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Wir haben seinen Stern gesehen

Nr. 57 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

Die Weisen aus dem Morgenland suchen den Messias: „Wo ist der neugeborene König der Juden?“ Dieses Sternsingerlied mit seinem Kehrvers greift den zweiten Satzteil „und sind gekommen, ihn anzubeten“ in mehreren Sprachen auf und öffnet so den Horizont zur weltweiten Kirche. Das Lied bietet eine reiche Formenvielfalt in Melodie und Text sowie kanonische Elemente, die unter guter Singanleitung gemeinschaftliches Singen auf unterschiedlichen Niveaus ermöglichen.

Text:

Eugen Eckert (*1954), 2004

Melodie:

Peter Reulein (*1966), 2004

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Wissenswertes zu "Wir haben seinen Stern gesehen"

Die erste Veröffentlichung des Liedes findet sich 2004 in Sing! 1 – Das Jugendliederbuch zum Weltjugendtag in Köln (2004).

 

 

- Liedrecherche von Markus Leidenberger -  

Der Textanfang stammt wörtlich aus Matthäus 2,2. Die Weisen aus dem Morgenland sprechen diesen Satz, nachdem sie gefragt haben: „Wo ist der neugeborene König der Juden?“ Der erste Satzteil „Wir haben seinen Stern gesehen“ eröffnet die Strophe. Diese entfaltet das Bild des Sterns als „Licht, wie Feuer in der Nacht“ und legt dar, warum das Ereignis zum Handeln bewegt: „Weil wir auf Gottes Spuren gehen“. Der Kehrvers greift den zweiten Satzteil auf: „und sind gekommen, ihn anzubeten“. Dieser wird in mehreren Sprachen (lateinisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Griechisch) wiederholt. Dieser Kunstgriff öffnet den Raum hin zur weltweiten Kirche und erinnert an Lukas 13,29: Aus der ganzen Welt kommen Menschen an den Tisch des Herrn – hier zur Krippe. Vielsprachig sind sie in der Anbetung vereint. Dies ist auch die Aussage der zweiten, mehrsprachigen Strophe.

Das Klanggewand des Liedtextes ist durchaus anspruchsvoll, facettenreich und zugleich eingängig melodisch. Der fast durchgängig verwendete kurze Auftakt verdeutlicht die Aktivität, die die Melodie von Anfang an prägt. In großen Sprüngen führt sie aus tiefer Lage aufwärts. In der zweiten Zeile kehren die Aufwärtssprünge wieder und gehen über den oberen Grundton hinaus. Die dritte Zeile ist melodischer und ruhiger angelegt. Die vierte Zeile variiert die zweite und endet in einem hohen, offenen Schluss. Der anschließende Kehrvers baut über der Melodie der dritten Strophenzeile einen Kanon auf, der sich euphorisch weiter nach oben entfaltet. Die dritte Zeile mündet nach beruhigenden Vierteln in eine Achtel-Schaukelbewegung. Passend zu den Worten „to worship him“ schließt der Kanon in einer ruhigen Bewegung, die im oberen Grundton mündet.

Das Lied gehört in die nachweihnachtliche Zeit bis Epiphanias, also in die Zeit der Sternsinger.

 

Die Melodie hat im guten Sinne Ohrwurmqualität; ihre Tücken sollte man jedoch nicht unterschätzen. Passend zum Text „ohne Zögern“ beginnt die vierte Zeile – anders als die übrigen – nicht mit einem kurzen Auftakt, sondern auf Schlag vier. Am besten stellt man sich vor, dass sie direkt an die dritte Zeile angehängt wird. Ist das Lied noch nicht bekannt, sollten Gemeinde oder Singgruppe auf das Wandern durch insgesamt sechs Sprachen in Kanon und zweiter Strophe vorbereitet werden. Vorsprechen und Nachsprechen kann dabei Freude machen und muss nicht als „Probe“ verstanden werden. Das gemeinsame Sprechen wird die spätere Singfreude deutlich fördern. Der Kanon kann bei Sicherheit in Melodie- und Textablauf ad libitum hinzukommen.

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