich Meyer (Hg): Das neue Lied im Evangelischen Gesangbuch. Lieddichter und Komponisten berichten, Arbeitshilfen des Archivs der Ev. Kirche im Rheinland Nr. 3, Düsseldorf 1997]

 

 

Bibel- oder Liederkonkordanzen eröffnen viele Möglichkeiten zu den Stichworten des Liedes, zu seinem Gesamtduktus, nicht zuletzt zu den Lobpsalmen – und zum liturgischen Kontext eines Gloria, das einerseits den jeweiligen Gottesdienst in den Rahmen aller Gottesdienste stellt, die jemals gefeiert wurden und werden, und uns andererseits vergewissert, dass unsere unvollkommene Wirklichkeit in Gottes Treue aufgehoben ist, die uns immer wieder eine neue Perspektive gibt, in dieser Welt zu leben. So unterstreicht etwa Peter Janssens selbst, das Lied „soll ein modernes Gloria sein. Der Text macht den Versuch, keine Herrschersprache zu gebrauchen. Ohne Gott zu nennen, besingt es doch seine Namen.“

[siehe : Dietrich Meyer (Hg): Das neue Lied im Evangelischen Gesangbuch. Lieddichter und Komponisten berichten, Arbeitshilfen des Archivs der Ev. Kirche im Rheinland Nr. 3, Düsseldorf 1997]

Es handelt sich um eine typische Melodie des Neuen Geistlichen Liedes, die die aktive Beteiligung der Gemeinde beim Singen befördert: Sie ist schnell erlernbar und weist klare, oft wiederkehrende Strukturen auf. Peter Janssens äußert sich 1996 dazu selbst: „Die Melodie steht in einem heiteren F-Dur. Sie beginnt zwar getragen, zieht dann aber an und wird im Mittelteil bewegt, bis sie am Schluss zur Ruhe kommt. Das Lied eignet sich auch für Bewegungsspiele.“ [siehe: Dietrich Meyer (Hg.): Das neue Lied im Evangelischen Gesangbuch. Lieddichter und Komponisten berichten, Arbeitshilfen des Archivs der Ev. Kirche im Rheinland Nr. 3, Düsseldorf 1997]

 

 

Die einfache harmonische Struktur und die kurzen, wiederkehrenden Melodieelemente in den Strophen prägen sich sehr leicht ein und ermöglichen ein Mitsingen auch ohne Vorbereitung. Markant sind die vier auftaktigen Sextsprünge in der Strophe. Sie verstärken den Akzent der Verben „strecken“ (Strophe 1), „öffnen“ (Strophe 2) und „halten“ (Strophe 3) sowie die Wortbetonung von „dir“, womit die wörtliche Anrede Gottes hervorgehoben wird. 

Im liturgischen Kontext ist das Lied vielfältig einsetzbar: zum Beginn des Gottesdienstes, um sich mit Leib und Seele für das Kommende zu öffnen, die Botschaft wahrzunehmen und sich mit dem Atem zu beteiligen, Gemeinschaft geistesgegenwärtig zu feiern und im Herzen zu bewegen; zwischendurch etwa – wie von den Autoren gedacht – als Gloria oder auch als die Predigt vorbereitendes Halleluja-Lied; zur Einführung von Taufe oder Konfirmation. Am Ende des Gottesdienstes kann das Lied helfen, sich für Sendung und Segen zu öffnen oder sich zum Ausgang noch einmal singend zu vergewissern und so in den Alltag weiterzugehen. Vor diesem Hintergrund lässt sich das Lied nicht kirchenjahreszeitlich eingrenzen, sondern ist eigentlich durchgängig – auch generationenübergreifend – einsetzbar, besonders wenn die Motive des Liedes in den biblischen Texten des jeweiligen Sonntags anklingen oder im liturgischen Kalender angezeigt sind (z. B. Misericordias Domini).