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Wir gehn hinauf nach Jerusalem

Nr. 545 • EG-Regionalteil Hessen-Nassau

  • Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder /
  • EG.E Evangelisches Gesangbuch - Ergänzungsheft

Dieses neuere Passionslied nach einer schwedischen Vorlage nimmt den Leidensweg Christi aus einer besonderen Perspektive in den Blick. Es spricht uns direkt an: Es geht um das „Wir“ im Lied und um die Frage, wo wir – die Singenden – in der Passionsgeschichte unseren Platz finden. Haben wir die Kraft, im Angesicht von Not, Angst, Leid und Tod in dieser Welt unter dem Kreuz stehen zu bleiben?

Text:

Karl Ludwig Voss (*1940–†2008), 1970

nach dem schwedischen Lied „Se, vi går upp till Jerusalem“ von Paul Nilsson (1906)

Melodie:

Nordische Volksweise, 1623 (Arrebos Psalter)

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Wissenswertes zu "Wir gehn hinauf nach Jerusalem"

Woher das schwedische Gesangbuch Arrebos Psalter die Melodie genommen hat, lässt sich nicht feststellen, die Angabe „Volksweise“ weist auf eine gewisse Verbreitung hin.

 

Der schwedische Text, gedichtet von Pfarrer Paul Nilsson, beginnt mit den Worten: „Se, vi går upp till Jerusalem“. Der Autor der deutschen Nachdichtung studierte Theologie in Lund und war eine Zeitlang Pfarrer in Südschweden. In dieser Fassung kam das Lied 1994 in den hessischen Regionalteil des Evangelischen Gesangbuchs.

 

- Liedrecherche von Andreas Marti - 

Die vier Strophen des Liedes sind durch das Zitat aus Jesu Leidensankündigung (Mt 20,18; Lk 18,31) zu einer Einheit verbunden. Die zweite und dritte Strophe beziehen sich auf die Szene im Garten Gethsemane sowie auf die Jünger unter dem Kreuz. Die erste und die vierte Strophe bilden den deutenden Rahmen: Jesu Tod bereitet uns einen Platz bei Gott, und Jerusalem wird von der historischen Stätte zu einem symbolischen Ort des Heils angesichts von Leiden und Ohnmacht. Im „Wir“ des biblischen Zitats sind die Singenden und Hörenden eingeschlossen.

Die Struktur der Melodie weist Züge auf, die häufig mit „Volksweisen“ in Verbindung gebracht werden: ein kleiner Tonumfang (nur der Anfangston liegt knapp unter dem Quintraum der Tonart), innere Korrespondenzen wie die Parallelität der Zeilenschlüsse 1–3 und 2–4 sowie eine zwischen Grund- und Quinttonart pendelnde Harmonik. Der Melodieaufgang zu Beginn lehnt sich eng an die Textaussage an, einen Weg bergan zu beschreiten. Das Lied ist rhythmisch sehr einfach in einem fließenden Dreiertakt notiert und gut nachzuvollziehen. Alles ist in Bewegung. Der gesetzte Gestus der Mollharmonik ist dem ernsten Textinhalt angemessen.

Da der Text von der Ankündigung der Passion ausgeht, liegt eine Verwendung vor dem Beginn der eigentlichen Passionszeit nahe, insbesondere an Estomihi, dem Sonntag vor der Passionszeit, dem die Leidensankündigung als Wochenspruch zugeordnet ist.

 

"Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn." Lk 18,31

 

Es eignet sich ebenso als Prozessions- oder Eingangslied, da der „Weg“-Charakter musikalisch und inhaltlich unterstützt wird. Schließlich lässt sich das Lied auch meditativ einsetzen, etwa im Wechsel von Singen und Lesungen der Leidensankündigungen aus den Evangelien.