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Wir sind mitten im Leben zum Sterben bestimmt

Nr. 682 • EG-Regionalteil Württemberg

  • Durch Hohes und Tiefes /
  • EG-Regionalteil Kurhessen-Waldeck /
  • Singt von Hoffnung /
  • EG-Regionalteil Hessen-Nassau

Kein Wort und kein Ton ist in diesem Lied zu viel. Wie ein Suchender kreist die Melodie mit nur sechs Tönen um den Ton a als Mittelpunkt. Der Text greift die mittelalterliche Antiphon Media vita in morte sumus („Mitten im Leben sind wir im Tod umfangen“) auf und deutet sie theologisch neu. Es verbindet die Erfahrung der menschlichen Vergänglichkeit mit der Zusage der Zugehörigkeit zu Gott. So wird eine neue Perspektive der Hoffnung über den Tod hinaus eröffnet.

Text:

Lothar Zenetti (*1926–†2019), 1970

Melodie:

Herbert Beuerle (*1911–†1994), 1970

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Wissenswertes zu "Wir sind mitten im Leben zum Sterben bestimmt"

Media vita in morte sumus („Mitten im Leben sind wir im Tod“) ist der Beginn eines gregorianischen Chorals, der Notker I. (um 840–912), einem bedeutenden Gelehrten und Dichter der karolingischen Zeit aus St. Gallen, zugeschrieben wird. Wahrscheinlich ist der Choral jedoch bereits um das Jahr 750 im Westfrankenreich entstanden. Der Text betont die Vergänglichkeit des Menschen (conditio humana), verbindet das Leben untrennbar mit dem Sterben und wird zu einem Gebet und Sündenbekenntnis.

 

Lothar Zenetti greift für den Beginn seines Textes die Antiphon aus dem 9. Jahrhundert auf. Er stellt die Worte um, sodass sie heutiger klingen: „Wir sind mitten im Leben“. An die Stelle des Wortes „Tod“ tritt bei Zenetti „Sterben“. An die Stelle der personifizierten Endgültigkeit „Tod“ tritt das Bild eines Prozesses: „Sterben“. Die drei Strophen sind aus vier Zeilen mit jeweils sieben bzw. fünf Silben gebildet. Jedes Wort ist bedeutungstragend.

 

Der Text ist dreistrophig gestaltet und folgt einer klaren theologischen Dramaturgie. Die Mittelstrophe bildet dabei ein inhaltliches Scharnier, indem sie die Zugehörigkeit des Menschen zu Gott als Wendepunkt markiert. In Anlehnung an die Tradition des Media vita -Motivs wird eine Umkehrstruktur entfaltet, die vom Sterben (Strophe 1) zum Leben (Strophe 2) führt. Im Zentrum des Textes steht somit „der Herr, der uns liebt“. Dahinter leuchtet der Trost aus Römer 14,7ff auf: „… Darum: Wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“

Die Melodie schöpft aus einem hypoäolischen Tonvorrat, kommt mit nur sechs Tönen aus und kreist wie eine leicht erweiterte Psalmodie um das a′. Das a erhält zu Beginn neun Silben und reicht damit in die zweite Textzeile hinein, um dann mit dem Wort „Sterben“ abwärts zu führen. Der höchste Ton wird in der dritten Zeile erreicht, in der in der dritten Strophe das Wort „erstehen“ erklingt.

 

Die Unvermeidlichkeit von Sterben und Tod wird durch einkomponierte Pausen symbolisiert. Es ist daher wichtig, die Viertel auf die Worte „bestimmt“ und „nimmt“ pünktlich zu beenden, um die musikalische Figur der Pause in ihrer Bedeutung – als Atmen, Seufzen, Nachdenken und Ende – wirken zu lassen.

Die Einordnung in der Rubrik „Sterben und ewiges Leben“ in verschiedenen Liederbüchern kann konkretisiert werden auf Kirchenjahresende, Trauerfeiern, Gedenkgottesdienste und Seelsorge.

 

Auch wenn der Text nur gesprochen wird, kann man sich am Rhythmus des Liedes orientieren, da sich das Lied einschließlich der Pausen am Sprechrhythmus ausrichtet.