Lied entdecken

Wir gehn hinauf nach Jerusalem

Nr. 545 • EG-Regionalteil Hessen-Nassau

  • Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder /
  • EG.E Evangelisches Gesangbuch - Ergänzungsheft

Dieses neuere Passionslied nach einer schwedischen Vorlage nimmt den Leidensweg Christi aus einer besonderen Perspektive in den Blick. Es spricht uns direkt an: Es geht um das „Wir“ im Lied und um die Frage, wo wir – die Singenden – in der Passionsgeschichte unseren Platz finden. Haben wir die Kraft, im Angesicht von Not, Angst, Leid und Tod in dieser Welt unter dem Kreuz stehen zu bleiben?

Text:

Karl-Ludwig Voss (*1940–†2008), 1970

nach dem schwedischen Lied „Se, vi går upp till Jerusalem“ von Paul Nilsson (1906)

Melodie:

Nordische Volksweise, 1627 (Arrebos Psalter)

Landkarte der Liedschöpfer:innen

Spannende Hintergründe zu den beteiligten Personen und ihren Lebenswegen entdecken.

zur Landkarte

Passende Stichworte zum Weiterstöbern

Wissenswertes zu "Wir gehn hinauf nach Jerusalem"

Woher die Melodie im schwedischen Gesangbuch stammt, lässt sich nicht feststellen; die Angabe „Nordisk folkmelodi“ lässt eine gewisse Verbreitung vermuten. Eine frühe Form oder Variante der wohl aus dem 16. Jh. stammenden Melodie findet sich im K. Davids Psalter des Anders Christenssøn Arrebo von 1627.

 

Der schwedische Text, gedichtet von Pfarrer Paul Nilsson (1866-1951), beginnt mit den Worten: „Se, vi går upp till Jerusalem“. Der Autor der deutschen Nachdichtung studierte Theologie in Lund und war eine Zeitlang Pfarrer in Südschweden. In dieser Fassung kam das Lied 1994 in den hessischen Regionalteil des Evangelischen Gesangbuchs.

 

1970 wurde das Lied in Niedergrenzebach in der Fassung mit der deutschen Textübertragung erstmals aufgeführt; dort lebte und wirkte Karl-Ludwig Voss über viele Jahre.
 

- Liedrecherche von Andreas Marti - 

Die vier Strophen des Liedes sind durch das Zitat aus Jesu Leidensankündigung (Mt 20,18; Lk 18,31) zu einer Einheit verbunden. Die zweite und dritte Strophe beziehen sich auf die Szene im Garten Gethsemane sowie auf die Jünger unter dem Kreuz. Die erste und die vierte Strophe bilden den deutenden Rahmen: Jesu Tod bereitet uns einen Platz bei Gott, und Jerusalem wird von der historischen Stätte zu einem symbolischen Ort des Heils angesichts von Leiden und Ohnmacht. Im „Wir“ des biblischen Zitats sind die Singenden und Hörenden eingeschlossen.

Die Struktur der Melodie weist Züge auf, die oft mit „Volksweisen“ in Verbindung gebracht werden: kleiner Tonumfang (nur gerade der Anfangston und der letzte Ton der dritten Zeile liegen unter dem Quintraum der Tonart), innere Korrespondenzen wie die Parallelität der Zeilenschlüsse 1-3 und 2-4, und die zwischen Grund- und Quinttonart pendelnde Harmonik. Der Melodieaufgang zu Beginn lehnt sich eng an die Textaussage an, einen Weg bergan zu beschreiten. Das Lied ist rhythmisch sehr einfach in einem fließenden Dreiertakt notiert und gut nachzuvollziehen. Alles scheint fließender Bewegung. Der gesetzte Gestus der Mollharmonik ist dem ernsten Textinhalt angemessen.

Da der Text von der Ankündigung der Passion ausgeht, liegt eine Verwendung vor dem Beginn der eigentlichen Passionszeit nahe, insbesondere an Estomihi, dem Sonntag vor der Passionszeit, dem die Leidensankündigung als Wochenspruch zugeordnet ist.

 

"Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn." Lk 18,31

 

Es eignet sich ebenso als Prozessions- oder Eingangslied, da der „Weg“-Charakter musikalisch und inhaltlich unterstützt wird. Schließlich lässt sich das Lied auch meditativ einsetzen, etwa im Wechsel von Singen und Lesungen der Leidensankündigungen aus den Evangelien.

Aufnahmen von "Wir gehn hinauf nach Jerusalem"

Hast Du neue Informationen zu diesem Lied?

Dann schreib uns